Stand: 06.07.2020 16:50 Uhr  - Mein Nachmittag

Urlaub in Corona-Zeiten: Diese Rechte haben Kunden

Mehr als zwei Monate bestand aufgrund der Corona-Pandemie eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Gebuchte und bereits bezahlte Pauschalreisen konnten nicht stattfinden. Seit dem 15. Juni gilt diese Reisewarnung für zunächst für 28 europäische Länder nicht mehr. Was bedeutet das für Kunden, die in den nächsten Wochen und Monaten ins Ausland verreisen wollen?

Was gilt für Reisen seit dem 15. Juni?

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Seit dem 15. Juni können Touristen wieder in viele europäische Länder reisen.

Wer eine Reise in eines der europäischen Länder gebucht hat, für die seit dem 15. Juni keine Reisewarnung mehr gilt, kann reisen. Es empfiehlt sich allerdings, sich beim Veranstalter darüber zu informieren, ob die Reise wirklich stattfindet, den viele Flüge fallen weiterhin aus.

Müssen Kunden Stornierungskosten zahlen?

Für Kunden, die ihre Reise stornieren möchten, gelten seit dem 15. Juni wieder die vertraglich festgelegten Stornobedingungen. Eine kostenlose Stornierung ist in der Regel nur für Länder möglich, für die weiterhin eine Reisewarnung gilt. Dazu gehören etwa die Türkei, Ägypten und Tunesien. Dazu heißt es beim Auswärtigen Amt: "Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären."

In vielen Ländern bestehen allerdings weiterhin Einschränkungen im touristischen Angebot und im öffentlichen Leben. So gilt etwa in Großbritannien für Einreisende derzeit eine 14-tägige Quarantänepflicht. Auch die Anreise zum Urlaubsziel kann aufgrund von Flugausfällen schwierig werden. In diesem Fall oder wenn das Infektionsrisiko im betreffenden Reiseland noch immer hoch ist, sollten keine Stornogebühren anfallen, so die Einschätzung der Verbraucherzentrale. Je nachdem, wie der Reiseveranstalter die Situation bewertet, könne es darüber aber zum Streit zwischen Unternehmen und Kunden kommen.

Corona: So können Sie Ihre Reise stornieren

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Die Corona-bedingten Reisewarnungen wurden für viele europäische Länder aufgehoben. Doch welche Möglichkeiten gibt es für jene, die trotzdem lieber von ihrer gebuchten Reise zurücktreten möchten?

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Was gilt für Reisen zu späteren Zeitpunkten?

Ist der Zeitpunkt der geplanten Reise noch relativ lange hin, rät die Verbraucherzentrale, sich mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen einer frühen Stornierung genau zu beschäftigen. In der Regel gilt: Je früher der Reiserücktritt erklärt wird, desto niedriger sind die Stornogebühren. Nähere Hinweise geben die Verbraucherschützer auf ihrer Website.

Wie sind die Regelungen für Reisen außerhalb Europas?

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Wer einen Urlaub mit Reiseantritt vor dem 15. Juni gebucht hat, sollte sein Geld zurück bekommen.

Reisen ins außereuropäische Ausland werden aufgrund der bis zum 31. August 2020 verlängerten Reisewarnung weiterhin meist abgesagt. Der Veranstalter muss den Reisepreis unverzüglich nach Absage der Reise, spätestens aber innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten oder er kann den Kunden einen Gutschein in gleicher Höhe anbieten. Falls der Veranstalter zögert, das Geld zurückzuzahlen, sollte der Kunde die Zahlung anmahnen und selbst eine Frist setzen. Hierfür bietet der Bundesverband der Verbraucherzentralen Musterbriefe an, mit denen Kunden ihr Geld zurückfordern können.

Kunden können wählen: Geld oder Gutschein

Für Reisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht wurden und wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können, haben Kunden die Wahl:

  • Sie können den bereits gezahlten Reisepreis zurückfordern, der Veranstalter muss das Geld innerhalb von 14 Tagen überweisen.
  • Sie können einen Gutschein des Veranstalters in gleicher Höhe annehmen.

Die Bundesregierung sichert den Wert des Gutscheins ab, falls der Reiseveranstalter Insolvenz anmeldet. Wird der Gutschein nicht bis Ende 2021 eingelöst, muss der Anbieter den Wert ausbezahlen. Kosten für den Gutschein oder die Einlösung dürfen nicht entstehen. Die Regelungen gelten auch für Gutscheine, die Kunden bereits akzeptiert haben, bevor die neuen Regeln am 2. Juli in Kraft getreten sind.

Hohe Aufwandsentschädigungen nicht rechtens

Um einen Teil ihrer Kosten zu kompensieren, versuchen einige Reiseveranstalter, ihren Kunden hohe Aufwandsentschädigungen oder Umbuchungsgebühren in Rechnung zu stellen - obwohl die Reise nicht zustande gekommen ist. Die Verbraucherzentralen raten davon ab, derartige Zahlungen zu leisten. Es bestehe weder eine vertragliche noch eine rechtliche Grundlage für einen Zahlungsanspruch seitens der Veranstalter.

Gutachten: Kostenlose Stornierung bis 30. August?

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Derzeit gibt es keine gesetzliche Regelung, nach der Kunden statt einer Rückzahlung auch einen Reise-Gutschein akzeptieren müssen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat zu der Frage von Stornierungen ein Gutachten des Reiserechtlers Klaus Tonner eingeholt. Demnach können Verbraucher - unabhängig von der geltenden Reisewarnung - Auslands-Pauschalreisen, die bis Ende August stattfinden sollen, kostenlos stornieren. Auch Restzahlungen für solche Reisen dürfen sie demnach zurückhalten, da die Umstände der Pandemie zu einer "erheblichen Beeinträchtigung" der Reise führen. Rechtssicherheit bietet diese Einschätzung Verbrauchern aber nicht.

Wann zahlt die Reiserücktrittsversicherung?

Eine Rücktrittsversicherung springt ein, wenn die Versicherten selbst krank geworden sind oder einen Unfall hatten. Sie springt nicht ein, wenn diese lediglich befürchten, sich mit einer Krankheit zu infizieren. Auch wenn die Versicherten an Corona erkrankt sind, ist die Situation nicht eindeutig, da die Krankheit als Pandemie eingestuft wurde. Diesen Fall schließen manche Versicherer aus.

Wer trägt die Kosten bei Rückholflügen der Bundesregierung?

Reisende, die die Bundesregierung mit einem der Rückholflüge nach Deutschland zurückgebracht hat, müssen sich gemäß dem Konsulargesetzt an den Kosten für den Transport beteiligen. Die Gebühren orientieren sich dabei an üblichen Ticketpreisen. Wer jedoch als Pauschalreisender mitgeflogen ist, kann sich die Kosten durch seinen Reiseveranstalter ersetzen lassen, sofern dieser auf Nachfrage keinen geeigneten Flug zur Verfügung gestellt hat. Nach geltendem Reiserecht sei der Reiseveranstalter verpflichtet, bei Reiseabbruch unverzüglich für die Rückbeförderung zu sorgen, auch wenn das durch die Corona-Pandemie nur schwer möglich gewesen sei, erklärt die Verbraucherzentrale.

Verbraucherzentrale: Kostenlose telefonische Beratung

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt bietet eine kostenlose Hotline zu Fragen rund ums Reisen in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Experten sind von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (0345) 298 03 63 zu erreichen. Darüber hinaus bietet das Verbrauchertelefon unter (0900) 1 77 57 70 (1 Euro pro Minute aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend) Hilfestellung an.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 15.06.2020 | 16:20 Uhr

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