Stand: 08.09.2013 14:21 Uhr  | Archiv

"Sehr problematisch sind aromatisierte Tees"

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Jürgen Stellpflug: Bio-Tee ist besser für die Umwelt und für die Arbeiter auf den Plantagen.

Jürgen Stellpflug, Chefredakteur der Zeitschrift "Öko-Test", rät Verbrauchern zum Kauf von Bio-Tee. Denn konventionell angebaute Tees fallen in den Tests häufig dadurch auf, dass sie Pestizid-Rückstände enthalten. Auch Kräuter- und Früchtetees sind meist keine Alternative.

NDR.de: Es gibt mehrere Aspekte:  Einsatz von Giften, Monokulturen, schlechte Arbeitsbedingungen. Was ist Ihrer Ansicht nach das Hauptproblem beim Tee-Anbau?

Jürgen Stellpflug: Es ist nicht möglich, diese Probleme zu gewichten. So sind Monokulturen anfälliger für Schädlingsbefall und erfordern im konventionellen Anbau einen verstärkten Einsatz von Pestiziden. Nach Untersuchungen von "Öko-Test" gibt es seit einigen Jahren zwar weniger Überschreitungen von gesetzlichen Grenzwerten, zugenommen haben allerdings Mehrfachbelastungen. 2012 konnten wir in grünen Tees bis zu 14 verschiedene Pestizide nachweisen. Ganz ähnlich waren die Ergebnisse unseres letzten Tests von schwarzem Tee. Besonders problematisch sind im Übrigen aromatisierte Tees, da unverständlicherweise viel höhere Pestizidmengen gesetzlich zulässig sind als in nicht aromatisierten Tees. Pestizide konnte "Öko-Test" in Tees aus Bio-Anbau zwar (fast) nicht nachweisen, aber schlechte Arbeitsbedingungen können auch hier ein Problem sein. Selbst der Verein Transfair, der das bekannte Fairtrade-Siegel vergibt, stellt fest, dass sich bislang nur wenige Plantagen – sowohl bio als auch konventionell – haben zertifizieren lassen.

Ist der Tee aus Afrika von schlechterer Qualität als Tee aus Indien und Sri Lanka?

Stellpflug: Tee aus Afrika, vor allem aus Kenia, wird meist für Teebeutel verwendet. Das Herstellungsverfahren erbringt einerseits eine höhere Ausbeute, andererseits haben die Tees weniger Aroma.

Ist Bio-Tee generell besser?

Stellpflug: Bio-Tee ist unter anderem wegen des Verbots von chemisch-synthetischen Pestiziden besser für die Umwelt, aber auch für die Plantagenarbeiter, die oft ungeschützt Pestiziden ausgesetzt sind. Die Qualität des Tees, also der Geschmack und das Aroma, hängt dagegen nicht in erster Linie von der Art des Anbaus ab, sondern mehr beispielsweise von der Anbauregion und dem Herstellungsverfahren.

Wenn jetzt plötzlich ein Boom beim Bio-Tee entstünde – könnten die Hersteller überhaupt liefern?

Stellpflug: Nein, denn Umstellungsbetriebe müssen eine Wartezeit einhalten, bevor sie Tee, der nach den Regeln des ökologischen Landbaus hergestellt wurde, als Bio-Tee verkaufen dürfen. Allerdings ist das Problem möglicher Lieferengpässe bei einem plötzlichen Boom kein Bio-spezifisches. Würde sich beispielsweise die Nachfrage nach Darjeeling-Tee plötzlich verdoppeln, wäre es nicht möglich, diese Nachfrage zu befriedigen.

Worauf sollte ich als Käufer im Supermarkt achten?

Stellpflug: "Öko-Test" empfiehlt bei Lebensmitteln grundsätzlich auf Regionalität, Saisonalität, ökologische und faire Erzeugung zu achten. Da Regionalität und Saisonalität bei Tee keine Rolle spielen, bleiben als wichtigste Kriterien ökologische und faire Erzeugung.

Was haben Ihre Tests bei Kräuter- und Früchtetee ergeben? Gibt es dort ähnliche Probleme?

Stellpflug: Wo Pflanzen konventionell angebaut werden, sind Pestizide nicht weit. Das hat kürzlich ein Test von Gesundheitstees bestätigt. Insgesamt war die Pestizidbelastung zwar geringer als bei schwarzen und grünen Tees. Dennoch waren bis zu sieben verschiedene Spritzmittel in einem Produkt nachweisbar.

Das Gespräch führte Angela Hachmeister, NDR.de

Dieses Thema im Programm:

DIE REPORTAGE | 13.09.2013 | 21:15 Uhr

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