Stand: 19.02.2016 10:08 Uhr  | Archiv

Schützt der Car-Pass vor Tachostand-Betrug?

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Mit einem Gerät kann der Tachostand leicht manipuliert werden. Kann der Car-Pass ein Mittel gegen den Kilometer-Betrug sein?

Jeder dritte Gebrauchtwagen, schätzen Polizei und TÜV, ist mit einem gefälschten Tachostand unterwegs. Mit einem Computerprogramm lässt sich die Kilometerstandsanzeige so manipulieren, dass sie weniger Kilometer anzeigt als die tatsächlich gefahrenen. Jedes Jahr entsteht so ein Schaden von sechs Milliarden Euro. SPD und Grüne in Niedersachsen haben das Thema auf die Tagesordnung des Landtags gesetzt. Die Fraktionen machen sich für die Einführung eines sogenannten Car-Passes auf Bundesebene stark.

Car-Pass dokumentiert Kilometerstand

Der Car-Pass ist ein Ausweis, in den der TÜV oder die Werkstatt bei jeder Kontrolle den aktuellen Kilometerstand einträgt. Dieser Stand wird zudem in einer Datenbank gespeichert - so kann über Jahre nachvollzogen werden, zu welchem Zeitpunkt der Wagen welche Zahl auf dem Tacho hatte. Beim Verkauf eines Gebrauchtwagens muss der Verkäufer dem Käufer diesen Ausweis vorlegen.

ADAC fordert Sicherheit vom Autohersteller

In Belgien existiert der Pass seit zehn Jahren und trägt offenbar dazu bei, die Anzahl der Betrugsfälle zu reduzieren. Der ADAC begrüßt zwar hierzulande die Initiative der Landtagsfraktionen gegen den Tachobetrug, manche Experten meinen aber, dass die Kilometer-Datenbanken keine Lösung seien, da dem Verbraucher damit eine falsche Sicherheit suggeriert werde. Denn: Die Eintragungen in die Datenbank würden oft erst mit der ersten Hauptuntersuchung (HU) beginnen, wenn das Fahrzeug drei Jahre alt ist.

Kriminelle, die ein Auto manipulieren und dadurch seinen Wiederverkaufswert steigern wollen, können beispielsweise vor einer Hauptuntersuchung den Kilometerstand des Pkw gezielt verändern. Das Ergebnis mit dem vermeintlich echten Kilometerstand bekommen sie dann mit der HU sogar noch "amtlich" bestätigt. Den besten Schutz vor Tachobetrug sieht der ADAC in einer technischen Lösung, also der manipulationssicheren Speicherung des tatsächlichen Kilometerstands direkt im Fahrzeug. Ein Chip, der in Neuwagen eingebaut werden soll, soll diese Aufgabe übernehmen.

Tacho-Betrüger sind nur schwer zu fassen

Die Polizei hat große Schwierigkeiten, Tachobetrügern auf die Spur zu kommen, denn die Manipulation eines Tachos ist einfach. Die Manipulationsgeräte gibt es im Internet günstig zu kaufen. Außerdem gibt es sogenannte "Dienstleister", die sich mit Betrügern auf Parkplätzen treffen. Dort schließen sie ein Gerät an den Diagnosestecker des Autos an und setzen den Kilometerstand herunter. Dieser Eingriff geht schnell und hinterlässt keine Spuren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 19.02.2016 | 08:50 Uhr

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