Stand: 23.03.2015 18:48 Uhr  | Archiv

Riskante Erdölförderung in der Großstadt?

von Alexa Höber

Bei der Erdölförderung kommen fast immer auch explosives Gas und giftiges Wasser aus dem Untergrund. Das passiert täglich - auch mitten in einer Großstadt wie Hamburg. Viele Bürger wissen nichts von den Risiken, obwohl sie direkt neben Förderanlagen wohnen.

Giftiges Quecksilber

Das Wasser aus der Tiefe ist stark mit Schadstoffen belastet. Laut Aufsichtsbehörde enthält es pro Liter 0,2 Milligramm giftiges Quecksilber. Das ist 200-mal mehr, als im Trinkwasser erlaubt. Auch Kohlenwasserstoffe sind in großer Menge vorhanden: 47 Milligramm pro Liter. Einige können Krebs auslösen. Welche Kohlenwasserstoffe enthalten sind, hat keiner untersucht.

Die Risiken der Ölförderung

  • Brand in Betonbecken

    Auf einem Ölförderplatz der Firma Exxon Mobil in Barenburg (Niedersachsen) brannte im März 2015 eine ölhaltige Flüssigkeit in einem Betonbecken.

  • Belastetes Wasser im Feld versickert

    In einem Gewerbegebiet in Hamburg wird Gas, Öl und Wasser getrennt. Das belastete Wasser wird unterirdisch abtransportiert. 2008 beobachteten Anwohner Baggerarbeiten auf einem Feld. Der Grund: Eine Leitung war defekt, 60.000 Liter belastetes Wasser versickerten im Feld.

  • Ein Toter nach Explosion

    Im Herbst 2014 explodiert im Emsland eine Ölförderbohrung. Ein Arbeiter starb an seinen schweren Verbrennungen.

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Sicherheitsabstand wegen Explosionsgefahr

Bei einer Versenkbohrung wird das Wasser, aus dem das Öl herausgefiltert wurde, wieder in den Boden versenkt. An diesen Orten warnen Schilder vor Explosions- und Feuergefahr. Eine Freisetzung schädlicher Stoffe könne nicht ausgeschlossen werden, teilt die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesbergamt, mit. Gegenüber der Bohrstelle sollen Neubauten entstehen - nach Auskunft des Landesbergamts in einem Sicherheitsabstand von mindestens 60 Metern. Das Unternehmen GDF Suez ist der Ansicht, dass bei regulärem Betrieb keine Explosionsgefahr bestehe.

Mehrfamilienhaus über stillgelegtem Bohrloch?

Im Stadtgebiet von Hamburg gibt es viele stillgelegte Bohrungen. Sie sind auf einer Karte des Geodatenzentrums zu sehen. Dazu klickt man links auf der Seite auf "Bohrungen und Profilbohrungen", wählt "Tiefbohrungen onshore und offshore" aus und vergrößert dann rechts auf der Karte den gewünschten Ausschnitt. Laut interner Gesprächsprotokolle des Landesbergamtes sollen Wohnhäuser mindestens mit fünf Metern Abstand zu stillgelegten Bohrlöchern gebaut werden. Bei einer Versenkbohrung mit dem Namen Groß Hamburg 4 hat das Landesbergamt jedoch nach eigenen Angaben eine Überbauung mit einem Mehrfamilienhaus weder empfohlen noch verboten. Im Bebauungsplan findet sich kein Hinweis auf die Bohrung.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 23.03.2015 | 20:15 Uhr

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