Stand: 02.10.2014 10:12 Uhr  | Archiv

Autopanne: Reifen-Reparatursets im Vergleich

von Niels Walker
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Reifen platt - was tun? Reparatursets versprechen schnelle Hilfe an Ort und Stelle.

Für viele Autofahrer ist es der Horror: Während der Fahrt weicht Luft aus dem Reifen. Für solche Fälle gibt es Reifen-Reparatursets. Damit soll man den Wagen schnell und unkompliziert wieder fahrbereit machen können, um bis zur nächsten Werkstatt zu kommen. Denn ein Reservereifen ist längst nicht mehr bei allen Autos im Kofferraum vorhanden. So sind zum Beispiel nach Auskunft von Volkswagen fast zwei Drittel aller Neuwagen nur noch mit einem sogenannten Mobilitätsset ausgestattet. Markt hat den Praxistest mit drei Systemen gemacht, die Autos nach einer Reifenpanne schnell wieder flott machen sollen:

  • Sprühdose mit Klebeschaum: Holts Reifenpilot für 20,99 Euro
  • Kompressor: AirMan resQ Pro+ für 69,99 Euro
  • klassisches Reserverad für rund 160 Euro

Reifenreparatur im Praxistest

Klebeschaum hilft nur kurzfristig

Die Sprühdose enthält Kleber auf Latexbasis und ein Triebmittel. Damit soll der Reifen gleichzeitig abgedichtet und aufgepumpt werden. Die Messungen im Praxistest zeigten: Statt der im Straßenverkehr üblichen 3,5 Bar Reifendruck erreichte das Spray nur 1 Bar. Während der Fahrt erwärmte sich der Reifen, die Luft dehnte sich aus. Der Luftdruck stieg dadurch auf 1,5 Bar. Nach Auskunft des Herstellers soll der Klebeschaum Reifen kurzfristig wieder aufpumpen, um in die nächste Werkstatt zu gelangen. Für eine langfristige Reparatur taugt das Spray nicht: Einen Tag nach der Probefahrt war der geflickte Reifen wieder platt. Der Hersteller schrieb dazu: "Das Produkt ist eine temporäre Reparatur. Wir empfehlen, den Reifen so schnell wie möglich zu ersetzen."

Kompressor mit falscher Luftdruckanzeige

Ähnlich wie die Sprühdose pumpt der Kompressor Klebstoff und Luft in den Reifen. Der Kompressor ist wiederverwendbar. Kartuschen mit Klebstoff gibt es zum Nachkaufen im Autofachhandel für circa 20 Euro. Ohne das Zubehör lässt sich der Kompressor als Luftpumpe verwenden.

Kosten für Felgenreinigung

Wer nach einer Pannenreparatur mit Klebeschaum oder einem Kompressor in die Autowerkstatt kommt und seinen Reifen austauschen lassen will, macht sich damit womöglich keine Freunde bei den Mechanikern: Der Klebeschaum verteilt sich oft nicht nur im Reifen, sondern auch auf der Felge. Die Folge: Das Werkstattpersonal muss die Felge reinigen. Hier lohnt es sich vorher nachzufragen, ob dies im Preis inbegriffen ist. Der Klebeschaum muss fachgerecht entsorgt werden.

Der gemessene Luftdruck lag allerdings deutlich höher als beim Spray: 2,2 Bar nach dem Aufpumpen und 2,3 Bar mit warmgefahrenen Reifen. Dadurch lässt sich das Auto besser fahren. Innerhalb von drei Tagen verlor der Reifen keinen Druck. Im Praxistest versagte allerdings die Luftdruckanzeige, das sogenannte Manometer. Es zeigte einen viel zu hohen Wert an. Wer sich darauf verlässt, begibt sich bei der Weiterfahrt möglicherweise in Gefahr. Der Hersteller Active Tools glaubt, Markt sei falsch vorgegangen. Der Kleber habe wohl den Schlauch verstopft: "Das Dichtmittel muss vor Gebrauch gut geschüttelt werden." Das steht aber nicht in der Anleitung, sondern nur im Kleingedruckten auf der Flasche. Der Hersteller verspricht, die Anleitung entsprechend zu überarbeiten.

Reserverad bietet hohen Fahrkomfort

Ein Reserverad ist meist identisch mit den regulären Rädern am Fahrzeug und bietet deshalb in der Regel denselben Fahrkomfort. Es lässt hohe Geschwindigkeiten zu und hält meist Jahre. Die Montage erfordert jedoch viel Kraft. Wer mit einem Reserverad dauerhaft weiterfahren möchte, sollte das Profil mit den anderen Reifen am Auto vergleichen: Sind die alten Reifen bereits stark abgefahren, sollte man neue Reifen kaufen und das Reserverad wieder in die Kofferraummulde legen - bis zur nächsten Panne.

Höherer Spritverbrauch durch Reserverad

Ein Reserverad ist teuer in der Anschaffung und erhöht das Gesamtgewicht des Autos. Für den Testwagen (Opel Astra Caravan, Baujahr 2012, Reifengröße 215/60R 16/95H) kostet es circa 160 Euro und wiegt 15 Kilogramm. Durch das höhere Gewicht beim dauerhaften Transport des Rades im Kofferraum steigt der Treibstoffverbrauch pro 100.000 Kilometer um circa 60 Liter.

Reserverad oder Notrad?

Ein Notrad ist deutlich schmaler als die anderen Räder am Auto. Auf der Felge ist stets in Rot ein deutlicher Hinweis angebracht, dass es sich um ein Notrad handelt und nur Geschwindigkeiten bis 60 oder 80 Stundenkilometer erlaubt sind. Ein richtiges Reserverad ist dagegen genauso groß und breit wie alle anderen Räder am Auto. Wichtig ist es, drauf zu achten, dass es zur Jahreszeit passt - aus diesem Grund sind Reserveräder meist mit Ganzjahresreifen ausgestattet. Bei beiden Rädern sollte alle sechs Monate der Luftdruck überprüft werden, damit es bei einer Reifenpanne einsatzbereit ist.

 

Dieses Thema im Programm:

Markt | 06.10.2014 | 20:15 Uhr

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