Stand: 21.07.2017 15:00 Uhr  | Archiv

Onlinedating: Betrug mit gefälschten Profilen

von Niels Walker, David Peuyn, André Kroll

Per App oder Dating-Portal lässt sich heutzutage ruckzuck ein Partner für die Nacht oder die Liebe fürs Leben finden - das suggeriert zumindest die Werbung. Doch die Realität sieht anders aus. Oft werden Singles von Betrügern ausgetrickst oder flirten ohne es zu wissen mit einem professionell betriebenen Fakeprofil des Plattformanbieters. In der Online-Datingbranche gebe es teilweise "mafiaähnliche" Firmen, die Menschen "abzocken", sagt Daniel Balzer, Betreiber eines Vergleichsportal für Singlebörsen, gegenüber Markt.

Mit Fakeprofilen auf Beutezug

Das Vorgehen der Betrüger ist fast immer das gleiche: Mit aus dem Netz geklauten Fotos legen sie sich ein Fakeprofil zu. Mit dieser Scheinidentität wird eine Beziehung zu einem potenziellen Opfer aufgebaut. So war es auch bei Sophia T., um die 50, alleinstehend. Sie lernte über Tinder ihren vermeintlichen Traummann kennen: Unternehmer, 50 Jahre, gutaussehend. "Wenn jemand sagt: 'Du bist die Liebe meines Lebens und ich habe noch nie für jemanden so gefühlt wie für dich', möchte man es glauben."

Geldforderung wegen angeblicher Notsituation

Ist das Opfer erst mal um den Finger gewickelt, kommt der nächste Schritt: Die Betrüger fordern Geld - meist gaukeln sie dabei eine Notsituation vor. Sophia T. erzählt: "Er kam natürlich und sagte: 'Schatz, wenn du in einer Notsituation bist, würde ich dir aushelfen. Und du weißt genau, wir teilen alles miteinander. Und 500 Euro ist für mich kein Geld.'" Sophia T. zahlte - Lehrgeld. Denn schon bald war ihr klar, dass sie einem Betrüger aufgesessen war. "Die spielen mit deinen Gefühlen und lassen dich am Ende fallen wie eine heiße Kartoffel", so Balzer. Zumindest dann, wenn kein Geld mehr zu holen ist.

Acht Tipps gegen Betrüger: So erkennen Sie Fakeprofile

1. Google-Bildersuche nutzen

Checken Sie das Profilfoto Ihrer Bekanntschaft über die Google-Bildersuche. Also das Bild auf den Rechner runterladen und anschließend in die Google Bildersuche hochladen. Gibt's Treffer, die nicht zum Gegenüber passen, handelt es sich um ein Fake.

Auch Plattformen wollen an Singles verdienen

Nicht nur sogenannte Romance Scammer sind eine Gefahr für die Geldbörsen der Singles im Netz. Auch die Plattformbetreiber selbst wollen natürlich an den Kunden verdienen - sei es über die Mitgliedschaftsgebühr, Extrakosten für Zusatzfeatures oder Werbeanzeigen, die auf der Plattform geschaltet werden. Das ist legitim, doch die Mittel, mit denen manche die Kunden so lange wie möglich auf der Plattform halten und ausnehmen, sind oft unseriös.

Moderatoren bespielen Singleprofile

So arbeiten einige Portale mit Fakeprofilen - sogar ganz offiziell. Beim Flirtportal X2Love heißt es in den AGBs: "Es ist davon auszugehen, dass es sich bei sämtlichen weiblichen Profilen um fiktive Profile handelt, die von Moderatoren betrieben werden." Doch wer liest sich schon die AGBs durch? Auf unsere Anfrage antwortet der Betreiber, man verstehe sich nicht als "Dating-, sondern als Unterhaltungs- und Chat-Portal. (...) Wir betrügen keine Leute, wir unterhalten sie!" Das dürften die meisten Singles anders sehen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Markt | 24.07.2017 | 20:15 Uhr

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