Stand: 21.08.2016 10:00 Uhr  | Archiv

Olivenöl: Schummel bei Qualität und Herkunft

von Saskia Engels

Nicht alle Olivenöle aus deutschen Supermärkten und Discountern halten, was die Hersteller versprechen. Markt hat stichprobenartig gängige Olivenöle mit der Bezeichnung "extra vergine" beziehungsweise "nativ extra" untersuchen lassen. Bei Labortests und sensorischen Überprüfungen wurde festgestellt, dass zwei der vermeintlich hochwertigen Öle die Anforderungen nicht erfüllen. Auch in Sachen Herkunft gibt es nach Ansicht von Experten bei vier der überprüften Öle Ungereimtheiten.

Olivenöle von Aldi und Livio durchgefallen

Laut EU-Olivenölverordnung stehen die Bezeichnungen "extra vergine" beziehungsweise "nativ extra" für ein fehlerfreies und qualitativ besonders hochwertiges Öl. Doch das Aldi-Öl "Casa Morando" hatte nach Ansicht der Tester den sensorischen Fehler "stichig". Bei einem griechischen Ölivenöl von Livio schmeckten sie die Fehlnote "roh" beziehungsweise "ranzig" heraus. Für Verbraucher ist die Bezeichnung fehlerhafter Öle mit "nativ extra" irreführend, so die Meinung der Prüfer. Im Auftrag von Markt hat das renommierte deutsche Olivenöl-Panel, ein unabhängiges Expertengremium, die Öle überprüft.

Auf Anfrage von Markt verweist der Hersteller Livio auf eigene Untersuchungen und teilt mit, das angebotene Olivenöl entspreche den geforderten Kriterien für "Natives Olivenöl Extra". Auch Aldi verweist auf selbst beauftragte Prüfungen und erklärt: "Der (...) sensorische Fehler 'stichig' konnte in keiner der Untersuchungen festgestellt werden."

Nur ein Öl schneidet beim Deutschen Olivenöl-Panel mit "sehr gut" ab: Das italienische Olivenöl "Feine Wahl Italiens Trilogie" von Rewe (23,96 Euro pro Liter). Panel-Mitglied Cordula Blug erklärt das Ergebnis so: "Ich habe eine ordentliche Fruchtigkeit, eine ordentliche Schärfe und eine ordentliche Bitterkeit heraus geschmeckt."

Etikettenschwindel bei Olivenöl aus Italien?

Viele Verbraucher kaufen Olivenöl aus Italien, weil es als besonders hochwertig gilt. Markt hat deshalb die Herkunft der Öle im Labor untersuchen lassen. Bei vier Olivenölen, die laut Etikett zu 100 Prozent aus Italien stammen, weist die Analyse auf eine überwiegende griechische oder spanische Herkunft oder auf eine Mischung aus verschiedenen Herkunftsländern hin. Auf Anfrage berufen sich die Hersteller darauf, dass auf EU-Ebene keine offiziellen Verfahren festgelegt sind, um die Herkunft der Öle zu bestimmen, und beteuern die italienische Herkunft des Öls.

Bereits 2013 hat Markt Olivenöle aus deutschen Supermärkten und Discountern testen lassen - mit einem ähnlichen Ergebnis. Nach Ansicht von Lebensmittelexperten sind zu lasche Kontrollen und veraltete Gesetze schuld am Etikettenschwindel bei Olivenöl.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 21.08.2016 | 10:00 Uhr

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