Stand: 21.09.2018 08:42 Uhr  | Archiv

Mieterhöhung: Wie Vermieter abkassieren

von Alexa Höber
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Bezahlbare Wohnungen sind vor allem in Ballungsräumen knapp.

In vielen norddeutschen Städten steigen die Mieten seit Jahren. Viele Mieter können sich die Wohnung nach einer Mieterhöhung nicht mehr leisten und müssen sich anderen Wohnraum suchen. Eine bezahlbare Alternative zu finden, ist vor allem in Ballungsräumen oft schwer. Für den Anstieg der Mieten gibt es unterschiedliche Gründe. In einigen Fällen tricksen die Vermieter.

Zuschläge für "moderne" Ausstattung

Einige Mietspiegel erlauben Zuschläge für eine moderne Austattung, also für den Einbau einer hochwertigen Küche oder eines neuwertigen Bades. Einige Wohnungsgesellschaften nehmen diese Möglichkeiten zum Anlass, die Miete auch bei einer Standardausstattung zu erhöhen. In diesem Fall können Mieter den Zuschlag ab Ende des laufenden Monats zwei Monate lang prüfen und dann möglicherweise widersprechen. Dabei können Mietervereine helfen.

Mieterhöhung nach Modernisierung

Für die Instandhaltung eines Gebäudes ist allein der Vermieter zuständig. Nur Kosten, die durch Modernisierungsmaßnahmen entstehen, dürfen auf Mieter umgelegt werden. Der Vermieter muss in diesem Fall genau aufschlüsseln, welche Kosten durch Modernisierung und welche durch Instandhaltungsmaßnahmen entstanden sind. Ist die Aufstellung nicht korrekt, können Mieter verlangen, dass die Mieterhöhung zurückgenommen wird und ihnen zu viel gezahlte Miete erstattet wird. So haben Gerichte in Bremen geurteilt.

Änderungen im Mietrecht

Die Bundesregierung plant eine Änderung im Mietrecht: Bei Arbeiten, die pro Wohnung bis zu 10.000 Euro kosten, sollen Vermieter pauschal 30 Prozent für Instandhaltungsmaßnahmen abziehen. Sie dürften sich dann also nur noch bis zu 7.000 Euro als Umlage auf die Miete von den Mietern bezahlen lassen. Mietervereine fordern dagegen, dass diese Pauschale für Vermieter auf 50 Prozent erhöht werden soll.

Konzentration auf dem Wohnungsmarkt

In Deutschland kontrollieren Konzerne immer größere Wohungsbestände. Zum Beispiel übernahm die Adler AG 70 Prozent der Brack Capital Properties, der 11.000 Wohneinheiten in Deutschland gehören - darunter sind Immobilien in Wilhemshaven, Bremen, Hannover und Kiel.

Nach Ansicht von Mietervereinen und Anwälten könnten Unternehmen das allgemeine Mietniveau ganzer Quartiere anheben, vor allem in Gebieten ohne qualifizierten Mietenspiegel wie in Bremen. Durch Modernisierungsmaßnahmen könnten die Konzerne höherpreisige Vergleichswohnungen schaffen und so die Mieten in einer bestimmten Wohngegend im Alleingang anheben, sagt Valentin Weiß, Mieteranwalt in Bremen.

Kommunen verkaufen Wohnungen

Eine weitere Ursache für die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt: Viele Städte haben kommunale Wohnungen verkauft. Daher fehlt bezahlbarer Wohnraum, der die Lage am Wohnungsmarkt entspannen würde. Zwei Beispiele:

  • In Bremen wurden zum Beispiel circa 10.000 kommunale Wohnungen erst an die Vitus Gruppe verkauft. Dann gingen die Immobilien in den Bestand der Deutschen Annington, der heutigen Vonovia, über.

  • Auch Kiel verkaufte viele kommunale Wohnungen. In den 80er-Jahren gab es dort noch 90.000 Sozialwohnungen, heute sind es nur noch 8.400. Auch diese Wohnungen gehören jetzt überwiegend dem Wohnkonzern Vonovia. In Deutschland ist Vonovia der größte private Vermieter.

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