Stand: 07.09.2015 15:41 Uhr  | Archiv

Künstliche Hüftgelenke oft wenig erprobt

Deutschland ist Weltmeister beim Einsetzen künstlicher Gelenke - etwa 400.000 sind es im Jahr. Darüber freut sich die Medizinprodukte-Industrie. Die Hersteller drängen mit neuen künstlichen Hüftgelenken auf den Markt. In Deutschland haben sie es relativ leicht: Neue Medizinprodukte wie die sogenannten Durom-Prothesen dürfen ohne klinische Studien, wie sie bei Medikamenten vorgeschrieben sind, implantiert werden.

Studien: Bewährte Prothesen sind sicherer

Ein internationales Forscherteam analysierte 118 Studien zu Knie- und Hüftgelenken. Das Ergebnis: Die Vorteile von Neuentwicklungen waren gering, dafür sind sie meist unsicherer als bewährte Prothesen. Im Fall der hüftoperierten Kerstin P. erzeugten angeblich innovative Großkopf-Prothesen ungewöhnlich viel Metallabrieb. Winzige Partikel aus Chrom und Kobalt traten aus, ließen das umliegende Gewebe absterben und fraßen Löcher in den Oberschenkelknochen. "Neue Produkte sollten unter kontrollierten Bedingungen getestet werden und sich über einen gewissen Zeitraum bewährt haben", sagt der weltweit anerkannte Experte Prof. Thorsten Gehrke aus Hamburg.

Produktberater im Operationssaal

Oft können Chirurgen neue Medizinprodukte ohne Hilfe gar nicht einsetzen. Unterstützung bei der Operation erhalten sie in einigen Fällen von Vertretern der Medizinprodukte-Hersteller. In Deutschland sind nach Experten-Schätzungen rund 10.000 Medizinprodukte-Berater tätig. Gehrke hält die aktive Teilnahme eines Industrievertreters an einer OP für extrem kritisch. Chirurgen müssten auch ohne ihre Unterstützung die Operation beherrschen. Dafür bräuchten sie aber bei neuen Medizinprodukten genügend Trainingszeit - dem stehe der Kostendruck vieler Kliniken entgegen.

Pläne für mehr Patientensicherheit

Hoffnungsschimmer für Patienten: Für sehr teure und neue Hochrisiko-Medizinprodukte sollen Hersteller nach Plänen des Bundesgesundheitsministers ab 2016 in klinischen Studien den medizinischen Nutzen nachweisen. Erst dann sollen sie Geld von den Krankenkassen bekommen.

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