Sendedatum: 23.09.2013 21:00 Uhr  | Archiv

Kündigung im Job: So wehren Sie sich

Eine Kündigung erscheint oft bedrohlich. Nur wer schnell und mit Bedacht reagiert, kann sich gegen seinen Arbeitgeber wirkungsvoll zur Wehr setzen. Doch dabei gibt es einige Fristen, Vorschriften und Stolperfallen zu beachten. Zusammen mit Dr. Pelin Öğüt, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Bremen, gibt Recht so! Tipps für den juristischen Ernstfall am Arbeitsplatz.

Was gilt es nach einer Kündigung zu beachten?

Damit Arbeitnehmer keine Fristen versäumen, ist schnelles Handeln gefragt. Am besten sollte sofort ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden, der auf Arbeitsrecht spezialisiert ist.

Bereits eine Woche nach Zugang des Kündigungsschreibens läuft die erste Frist ab. "Arbeitnehmer können die Kündigung unverzüglich zurückweisen, wenn sie von jemandem unterschrieben wurde, der dazu nicht alleine berechtigt war", erklärt Öğüt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn nicht der Geschäftsführer oder Personalleiter unterschrieben hat, sondern ein direkter Vorgesetzter, der dazu nicht berechtigt ist.

Der Arbeitnehmer kann gegen eine sozial ungerechtfertigte Kündigung innerhalb einer Woche Einspruch beim Betriebsrat einlegen. Hält der Betriebsrat den Einspruch für richtig, versucht er zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu vermitteln.

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Nach Zugang der Kündigung haben Arbeitnehmer drei Wochen Zeit, eine Klage beim Arbeitsgericht einzureichen. Wer diese Frist versäumt, hat gegen seinen Arbeitgeber nichts mehr in der Hand. Die Kündigung ist wirksam. Arbeitsrechts-Expertin Öğüt rät: "Erheben Sie auf jeden Fall Klage, auch wenn der Arbeitgeber Ihnen eine einvernehmliche Lösung anbietet, da der Arbeitgeber anderenfalls keinen Anlass mehr hat, eine Einigung zu erzielen."

Öğüt empfiehlt außerdem, dass sich Arbeitnehmer sofort nach der Kündigung bei der Agentur für Arbeit als "arbeitssuchend" meldet, um später möglichen Ärger bei der Zahlung von Arbeitslosengeld zu vermeiden.

  • Kündigungsarten

    Betriebsbedingte Kündigung
    Ein Arbeitgeber kann einem Mitarbeiter kündigen wenn es dringende betriebliche Gründe gibt, die ihm eine Weiterbeschäftigung nicht ermöglichen. Das können äußere Faktoren sein, wie etwa Umsatz- oder Auftragseinbußen des Unternehmens. Aber auch Gründe, die das Unternehmen selbst betreffen, sind relevant - wie etwa eine Umstrukturierung oder Schließung.

  • Kündigungsarten

    Verhaltensbedingte Kündigung
    Ein Arbeitgeber kann einem Mitarbeiter eine Kündigung aussprechen, wenn er ihm ein Fehlverhalten nachweisen kann und dadurch eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für ihn unzumutbar ist. Dazu gehören etwa Alkoholkonsum am Arbeitsplatz und häufiges Zuspätkommen. Bevor es aber zu einer Kündigung kommt, muss der Arbeitgeber in der Regel wegen desselben Fehlverhaltens abmahnen.

  • Kündigungsarten

    Personenbedingte Kündigung
    Die Gründe für die Kündigung liegen bei der Person des Arbeitnehmers: Er kann die ihm zugeteilte Arbeit nicht mehr ausführen. Grund dafür kann zum Beispiel eine fehlende Eignung des Mitarbeiters sein. Häufig kommt eine personenbedingte Kündigung zur Anwendung, wenn eine lang anhaltende Krankheit zur Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers geführt hat und ein Ende nicht abzusehen ist. Den Arbeitnehmer trifft dabei in der Regel kein Verschulden.

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Was kostet eine Kündigungsschutzklage?

Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro sind bis zur ersten gerichtlichen Instanz etwa 1.900 Euro an den eigenen Anwalt fällig. Verliert man und geht in Berufung, müssen im Fall der Niederlage auch die Anwaltskosten des Arbeitgebers übernommen werden. Eine entsprechende Rechtsschutzversicherung gibt es ab circa 80 Euro im Jahr. Gewerkschaftsmitglieder sind in der Regel automatisch versichert.

Welche Unterlagen braucht der Anwalt?

Bringen Sie zum ersten Beratungsgespräch diese Dokumente mit:

  • den Arbeitsvertrag
  • die Gehaltsabrechnungen der vergangenen sechs Monate
  • das Kündigungsschreiben
  • Abmahnungsschreiben (falls vorhanden)
  • Stellungnahme des Betriebsrats (falls vorhanden)

Tipp: Keine Zeit verschenken

Die Kündigung gilt als zugestellt, sobald sie im Briefkasten landet oder persönlich entgegengenommen wird, auch von einem Familienmitglied. In der Regel lassen Arbeitgeber Kündigungen von einem Boten mit einem sogenannten Einwurfeinschreiben zustellen. Sie können somit beweisen, dass die Kündigung tatsächlich angekommen ist. Ab diesem Tag beginnt die Frist für Zurückweisung (eine Woche) und Kündigungsschutzklage (drei Wochen). Unerheblich ist, ob und wann der Arbeitnehmer die Kündigung tatsächlich geöffnet und gelesen hat.

Dieses Thema im Programm:

| 23.09.2013 | 21:00 Uhr

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