Stand: 17.07.2013 08:47 Uhr

Krebsgefahr: Das müssen Teetrinker beachten

von Ana Radić
Wie gesund ist Kräutertee wirklich?

Kräutertee gilt als gesund. Doch jetzt warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ausgerechnet vor diesem Getränk. Pfefferminz-, Kamille- und Fencheltee könnten krebserregend sein. Die Forscher vom BfR haben ungewöhnlich hohe Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden (PA) im Tee gefunden. Bislang ist unklar, was die Ursache für die hohen PA-Werte ist. Eine Vermutung: Der giftige Stoff könnte aus Unkraut kommen, das bei der Ernte mit in der Teemischung gelandet sein könnte. Tierversuche hatten ergeben, dass PA krebserregend sein können.

Pyrrolizidinalkaloide - gefährliche Pflanzenstoffe

Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, sind Stoffe, die einige Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden bilden. Insgesamt gibt es mehr als 500 verschiedene PA, die in 6.000 unterschiedlichen Pflanzen vorkommen. In unseren Breiten enthält beispielsweise das Jakobskreuzkraut, das Greiskraut oder der Natternkopf Pyrrolizidinalkaloide. In größeren Mengen kann der toxische Stoff Leber und Lunge schädigen. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge sind PA beispielsweise in Kräutertees, Getreide, Salaten, Blattgemüsen und Honigen nachgewiesen. Untersuchungen haben geringe PA-Werte bei deutschem Honig aufgezeigt. Eine akute Gefährdung der Gesundheit ist laut BfR jedoch unwahrscheinlich. Aus Afghanistan sind Todesfälle durch belastetes Getreide bekannt. Gesetzliche Grenzwerte für PA in Lebensmitteln oder Futtermitteln gibt es bislang nicht.

Warnung für Kinder und Schwangere

Das BfR, das sonst nicht für seinen Alarmismus bekannt ist, hat eine Methode zur Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln entwickelt. Dabei wurden 221 verschiedene Teeproben untersucht. Die PA-Werte waren in Einzelfällen zwar unerwartet hoch, schwankten jedoch insgesamt stark. Trotzdem rät das zum Verbraucherschutzministerium gehörende BfR dazu, auf den eigenen Teekonsum zu achten: "Eltern sollten ihren Kindern nicht ausschließlich Tee anbieten, bis die PA-Gehalte seitens der Lebensmittelunternehmer minimiert worden sind", sagt eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung. Vor allem Schwangere und Stillende sollten nicht nur Tee, sondern auch andere Getränke zu sich nehmen.

Wer nur "ab und zu mal einen Kräutertee trinkt, muss sich keine Sorgen machen", hieß es aus dem BfR. Wer aber über einen längeren Zeitraum bis zu zehn Teebeutel am Tag verbrauche, solle sein Produkt öfter wechseln, sagte ein BfR-Wissenschaftler der "Süddeutschen Zeitung".

Keine gesetzlichen Grenzwerte

Bild vergrößern
Das Jakobskreuzkraut enthält toxisches PA.

Die Ergebnisse werden nun von den Landesbehörden überprüft. Außerdem will der Deutsche Teeverband Wege finden, den kritischen Stoff in den Produkten zu reduzieren. Das scheint angesichts der unterschiedlichen Werte gar nicht so einfach. "Tee ist ein Naturprodukt. Jede Ernte fällt anders aus", sagt Monika Beutgen vom Deutschen Teeverband in Hamburg im Gespräch mit NDR.de. Schon jetzt werde der Tee verschiedenen Kontrollen unterworfen. Der Verband sei aber mit den Laboren der Hersteller im Kontakt. Durch das BfR-Projekt steht ihnen die Methode zum Nachweis von PA nun zur Verfügung. Die Branche habe sofort damit begonnen, die Erkenntnisse des Bundesinstituts auszuwerten. Bis dahin rät auch der Deutsche Teeverband zu abwechslungsreichem Trinken.

In welchen Lebensmitteln ist PA?

Gesetzliche Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloiden gibt es bisher nicht. Wie groß das Gesundheitsrisiko wirklich ist, bleibt unklar. Bei Tieren haben hohe Mengen von PA zur Schädigung der Leber geführt. Im Bezug auf Menschen gibt es aber zu wenig Daten, um sagen zu können, ab welcher Menge der Stoff gefährlich wird. Auch zwischen biologisch und konventionell angebautem Tee konnte das BfR keinen Unterschied finden. Für ein sicheres Ergebnis hätte es noch mehr Teeproben gebraucht. Die Studie gilt daher als nicht repräsentativ. Somit scheint Kräutertee in begrenzten Mengen nach wie vor ungefährlich zu sein. Das Institut will jedoch herausfinden, in welchen weiteren Lebensmitteln PA enthalten ist.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 11.01.2016 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:43

Waller im Schinkenmantel mit Steckrübenstampf

17.01.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
58:31

Wasser-Wandern im Müritz-Gebiet

18.01.2018 15:00 Uhr
die nordstory
10:28

"Felto" in Soltau: Filz in allen Variationen

17.01.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag