Stand: 15.12.2016 10:00 Uhr  | Archiv

Kontaktloses Zahlen mit Nebenwirkungen

Kontaktloses Bezahlen per NFC-Chip.
Viele Banken statten ihre EC-Karten mit einem NFC-Chip aus.

Viele Kunden zahlen ihre Einkäufe mit Bargeld - oder mit EC-Karte, indem sie die PIN eingeben oder den Beleg unterschreiben. In einigen Märkten und Discountern können die Kunden mittlerweile aber auch kontaklos zahlen - ohne PIN und Unterschrift. Möglich macht es die Funktechnik NFC. Die Near-Field-Communication-Technologie ermöglicht eine drahtlose Kommunikation zwischen der Karte und dem Zahlungsterminal mithilfe von Funksignalen.

Vier Funkwellen symbolisieren die neue Technik

Jan Girlich © Helene Buchholz, Jan Girlich Foto: Helene Buchholz
Jan Girlich ist Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) Hamburg.

An einem geeigneten Terminal können Kunden einfach die Karte dagegenhalten und brauchen sie nicht ins Gerät stecken wie bisher. Dann piepst es kurz - und der Einkauf ist bezahlt. Das Abbuchen ist aber nur bei kleinen Einkäufen bis 25 Euro möglich. Das kontaktlose Bezahlen funktioniert außerdem nur mit modernen Giro- und Kreditkarten. Auf den neuen Karten mit der NFC-Technologie ist entweder auf der Vorder- oder der Rückseite ein Symbol gedruckt - vier Funkwellen, die von unten nach oben größer werden. Nach Angaben der Sparkasse Südholstein soll das Verfahren sicher sein. Jan Malte Andresen sprach darüber mit Jan Girlich vom Chaos Computer Club (CCC) Hamburg.

Die Banken betonen, dass das Verfahren sicher ist. Es würden keine persönlichen Daten wie Kontonummer oder der Name übertragen. Stimmt das?

Jan Girlich: Ja, zum großen Teil stimmt das. Aber was natürlich übertragen wird, sind Zahlungsinformationen. Das tut uns eigentlich noch viel mehr weh, wenn plötzlich unsere Visa-Konten leer sind.

Was genau wird da übertragen?

Girlich: Es werden schon die Kreditkarten-Informationen irgendwie übertragen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich an der Stelle jetzt nicht genau weiß, welche Daten über das Protokoll über die Luft übertragen werden.

Dann frage ich anders. Kann es tatsächlich passieren, dass irgendjemand mein Konto über diese Technik leer räumt?

Girlich: Das kann tatsächlich passieren. Vor zwei Jahren, als die Technik neu war, gab es eine Sicherheitslücke. Man konnte die Abhebungsgrenze von 25 Euro ohne Bestätigung umgehen, indem man einfach in einer Fremdwährung abgehoben hat. Da habe ich also statt Euro einfach bis zu 999.999 britische Pfund von der Visa-Karte abgehoben - und der Terminal hat nicht nach einer PIN zur Bestätigung gefragt. Dann kann ich mir vorstellen, dass irgendjemand mit so einem mobilen Visa-Karten-Terminal oder Kreditkarten-Terminal - wie er auch in einem Restaurant benutzt wird - durch die U-Bahn geht und es einmal kurz an die Brieftasche hält.

Irgendeiner benutzt so ein Gerät und hält es einfach in meine Richtung?

Girlich: Genau. Man muss schon dichter ran, so auf ein paar Zentimeter, damit das auch funktioniert. Man steht dann im Bus oder in der U-Bahn oder sonst irgendwo draußen nah an Leuten, die einfach mal kurz so ein Gerät durch die Jacke an die Brieftasche halten.

Sie haben gesagt, dass es eine Sicherheitslücke war. Ist die geschlossen worden?

Girlich: Offiziell ist sie geschlossen. Geprüft habe ich das jetzt nicht bei allen.

Es gibt ja noch den Maximalbetrag von 25 Euro. Wäre es mit dem Trick - den Sie da eben beschrieben haben - möglich, diesen abzuheben?

Girlich: Ja, der Maximalbetrag geht immer noch. In Deutschland sind es 25 Euro. Wenn ich jetzt mit so einem Gerät herumgehe und genügend oft das mache, kommt auch Geld zusammen.

Zumal ja immer mehr Menschen diese Karte in der Tasche haben, ohne es vielleicht auch zu wissen. Wie kann ich mich vor so etwas schützen?

Girlich: Am besten kann man sich schützen, indem man eine spezielle Brieftasche oder ein kleines Behältnis für die Kreditkarten benutzt, die abgeschirmt sind. Es gibt Anbieter, die Aluminium oder ähnliche Materialien in ihre Brieftasche oder das Gehäuse verarbeiten, wodurch diese Funktechnik dann nicht mehr funktioniert. 

Die Karten sind das eine. Es gibt auch Handys, die schon diese NFC-Technologie haben. Muss ich die auch in eine Alu-Box stecken, gibt es da ähnliche Probleme?

Girlich: Handys in eine Alubox zu stecken, ist ein bisschen kontraproduktiv, weil dann ja gar nichts mehr in der Kommunikation nach außen funktioniert. Bei Handys kann man die NFC-Technik üblicherweise direkt ausschalten, so wie man auch Bluetooth ein- oder ausschalten kann. Meine Empfehlung wäre, das auch nur einzuschalten, wenn man es benutzen möchte.

Sind diese neuen Karten jetzt unausweichlich die Zukunft oder werden auch weiterhin noch Karten ohne diese Technik angeboten? Kann ich zur Bank gehen und sagen, ich will das eigentlich nicht haben?

Girlich: Es gibt einige Banken, die machen das, andere Banken nicht. Ich habe zum Beispiel jetzt verschiedene Kreditkarten. Ich gehe aber davon aus, dass es die Zukunft sein wird. Wenn man sich im Ausland umschaut, sieht man, dass es in anderen Ländern schon viel, viel stärker verbreitet ist als in Deutschland. Wir sind da eigentlich eher die Nachzügler.

Das Interview führte Jan Malte Andresen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 15.12.2016 | 16:16 Uhr

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