VIDEO: Kontaktloses Bezahlen kann teuer werden (2 Min)

Ist Kartenzahlung beim Einkauf immer kostenlos?

Stand: 28.01.2021 15:55 Uhr

Im Einzelhandel ist es Alltag geworden: Statt mit Bargeld zu bezahlen, zücken immer mehr Kunden eine Plastikkarte. Doch nicht immer ist das für sie kostenlos.

Bei etwa jedem vierten Einkauf im Einzelhandel kamen Giro-, Geld- oder Kreditkarten zum Einsatz, so die Deutsche Bundesbank in einer Studie von 2019. Gemessen am Umsatz entfiel sogar rund jeder zweite Euro auf Kartenzahlung. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist der Gebrauch der Karten weiter gestiegen.

Die Girocard liegt vorn

Bei Kartenzahlungen gibt es einen klaren Favoriten - die Girocard. Fast jeder Bundesbürger besitzt eine solche Karte, die häufig noch als EC-Karte bezeichnet wird, obwohl es diesen Begriff seit 2007 offiziell nicht mehr gibt. Eine Girocard ist stets an ein Girokonto gekoppelt. Die Herausgeber, Banken und Sparkassen, verwenden teilweise auch die Begriffe Bankcard oder Sparkassen-Card. Ein kleines Symbol mit einer Tastatur und dem Wort girocard auf Vorder- oder Rückseite zeigt an, dass mit der Karte eingekauft und an Automaten Geld abgehoben werden kann.

Bezahlen mit Unterschrift oder PIN

Symbol mit einer Zahlentastatur auf einer Girocard. © NDR
Das Girocard-Symbol auf der Vorder- oder Rückseite der Karte steht für die Bezahl-Funktion.

Beim Bezahlen mit der Girocard greift das Lesegerät im Geschäft auf die Kontodaten des Kunden zu. Die ausgebende Bank legt fest, welche Höchstbeträge kassiert werden können - meist zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Tag. In der Praxis gibt es drei Zahlmethoden:

  • Beim elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) beauftragt der Kunde mit seiner Unterschrift auf einem ausgedruckten Beleg eine Lastschrift. Der Verkäufer darf den Betrag dann vom Konto des Kunden einziehen lassen. Das ELV prüft jedoch nicht, ob genügend Geld auf dem Konto ist, oder die Karte gestohlen wurde.
  • Dagegen löst man mit der Eingabe der Geheimzahl (PIN) sofort eine Zahlung per Electronic-Cash-Verfahren (EC) an das Geschäft aus. Für Händler ist das EC-Verfahren sicherer, aber auch teurer.
  • Die dritte Variante funktioniert nur bei Beträgen bis 50 Euro: das kontaktlose Bezahlen ohne PIN und Unterschrift. Die meisten Giro- oder Kreditkarten enthalten dafür einen Chip, der per Near Field Communication (NFC) eine Funkverbindung zum Zahlungsterminal aufbaut. Das Verfahren funktioniert auch mit Smartphone-Apps verschiedener Anbieter.

Händler tragen die Kosten

Bargeldloses Bezahlen ist nicht nur für viele Kunden attraktiv, sondern auch für den Einzelhandel. Zwar müssen Händler für die elektronische Abrechnung bezahlen, doch sie sparen Kosten und Aufwand für den Transport von Bargeld. Das EC-Verfahren schlägt für den Einzelhändler mit rund 0,2 Prozent der kassierten Summe zu Buche - bei einem Einkauf von 100 Euro also mit 20 Cent. Bezahlt der Kunde mit einer Kreditkarte, wird es für Händler spürbar teurer. Das Kreditkarten-Unternehmen fordert etwa 0,8 Prozent, bei geringen Umsätzen des Händlers auch deutlich mehr. Für Kunden sind beide Verfahren zunächst kostenfrei. Aufschläge für das Bezahlen mit privaten Kreditkarten (Ausnahme: American Express) sind nicht mehr zulässig.

Einige Banken kassieren bei ihren Kunden ab

Allerdings weist die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt darauf hin, dass einige Banken und Sparkassen für bargeldlose Zahlungen Kontoinhabern zusätzliche Gebühren berechnen. Dabei handele es sich meist um Girokonten im sogenannten Basis- oder Einzelpreismodell, bei denen die Banken neben der Kontoführungsgebühr noch zusätzliche Gebühren für Lastschriften, Überweisungen und Daueraufträge berechnen. Nach Angaben des Verbraucherportals Biallo.de erheben rund 460 Banken und Sparkassen bei bestimmten Kontomodellen eine Gebühr für Zahlungen mit der Girocard. Im Schnitt seien das 35 Cent pro Kartenzahlung, im Einzelfall sogar bis zu 75 Cent.

Was bedeuten die Symbole auf der Girocard?

Eine Bankcard mit Maestro-Zeichen liegt auf einem Tisch © NDR Foto: Axel Franz
Hat die Karte ein Maestro-Zeichen, kann sie weltweit eingesetzt werden.

Girocards haben ganz unterschiedliche Farben und Gestaltungsmerkmale, denn jede Bank legt das Design selbst fest. Auf den meisten Karten findet sich aber ein blau-rotes Symbol mit dem Schriftzug Maestro. Dann kann man mit der Karte auch weltweit bei Hunderttausenden Händlern oder Dienstleistern bezahlen. Zeigt die Karte ein blaues V mit dem Zusatz PAY, kann damit nur in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern Europas eingekauft werden. Im Online-Handel können Kunden mit der Girocard nicht bezahlen.

Hilfe, die Karte ist weg!

Wenn die Kreditkarte oder Girocard gestohlen wird oder verloren geht, sollte man sie so schnell wie möglich sperren lassen. Die meisten Herausgeber von Karten haben sich dem zentralen Sperrnotruf unter der Telefonnummer 116 116 angeschlossen. Innerhalb Deutschlands ist der Anruf gebührenfrei. Die Nummer funktioniert mit der Vorwahl +49 auch aus dem Ausland.

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