Sendedatum: 12.05.2014 21:00 Uhr  | Archiv

Irrtümer aus dem Kauf- und Vertragsrecht

Nicht immer halten sich Händler und Gastronomen an geltendes Recht, wenn sie zum Beispiel einen Umtausch verweigern oder die die Haftung für die Garderobe des Kunden ausschließen. Wer sich im Kauf- und Vertragsrecht auskennt, kann sich gegen solche Tricks zur Wehr setzen. Recht so! stellt die gängige Praxis in vielen Geschäften und Gaststätten auf den Prüfstand

  • Verträge schließen

    Irrtum: Verträge müssen immer schriftlich geschlossen werden.

    Richtig ist
    : Ein Vertrag ist auch mündlich gültig. Zu seiner Wirksamkeit sind nötig: ein Antrag ("Zwei von den Brötchen zu 35 Cent") und eine Annahme ("Bitte sehr." - Verkäuferin reicht die Brötchen rüber).

  • Ware zurückgeben

    Irrtum: Bei Nichtgefallen kann der Kunde die Ware innerhalb der ersten 14 Tage nach dem Kauf zurückgeben.

    Richtig ist
    : Das gilt nur bei Geschäften im Internet, am Telefon oder an der Haustür. Im Ladengeschäft heißt es dagegen: "Gekauft ist gekauft". Ausnahme: Der Händler tauscht die Ware aus Kulanz um.

  • Blättern ist keine Kaufabsicht

    Irrtum: Das Durchblättern einer Zeitschrift im Kiosk verpflichtet zum Kauf.

    Richtig ist
    : Durch das Blättern äußert der Kunden keinen Kaufwunsch, er gibt also kein Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrags ab.

  • Zechprellerei

    Irrtum: Wenn man den Kellner dreimal zum Kassieren gerufen hat, darf man ohne zu bezahlen gehen.

    Richtig ist: Ein ignoranter Kellner ist kein Grund, die Rechnung zu prellen. Die sicherste Lösung in solchen Fällen ist, an der Theke zu zahlen. Wahlweise kann man auch einen Zettel mit der Anschrift hinterlassen. Dann kann der Gastwirt die Rechnung per Post zustellen.

  • Kein Recht auf Kaufvertrag

    Irrtum: Wenn ein Händler für ein Produkt wirbt, muss er es an jeden Kunden verkaufen.

    Richtig ist: Es herrscht das Prinzip der Vertragsfreiheit. Dem Händler steht es frei, das beworbene Produkt an bestimmte Personen nicht zu verkaufen.

  • Preisangabe nicht bindend

    Irrtum: Ein versehentlich mit einem zu niedrigen Preis ausgezeichnetes Produkt muss dem Kunden auch zu diesem Preis verkauft werden.

    Richtig ist: Der Kunde hat keinen Anspruch auf den Preis, mit dem die Ware ausgezeichnet ist. Rechtlich ist die Preisangabe nur die Aufforderung an den Kunden, ein Kaufangebot abzugeben. Wird an der Kasse ein anderer Preis genannt, kann der Kunde entscheiden, ob er die Ware trotzdem kaufen möchte.

  • Klingende Münze

    Irrtum: Man darf mit beliebig vielen Münzen zahlen.

    Richtig ist: Mehr als 50 Münzen muss der Händler nicht annehmen. Auch ist er nicht verpflichtet, große Scheine zu akzeptieren. Steht der Geldschein in krassem Missverhältnis zum Kaufpreis, darf der Verkäufer ablehnen - etwa wenn der Kunde eine Zahnbürste mit einem 500-Euro-Schein bezahlen möchte.

  • Vom Umtausch ausgeschlossen

    Irrtum: Sonderangebote sind vom Umtausch ausgeschlossen.

    Richtig ist: Ist die Ware fehlerhaft, hat der Kunde auch bei reduzierter Ware das gesetzliche Recht auf Gewährleistung.

  • Kaufnachweis beim Umtausch

    Irrtum: Umtausch nur mit Kassenbon.

    Richtig ist: Der Kassenzettel macht Reklamationen zwar einfacher, ist aber nicht zwingend notwendig. Bei Kartenzahlungen gilt auch der Kontoauszug als Kaufnachweis. Es helfen auch Zeugen, die den Kauf bestätigen können.

  • Umtausch nur in Originalverpackung

    Irrtum: Für Umtausch und Reklamation benötige ich die Originalverpackung.

    Richtig ist: Fehlerhafte Ware muss der Händler zurücknehmen, egal in welcher Verpackung. Muss die Ware zum Hersteller eingeschickt werden, trägt der Verkäufer die Kosten für Transport, Versand und Verpackung.

  • Rechnung im Restaurant

    Irrtum: Der Letzte zahlt im Restaurant die Zeche.

    Richtig ist:
    Jeder zahlt nur das, was er bestellt hat. Der Wirt muss im Zweifel nachweisen, was jeder einzelne Gast konsumiert hat. Kann er das nicht, bleibt er auf dem Fehlbetrag sitzen. Andere Gäste müssen eine offene Rechnung nicht begleichen.

  • Reklamation beim Hersteller

    Irrtum: Mangelhafte Produkte muss ich beim Hersteller reklamieren.

    Richtig ist: Für Reklamationen innerhalb der gesetzlichen Gewährleistung (bei Neuware zwei Jahre ab Kauf, bei Gebrauchtware ein Jahr) ist der Verkäufer zuständig. Gibt der Hersteller eine darüber hinausgehende Garantie, kann sich der Kunde direkt an ihn wenden.

  • Haftung für Garderobe

    Irrtum: Gastwirte haften nicht für die Garderobe ihrer Gäste.

    Richtig ist:
    Wenn die Gäste ihre Garderobe nur an einer Stelle ablegen können, die für sie nicht einsehbar ist, muss der Gastwirt bei Diebstahl haften.

  • Keine Pflicht zur Anzahlung

    Irrtum: Wenn der Verkäufer eine Anzahlung fordert, muss ich sie zahlen

    Richtig ist: Laut Gesetz erfolgt die Zahlung erst bei Lieferung der Ware - und nicht früher. Zahlt der Kunde vorab, ist das Geld bei einer Insolvenz des Verkäufers in der Regel weg.

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12.05.2014 | 21:00 Uhr

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