Stand: 07.11.2019 20:10 Uhr

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

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Rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen dem WWF zufolge in Deutschland pro Jahr in der Tonne.

Rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen einer WWF-Studie zufolge in Deutschland Jahr für Jahr in der Tonne - obwohl ein großer Teil davon noch verzehrbar wäre. Zahlreiche Initiativen und Vereine haben sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland einzudämmen. Auch die Bundesregierung setzt sich für einen nachhaltigeren Umgang mit unserem Essen ein. Wir stellen eine Auswahl der Projekte, Initiativen und Vereine und ihre Ziele vor und geben einen Überblick über die rechtliche Lage in Deutschland.

Esther Schweins zieht einen Müllcontainer hinter sich her. © NDR/Labo M

Im Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung

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18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll: eine gigantische Verschwendung. Schauspielerin Esther Schweins sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an.

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Kampagne "Zu gut für die Tonne!": Tipps und Rezepte

Die Bundesregierung verfolgt eine "nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung" und hat sich zum Ziel gesetzt, die Verschwendung in privaten Haushalten und im Einzelhandel bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lud am 6. November zum ersten Treffen des "Nationalen Dialogforums", um über Strategien zur Erreichung des Ziels zu beraten. Zudem startete die Regierung die Informationskampagne "Zu gut für die Tonne!", die sich gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln richtet. Einfache Tipps, Rezepte für Reste-Essen und Mitmachaktionen sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern zeigen, wie sie ihre Lebensmittelabfälle reduzieren können.

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940 Tafeln setzen sich für Weiterverteilung ein

Eine wichtige Rolle im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung spielen die Tafeln, die Lebensmittel annehmen und an Bedürftige verteilen. Rund 940 deutsche Tafeln sind im Dachverband Die Tafel organisiert. Der Dachverband sprach sich zuletzt für finanzielle Hilfen des Staates für die Ehrenamtlichen-Organisationen aus. Nur so könne es gelingen, große Spenden zu koordinieren und zu verteilen. Dem Verband zufolge sammeln 60.000 Ehrenamtliche jährlich 264.000 Tonnen Lebensmittelspenden.

Foodsharing: Retten statt wegwerfen

Seit 2012 gibt es die Initiative foodsharing, die Lebensmittel "rettet", die ansonsten weggeworfen würden. Nach eigenen Angaben hat die Plattform rund 200.000 Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz und mehr als 25.000 sogenannte Foodsaver (Essensretter), die sich auf lokaler Ebene gegen Lebensmittelverschwendung engagieren, überschüssige Lebensmittel zum Beispiel in Einkaufsmärkten abholen und weiterverteilen. Rund 3.000 Betriebe kooperieren mit der Initiative. In vielen Städten gibt es sogenannte Fair-Teiler: öffentlich zugängliche Kühlschränke oder Regale, die als Tauschbörsen für Lebensmittel fungieren. 

Too Good To Go: Eine App gegen Verschwendung

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To Good To Go vernetzt Betriebe wie Supermärkte und Restaurants mit Verbrauchern.

Der Rettung von Lebensmitteln hat sich auch die 2015 gegründete Initiative Too Good To Go verschrieben. Die gleichnamige App vernetzt Gastronomiebetriebe und Verbraucher: Restaurants, Bäckereien, Hotels und Supermärkte können überschüssige Lebensmittel zu einem vergünstigten Preis zur Selbstabholung anbieten. Die Kunden bezahlen direkt über die App und holen ihre Portion dann im angegebenen Zeitfenster vor Ort ab. In Deutschland hat Too Good To Go nach eigenen Angaben 4.000 Partnerläden in rund 400 Städten und eine Community von mehr als zwei Millionen Menschen.

Anfang November initiierte To Good To Go ein "Oft länger gut"-Label, das Kunden darauf aufmerksam machen soll, dass Lebensmittel meist auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch gut sind. 25 Lebensmittelhersteller und Handelspartner unterstützen das Label bereits.

Containern bleibt verboten

Das sogenannte Containern, also das eigenmächtige Sammeln von weggeworfenem Essen aus Müllcontainern von Supermärkten oder anderen Betrieben, bleibt in Deutschland übrigens weiterhin verboten. Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) hatte im Juni einen Vorstoß gestartet, Containern zu legalisieren, war damit aber bei seinen Länderkollegen gescheitert. Auch das Bundesernährungsministerium sprach sich jüngst wieder gegen das Containern aus. Besser sei es, noch verkehrsfähige Lebensmittel an die Tafeln zu geben oder selbst zur kostenlosen Mitnahme anzubieten.

Andere EU-Staaten gehen zum Teil bereits per Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vor: In Frankreich etwa sind Supermärkte gesetzlich verpflichtet, übrig gebliebene Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen zu spenden. Auch in Tschechien müssen Supermärkte unverkäufliche Lebensmittel unentgeltlich karitativen Organisationen anbieten.

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Dieses Thema im Programm:

Mehr wissen - besser leben | 11.11.2019 | 21:00 Uhr

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