Illegaler Welpenhandel: Das miese Geschäft mit jungen Hunden

Stand: 19.10.2020 07:07 Uhr

Illegaler Welpenhandel ist ein Millionen-Geschäft auf Kosten der Tiere: Sie sind oft unterernährt, krank und nicht geimpft - und werden auf engstem Raum zu ihrem Zielort transportiert.

von Jessica Ostermünchner

Welpen aus illegalem Handel werden in der Regel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Sie stammen häufig aus einer sogenannten Massenvermehrung: Die Hündinnen werden zu Gebärmaschinen degradiert, zusammen mit den Deck-Rüden vegetieren sie nicht selten in fensterlosen Verschlägen vor sich hin. Die Tiere sind oft krank, geben Gendefekte und Erkrankungen an die Welpen weiter. Manchmal sterben kleine Hundebabys schon wenige Tage nach dem Verkauf in ihrem neuen Zuhause.

Welpenhandel: Was ist erlaubt?

Wer gewerblich mit Welpen handelt, benötigt nach dem Tierschutzgesetz die Erlaubnis des zuständigen Veterinäramts, das auch Haltung und Züchtung kontrolliert.

Bei Welpen aus Deutschland ist ein Impfpass mit konkreten Eintragungen erforderlich:

  • erste Impfung gegen Staupe, Parvovirose und andere Infektionskrankheiten in der achten Lebenswoche
  • zweite Impfung gegen Tollwut in der zwölften Woche

Der junge Hund sollte einen Chip tragen. Die Länderkennzahl für Deutschland ist 276. Stammt der Welpe aus einem anderen EU-Land, muss er mit einem EU-Heimtierausweis und einem tierärztlichen Gesundheitszertifikat ausgestattet sein.

Hunde aus Nicht-EU-Staaten dürfen frühestens im Alter von sieben Monaten einreisen. Für den Transport gelten die einschlägigen tierschutzrechtlichen Bestimmungen.

Welpen aus illegalem Handel erkennen

An diesen Kriterien können Sie Welpen aus illegalem Handel erkennen:

  • Finger weg von besonders jungen Welpen, die kaum die Augen öffnen und laufen können. Laut Tierschutz-Hundeverordnung dürfen Welpen erst im Alter von acht bis zwölf Wochen vom Muttertier getrennt werden. Das ist für die Sozialisierung des Tieres wichtig. Bleiben die Welpen nur zwei bis vier Wochen bei der Mutter, leiden sie später oft unter massiven Verhaltensproblemen.

  • Einen schlechten Gesundheitszustand des Tieres erkennen Sie zum Beispiel an allgemeiner Schwäche, Lahmen, Ausfluss aus Augen oder Nase. Tiere mit diesen Symptomen sind meist weder geimpft noch haben sie eine Wurmkur hinter sich. In diesem Zustand überleben Welpen selten das erste Jahr. Seriöse Züchter werden eine Untersuchung durch einen Tierarzt vor dem Kauf nicht ablehnen.

  • Vorsicht ist angebracht, wenn ein Tier keinen Mikrochip trägt oder Begleitpapiere mit Zuchtbuchnummer oder der Heimtierausweis fehlen - oder aber zusätzliches Geld für die Zuchtpapiere gefordert wird. Auch unzureichend oder falsch ausgefüllte Dokumente mit Rechtschreibfehlern können ein Warnhinweis sein. Bei kriminellem Welpenhandel können die eingetragenen Impfdaten vom Alter des Welpen abweichen.

  • Unseriös sind nach Auffassung von Experten Aussagen wie "Der Hund braucht kein Zeugnis". Lassen Sie sich in jedem Fall ein Gesundheitszeugnis aushändigen.

  • Nicht selten werden Mischlinge als Rassetiere oder Hunde mit gefälschtem Stammbaum verkauft.

  • Stutzig werden sollten Welpenkäufer, wenn sie nicht nach der Wohnsituation gefragt werden. Seriöse Züchter wollen mit dieser Frage herausfinden, ob es dem Hund später auch gut gehen wird und ob er genug Auslauf bekommt.

  • Verdächtig ist ein Angebot von Welpen unterschiedlicher Rassen zu sehr niedrigen Preisen. Seriöse Züchter konzentrieren sich auf eine, höchstens zwei Rassen.

  • Dubiose Händler liefern Welpen direkt ins Haus oder übergeben sie an öffentlichen Orten, oft durch Mittelsmänner.

Polizei informieren bei Verdacht auf illegalen Welpenhandel

Wenn Sie bei der Übergabe des Tieres Verdacht auf illegalen Welpenhandel haben, verständigen Sie den örtlichen Tierschutzverein oder die Polizei. Notieren Sie das Autokennzeichen des Verdächtigen.

Kommt der Verdacht auf illegalen Welpenhandel erst beim Tierarzt auf, melden Sie den Verdacht gemeinsam der Polizei.

Dubiose Anzeigen im Internet oder in Zeitungen sollten Sie dem örtlichen Tierschutzverein melden.

Welpen beim Züchter genau anschauen

Schauen Sie sich vor dem Kauf eines Welpen den Aufzuchtsort und, falls vorhanden, Wurfgeschwister an. Bei einem seriösen Züchter ist der Besuch der Welpen vorab möglich und wird sogar empfohlen, damit sich das Tier langsam an sein neues Herrchen oder Frauchen gewöhnen kann.

Sehen Sie sich beim Züchter das Muttertier an. Ist es gesund? Sind auch die Welpen gesund und munter, haben sie einen natürlichen Spieltrieb?

In Deutschland kosten Rassehunde-Welpen von anerkannten Züchtern je nach Rasse mindestens 800 bis 2.000 Euro.

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Dieses Thema im Programm:

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