Stand: 23.11.2018 14:24 Uhr

Paket-Betrug: So schützen Sie sich

von Alexandra Ringling
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Ware bestellt, Paket abgefangen - so gelangen Betrüger an teure Ware.

Vor einer neuen Betrugsmasche warnt die Polizei: Kriminelle bestellen unter einem fremden Namen teure Waren im Internet. Bei der Auslieferung fangen sie den Paketboten ab und nehmen die Ware in Empfang. Die Rechnung geht an die bei der Bestellung angegebene Adresse. Diese Form des Betrugs wird auch Identätsdiebstahl genannt.

Beamte und Angestellter sowie ein weiterer Mann stehen auf der Straße.

Paket-Diebe: Kriminelle Masche

Markt -

Unter einem fremden Namen bestellen Kriminelle teure Waren im Internet - und fangen das Paket vor der Auslieferung ab. Wie schützt man sich vor der Betrugsmasche?

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So funktioniert der Paket-Betrug

Eine Voraussetzung für den Paket-Betrug: Der Versandhändler bietet den Kauf auf Rechnung an. Denn für diese Variante für Bezahlung muss man bei einer Bestellung im Internet oft nur den Namen und das Geburtsdatum angeben. Und genau an diese Daten können Kriminelle mit einigen Tricks gelangen.

Arten von Identitätsdiebstahl

Eine klare Definition von Identitätsdiebstahl als eigene Straftat gibt es nicht. Je nach Auslegung werden darunter verschiedene Fallarten zusammengefasst. Die wichtigsten:

  • Jemand meldet sich in Ihrem Namen bei Online-Shops an und bestellt Waren zu einer anderen Adresse. Die Rechnung geht an Sie.
  • Jemand verschafft sich Zugang zu Ihrem E-Mail-Postfach oder Facebook-Profil. Dann tritt er in Ihrem Namen auf - mit dem Ziel, Sie gegenüber anderen in Misskredit zu bringen oder zu schädigen. Es kann zum Beispiel sein, dass Täter in Ihrem Namen andere beleidigen oder gar einen Amoklauf ankündigen.
  • Auch der "Enkeltrick" ist in der virtuellen Welt angekommen: Sie erhalten via Internet den Hilferuf eines vermeintlichen Freundes, der - häufig im Ausland - in einer plötzlichen Notlage steckt und dringend Geld benötigt, um nach Hause zu kommen. Dahinter stecken dann Betrüger, die das E-Mail-Konto oder Facebook-Profil Ihres Freundes gehackt oder gefälscht haben.
  • Bei der weitestmöglichen Definition kommt es bereits zum Identitätsdiebstahl, wenn Hacker massenhaft Anmeldedaten stehlen, ohne dass diese unbedingt schon missbraucht wurden.

Auch wenn Identitätsdiebstahl als solcher keine Straftat ist, werden mit gestohlenen Identitäten dann möglicherweise Straftaten begangen - zum Beispiel Urkundenfälschung oder Stalking.

Wie Täter an die Daten kommen

Auch hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten:

  • Ihr Online-Konto wird von Hackern gezielt geknackt.
  • Per E-Mail werden Sie auf eine gefälschte Unternehmensseite gelockt, bei der Sie Ihre Kundendaten eingeben sollen (Phishing).
  • Ihr Rechner wird über das Internet mit einem Trojaner infiziert, einer Software, die Ihre Daten abfangen und weiterleiten kann.
  • Online-Shops locken mit (gefälschter) Ware - diese wird zwar scheinbar problemlos geliefert. Aber Ihre dort angegebenen Kundendaten werden von den Tätern weiterverwendet.
  • Sicherheitslücken bei Unternehmen, durch die Kundendaten im großen Stil gestohlen werden.
  • Sie geben Daten selbst (ungewollt) preis: Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie im Netz Details ausplaudern, mit denen Sie sich an anderer Stelle identifizieren können (etwa bei der beliebten Sicherheitsfrage nach dem Haustier). Oder wenn Betrüger in einem sozialen Netzwerk Ihre Fotos stehlen, um damit an anderer Stelle ein Profil in Ihrem Namen anzulegen.
  • Die Täter benutzten nur Daten, die ihnen bereits aus der realen Welt bekannt beziehungsweise öffentlich zugänglich sind: Wie Sie mit Vor- und Nachnamen heißen, ist nun einmal vielen Menschen bekannt - und für manchen Missbrauch reicht das schon. Ihr genaues Geburtsdatum kennen alle, die mit Ihnen in einer Schulklasse waren. Wer an Ihrem Briefkasten oder Ihrer Mülltonne vorbeikommt, kann herausfinden, von welchen Firmen Sie Post bekommen.

Identitätsdiebstahl erkennen

Falls jemand in Ihrem Namen Pakete bestellt, als Käufer bei eBay auftritt oder gar einen eigenen Online-Shop in Ihrem Namen eröffnet, um gutgläubige Kunden zu prellen, haben Sie kaum Möglichkeiten, dies vorab zu erkennen.

Sollten Sie befürchten, dass Ihre Daten bereits missbraucht werden, gibt es mehrere Wege um diesem Verdacht nachzugehen:

  • Sie können einen Google Alert für Ihren Namen einrichten. Das ist eine automatische Suchabfrage. Dann werden Sie jedes Mal per E-Mail informiert, wenn Ihr Name von Google an einer neuen Stelle im Netz gefunden wird. Das funktioniert auch ohne Anmeldung bei Google. Gefunden werden allerdings nur öffentlich zugängliche Seiten.
  • Mit der Google-Bildersuche können Sie auch feststellen, ob Ihre Bilder auf anderen Seiten verwendet werden.
  • Internetregistraturen nach Ihrem Namen durchsuchen: Mittels einer sogenannten "Whois"-Abfrage (beispielsweise hier mit dem Dienst Domaintools oder für de-Adressen bei DENIC) finden Sie heraus, auf wen eine Internetadresse registriert ist. Normalerweise müssen Sie dazu diese Internetadresse (Domain) kennen. Für eine Reihe von Internetadressen - leider nicht für diejenigen mit der Endung .de - können Sie mit einem Trick herausfinden, wo Ihr Name verwendet wurde: Nutzen Sie dazu bestimmte Suchbefehle (sogenannte Operatoren) bei Google. So kann die Suchmaschine die Website der Registraturen nach Ihrem Namen durchsuchen. Mit dem Operator "site:whois.domaintools.com + Ihr Name" im Suchfeld lässt sich beispielsweise nur dieser Dienst nach Treffern zu Ihrem Namen durchsuchen. Findet Google hier ein Ergebnis, schauen Sie sich dort genau an, ob Sie die auf der Seite angegebene Internetadresse wirklich registriert haben. Leider werden manche Treffer auch nur kostenpflichtig angezeigt.

Wenn massenhaft Diebstähle bei großen Online-Unternehmen öffentlich werden: Überprüfen Sie, ob Sie betroffen sind. Im Idealfall richtet die gehackte Firma dafür eine Website an. Das Hasso-Plattner-Institut pflegt eine übergreifende Datenbank mit gehackten Profilen. Einen ähnlichen Dienst bietet diese englischsprachige Seite.

Schutz vor Identitätsdiebstahl

Auch online gilt: Gegen kriminelle Energie kann man sich nur schwer schützen, wenn man sein Leben nicht in einer ungemütlichen Festung verbringen will. Sie sollten allerdings ein paar Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, um es Übeltätern nicht zu einfach zu machen.

  • Melden Sie sich immer von allen Internetseiten ab, wenn Sie einen öffentlichen Internetzugang benutzen.
  • Klicken Sie nicht auf Links und Anhänge in E-Mails von unbekannten Absendern. Bevor Sie Nutzerdaten eingeben: Überprüfen Sie bei Links in der Browser-Adresszeile genau, ob dort wirklich die richtige Internetadresse steht, oder ob es sich um eine gefälschte Seite mit leicht veränderter Adresse handelt.
  • Wägen Sie sorgfältig ab, wo Sie Ihren richtigen Namen benutzen und wo ein Pseudonym als Nutzername ausreichend ist.
  • Akzeptieren Sie in sozialen Netzwerken nicht wahllos Freundschaftsanfragen von Unbekannten. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen ein Bekannter erneut eine Freundschaftsanfrage stellt, weil seine Kontodaten verloren gegangen seien. Überprüfen Sie solche Anfragen gelegentlich auch mal außerhalb der digitalen Sphäre.
  • Schützen Sie Ihre digitalen Identitäten: Verwenden Sie nicht überall dieselbe E-Mailadresse, um sich anzumelden (und selbstverständlich nicht das gleiche Passwort, sondern jeweils ein anderes, möglichst komplexes). Sie können sich dazu mehrere unterschiedliche kostenlose E-Mail-Adressen anlegen. So vermeiden Sie eine Kettenreaktion, wenn Ihr E-Mail-Konto geknackt wurde. Schauen Sie, ob Sie Ihr Nutzerkonto durch eine sogenannte doppelte Authentifizierung mit einem Handy-Code schützen können.
  • Wenn Ihnen eine Webseite Sicherheitsfragen anbietet - etwa "Was war Ihr erster Job?" - wählen Sie eine Frage, die sich nicht im Internet recherchieren lässt.

Identitätsdiebstahl: Was Opfer tun können

  • Wenn Kunden eine Rechnung für Ware bekommen, die sie nie bestellt haben rät Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg dazu, Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei zu stellen. Denn der Verdacht liegt nahe, dass ein Krimineller Missbrauch mit den Daten betreibt.
  • Der Kunde muss Ware, die er nicht bestellt hat, auch nicht bezahlen, da der Versandhandel in der Pflicht steht, den Kauf des vermeintlichen Kunden zu beweisen.
  • Melden Sie ein gefälschtes Profil in einem sozialen Netzwerk unverzüglich beim Betreiber (Wie das bei Facebook geht, wird hier erklärt). Achtung: Möglicherweise müssen Sie dazu per Ausweis nachweisen, dass Sie der richtige Besitzer sind. Das kann schwierig sein, wenn Sie sich unter einem Pseudonym angemeldet haben.
  • Informieren Sie Freunde, Kollegen und Bekannte über die Fälschung (die wichtigsten auch telefonisch oder persönlich). Bitten Sie diese, die Fälschung ebenfalls beim Betreiber zu melden.
  • Wenden Sie sich sofort an die Betreiber einer Website, auf der jemand in Ihrem Namen auftritt und melden Sie sich bei der Polizei. Wenn die Sache komplizierter wird, ziehen Sie einen Anwalt zu Rate.
  • Überprüfen Sie Ihren Rechner mit einem Anti-Viren-Programm auf mögliche Trojaner oder lassen Sie das von einem Fachmann erledigen.
  • Ändern Sie unverzüglich Ihre Passwörter und überprüfen Sie Ihre übrigen Nutzerdaten, damit nicht ein Betrüger dort zusätzlich seine eigene E-Mail-Adresse eingetragen hat.
  • Kontrollieren Sie Ihre Bankauszüge und fordern Sie eine Auskunft bei der Schufa an. Wiederholen Sie das in den nächsten Wochen häufiger.
  • Mit der Einführung der "Zweiten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie" werden alle Online-Bezahlsysteme zu einer sogenannten Zwei-Faktor Authentifizierung verpflichtet. Das bedeutet, dass zusätzlich zu der Anmeldung mit einer E-Mail-Adresse eine weitere Authentifizierung der Identität benötigt wird, um einen Online-Kauf auf Rechnung abzuschließen. Das kann beispielsweise über einen Code geschehen, der dem Anwender des Onlinekontos an eine hinterlegte Mobilnummer per SMS geschickt wird. Erst wenn der Code auf der Website eingegeben wird, kann das Geschäft getätigt werden. Im September 2019 tritt die EU Richtlinie auch in Deutschland in Kraft.

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Dieses Thema im Programm:

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