Stand: 23.08.2016 21:30 Uhr  | Archiv

Hamsterkäufe - überflüssig oder sinnvoll?

Der Hamster ist ein sensibles Wesen: Ist er gestresst, stopft er sich die Backentaschen mit mehr Futter voll als er essen kann. Die Folge: verfaulte Körnerklumpen - und damit sinnlose Hamstervorräte. Agiert die Bundesregierung mit ihrem neuen Zivilschutzkonzept wie ein gestresster Hamster? Kritiker sagen: ja. Der Rat der Bundesregierung, sich Vorräte anzulegen, komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In Zeiten zahlreicher Krisen würden die Bürger durch das Konzept nur verunsichert.

Verbraucherzentrale: Längst überfällig

Die Verbraucherzentrale Hamburg hält es aber für sinnvoll, die Pläne zur Zivilverteidigung jetzt zu aktualisieren. "Das ist eine Maßnahme, die längst überfällig ist. Das Konzept muss der Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst werden", sagte Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale im Gespräch mit NDR.de. Zuletzt sei der Schutzplan 1995 reformiert worden.

Wasser ist lebensnotwendig

Das Anlegen eines Notvorrats für Katastrophenfälle befürwortet Schwartau. Die 59-Jährige hat selbst zwei Sturmfluten miterlebt: 1962 und 1976. Den Menschen sollte bewusst sein, dass es durchaus Situationen im Leben geben könne, in denen der Supermarkt nicht wie gewohnt öffnen kann. "Das allerwichtigste ist Wasser", sagt sie. Ein paar Tage könne ein Mensch mit weniger Kalorien auskommen, aber kaum ohne Trinkwasser. Daher sollte sich jeder Bewohner überlegen, wo er es am besten lagern könnte. "In Wohnanlagen mit wenig Platz können Bewohner auch gemeinsame Sache machen und zusammen ein Lager einrichten", rät Schwartau.

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Ungekochte Fusilli-Nudeln © Fotolia.com Foto:  volkerr

"Wasser, Nudeln, eine Taschenlampe"

Nicht hamstern, sondern vernünftige Vorräte anlegen - das empfiehlt Zivilschutz-Experte Kast vom Deutschen Roten Kreuz. Im Interview mit tagesschau.de verweist er auf die individuellen Bedürfnisse. extern

Zudem empfiehlt die Verbraucherschützerin langlebige Lebensmitteln zu kaufen - etwa getrocknete Hülsenfrüchte, Tee, Kaffee, Konserven, Tütensuppen, Reis, Nudeln und Milchpulver. Frisches Obst und Gemüse würden sich nicht eignen, es sollte in Dosen und Gläsern konserviert sein. Auch frisches Brot sei ungeeignet - besser sei Knäckebrot oder Zwieback. Die Waren müssten gut kenntlich mit dem Kaufdatum versehen werden, damit im Blick bleibe, wann sie ablaufen. Gelegentlich sollten die Vorräte verbraucht und ersetzt werden.

Vorräte den Bedürfnissen anpassen

Den Vorrat nach den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben anzupassen, ist zudem auch wichtig. Wer etwa einen Allergiker und Diabetiker in der Familie hat, muss dies berücksichtigen. 2.200 Kalorien braucht der Mensch pro Tag. Allerdings ist das laut Verbraucherzentrale noch hoch gerechnet: Für einen begrenzten Zeitraum kämen Erwachsene auch mal mit weniger aus. Für Kinder würden ohnehin geringere Werte gelten, zum Beispiel für ein zehnjähriges Kind rund 1.800 Kalorien.

Der Körper kann viele Vitamine und Mineralstoffe über einen gewissen Zeitraum speichern, daher ist innerhalb von 14 Tagen nicht mit einer gravierenden Mangelversorgung zu rechnen. Aber man kann sich auch mit Vitamin- und Mineralstofftabletten bevorraten, wenn zum Beispiel Kranke mit einem erhöhten Bedarf im Haushalt leben.

Ein bisschen Humor hilft vielleicht auch

Eine Tafel mit der Aufschrift: "Hamster deutschlandweit restlos ausverkauft.“ © N-JOY
Hamster-Witze sind gerade in, zum Beispiel beim "Postillon".

Das Konzept für den Katastrophenfall wird von Kritikern als "Panikmache" abgetan. Viele Nutzer in den sozialen Netzwerken nutzen jedoch die Gelegenheit, die Bundesregierung mit ihrem Aufruf zu Hamsterkäufen ordentlich zu verhohnepipeln. Vor allem die Frage, welche Vorräte tagelang reichen sollen, beflügelt die Fantasie.

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 23.08.2016 | 12:00 Uhr

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