Stand: 20.01.2017 11:12 Uhr  | Archiv

Fisch: Sind Gütesiegel wie MSC sinnvoll?

von Ann-Brit Bakkenbüll

Viele Fischprodukte aus dem Supermarkt und vom Discounter tragen ein Gütesiegel wie MSC, ASC, Friend of the Sea, Naturland Wildfisch und Dolphin Safe. Die Zertifikate versprechen nachhaltigen und umweltschonenden Fischfang. Markt hat bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe Fisch mit den Siegeln MSC und ASC gekauft und mit dem Fischratgeber von Greenpeace abgeglichen.

Fisch: Gütesiegel im Vergleich

MSC: Marine Stewardship Council

Die Umweltorganisation Marine Stewardship Council (MSC) wurde 1997 vom WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet. Seit 1999 ist der MSC unabhängig von den Gründungsorganisationen. Ein Fischprodukt mit dem MSC-Siegel muss drei Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Fischbestände dürfen nicht überfischt werden, sie müssen sich also immer wieder erholen können.
  • Es darf nur so gefischt werden, dass Artenvielfalt und Funktionsfähigkeit der betroffenen Ökosysteme erhalten bleiben.
  • Alle regionalen und internationalen Gesetze müssen eingehalten werden.

Vor der Vergabe des MSC-Siegels wird ein Fischereibetrieb in einem aufwendigen Verfahren von unabhängigen Zertifizierungsstellen und Wissenschaftlern geprüft. Für fünf Jahre darf das Unternehmen dann seine Produkte mit dem Siegel kennzeichnen. In dieser Zeit legt es einmal im Jahr Rechenschaft über seine fortlaufend nachhaltige und umweltschonende Fangpraxis ab.

ASC: Aquaculture Stewardship Coucil

Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) ist eine von WWF und The Sustainable Trade Initiative in den Niederlanden gegründete Organisation. Sie hat das Ziel, einen globalen Standard für verantwortungsvolle Fischzucht und Fischfarmen zu setzen. Fischprodukte mit dem ASC-Siegel erfüllen diese Anforderungen:

  • Der Standort der Aquakultur muss sich für die Zuchtfischerei eignen.
  • Hohe Wasserqualität, damit die Fische gute Lebensbedingungen haben.
  • Nachweis einer geringen Sterblichkeitsrate während der Zucht.
  • Die Herkunft des Fischfutters muss sich zurückverfolgen lassen. Es darf nicht aus überfischten Beständen stammen.
  • Antibiotika dürfen nur unter medizinischer Überwachung und für erkrankte Tiere eingesetzt werden.

FOS: Friend of the Sea

Die Organisation Friend of the Sea wurde 2006 gegründet. Sie zertifiziert zum Beispiel Fischereibetriebe, in denen maximal acht Prozent Beifang entsteht. Doch Experten kritisieren, dass die Grenze für Schwarmfischfischereien, etwa Makrelen, bei drei Prozent angesetzt werden sollte. Anders als beim MSC-Siegel gibt es keine unabhängigen Experten für das Zertifizierungsverfahren.

Naturland-Siegel für Wildfisch

Das vom Naturland-Verband entwickelte Siegel für Wildfisch wird für ausgewählte Fischereiprojekte vergeben. Dabei legt Naturland den Schwerpunkt auf soziale Kriterien. Viktoriasee-Barsche in Tansania zum Beispiel werden mit handwerklicher Technik gefangen und die selbstständigen Fischer erhalten einen angemessenen Lohn für ihren Fang.

Dolphin Safe: Beifang beim Thunfisch vermeiden

Das Siegel Dolphin Safe erhält Thunfisch aus Betrieben, die mit bestimmten Fangtechniken den Beifang von Meeressäugetieren wie Delfinen vermeiden. Nicht überprüft wird, wie es um die Bestände des Thunfischs bestellt ist und ob er nachhaltig befischt wird. Unberücksichtigt bleibt auch Beifang von Haien oder Schildkröten.

Greenpeace-Empfehlungen strenger als Gütesiegel

Gütesiegel wie MSC und ASC geben beim Einkauf eine erste Orientierung. Doch nicht alle Fische mit MSC- oder ASC-Siegel entsprechen den strengeren Empfehlungen des Fischratgebers von Greenpeace, der auch als Smartphone-App erhältlich ist. Die Umweltschützer raten: Auf Aal, Alaska-Seelachs, Rotbarsch und Makrele sollten Verbraucher zurzeit verzichten, weil die Arten gefährdet sind. Ohne Bedenken darf man momentan Karpfen, Hering und Wels verspeisen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 23.01.2017 | 20:15 Uhr

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