Stand: 21.08.2017 11:16 Uhr

Die Geschäftsmodelle der Telefonshops

von Ines Burckhardt, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Aus deutschen Einkaufsstraßen sind sie nicht wegzudenken: die Shops von Vodafone, O2 oder der Telekom. Auch in Zeiten des Internets lassen sich viele Kunden gerne noch persönlich vor Ort beraten.

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30 Prozent der Telekom-Läden werden von Franchise-Nehmern betrieben.

"Bei uns erhält man immer eine freundliche und nachhaltige Antwort auf alle Fragen rund um Mobilfunk und Festnetz" - so wirbt ein Vodafone-Shop auf Youtube für sich. Was Kunden wahrscheinlich nicht ahnen: Dieser Shop wird - wie fast 90 Prozent aller Vodafone-Läden - nicht vom Unternehmen selbst betrieben, sondern von einer sogenannten Partneragentur. Ähnlich ist es bei anderen Unternehmen: Bei O2 werden zum Beispiel fast 70 Prozent der Shops von Franchise-Nehmern geführt, bei Mobilcom Debitel sind es etwa 40 Prozent und bei der Telekom 30 Prozent.

Volles Risiko für Franchisenehmer

Das hat für die Unternehmen viele Vorteile, wie Jan Martenstein, ein auf Franchise-Recht spezialisierter Anwalt, erklärt: "Das wirtschaftliche Risiko liegt komplett beim Franchise-Nehmer. Und gerade für Standorte oder Geschäftslagen, die noch nicht bekannt sind, lässt sich das Risiko ganz gut auf den Franchise-Nehmer abwälzen."

Realistische Prognosen müssen vorgelegt werden

Außenansicht eines O2-Ladens. © picture alliance / dpa-Zentralbild Fotograf: Stefan Sauer

Die Shops der Telefonanbieter

Für viele Verbraucher sind Telefonshops unverzichtbar. Seien es Fragen zum Vertrag oder Probleme beim Handy, sie setzen auf persönliche Beratung. Wie funktionieren die Shops eigentlich?

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Vor Vertragsabschluss muss das Unternehmen dem selbstständigen Franchise-Nehmer allerdings realistische Prognosen vorlegen - damit dieser sich ausrechnen kann, ob sich das Geschäft für ihn lohnt: "Im Idealfall erwarte ich, dass ein Franchise-Geber einen Mittelwert bildet aus einem sehr guten, einem mittleren und schlecht laufendem Standort. Und dann für die konkrete Straße, wo der Shop eröffnet werden soll, eine Prognose abgibt, was dort an Umsätzen erzielbar ist."

Die Kalkulation des Franchise-Gebers muss nachvollziehbar sein und im Falle einer Klage vor Gericht bestehen. Ansonsten droht dem Unternehmen eine Schadenersatzzahlung. Vodafone habe mit seinen Partnern keine Probleme, sagt Dirk Kossey, Bereichsleiter Direct Sales: "Wir kümmern uns um den Partner. Wir schulen seine Mitarbeiter, wir unterstützen ihn konzeptionell. Wir stellen die Möbel zur Verfügung, wir haben die Produkte und wir machen die Angebote."

Kunden merken keinen Unterschied

Kunden merken in der Regel keinen Unterschied, so Kossey. Die Verträge seien in allen Shops die gleichen und der Kunde schließe den Vertrag direkt mit dem Unternehmen Vodafone ab. Das bestätigen auch andere Mobilfunkanbieter. Die Shop-Mitarbeiter werden allerdings von den Partnern direkt bezahlt. Und auch die Provisionsmodelle können sich zwischen dem Franchise-Shop und einer eigenen Filiale unterscheiden - das ist zum Beispiel bei O2 der Fall. Für Kunden ist wichtig zu wissen: Wer Verträge in einem Shop unterschreibt, egal in welchem, hat in der Regel kein Widerrufsrecht.

Shop-Betreiber werden gesucht

Anwalt Martenstein beobachtet ein gestiegenes Selbstbewusstsein bei Franchise-Nehmern, weil sie sehr gesucht seien: "Der Arbeitsmarkt ist stark, wenige entscheiden sich für den Weg in die Selbstständigkeit und so ist das Potenzial an neuen Franchise-Nehmern recht beschränkt." Die Telekommunikationsanbieter wollen das nicht bestätigen. Fakt ist: Im Internet findet man von allen Unternehmen Anzeigen, in denen sie Partner suchen. Es scheinen gute Zeiten für Selbstständige zu sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 21.08.2017 | 07:41 Uhr

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