Stand: 04.09.2016 21:02 Uhr  | Archiv

Das Ende des Null-Euro-Gehaltskontos

von Lena-Maria Reers, NDR Info Wirtschaftsredaktion

In der aktuellen Niedrigzinsphase verlangen wieder mehr Banken Kontoführungsgebühren für ihre Girokonten - sehr zum Ärger vieler Kunden. Wer jetzt über einen Wechsel nachdenkt, für den gibt es gute Nachrichten: Ab dem 18. September wird der Kontowechsel nämlich einfacher. Das schreibt das neue Zahlungskontengesetz vor. Da die Gebührenstrukturen der Banken sehr unterschiedlich sind, könnte ein Wechsel für manche Kunden interessant sein.

Josefine Lietzau, Finanzexpertin bei dem Verbraucherportal Finanztip © Finanztip Foto: Finanztip
Josefine Lietzau vom Verbraucherportal Finanztip rät Bankkunden dazu, das Kleingedruckte genau zu lesen.

Die Wiedereinführung von Kontoführungsgebühren zieht sich quer durch den Bankensektor. Die Postbank hat angekündigt, ab November 3,90 Euro im Monat zu verlangen, es sei denn, der Kunde hat einen monatlichen Zahlungseingang von mindestens 3.000 Euro. Bisher lag diese Grenze bei 1.000 Euro. Bei der HypoVereinsbank werden mindestens 2,90 Euro im Monat fällig und bei der Deutschen Bank mindestens 4,99 Euro. Doch auch wenn Geldhäuser mit einem kostenlosen Girokonto werben, sollte man das Kleingedruckte genau lesen, sagt Josefine Lietzau, Expertin bei dem Verbraucherportal Finanztip: "Die Gebührenstruktur bei den Girokonten ist extrem unterschiedlich. Es gibt Konten, da wird alles pauschal abgerechnet, aber es gibt auch Banken, die für alle möglichen Einzelleistungen Geld verlangen. Es kann so weit gehen, dass die Girocard oder vielleicht sogar die M-TANs für das SMS-Verfahren etwas kosten."

Banken werden erfinderisch

Lars Hofer, Pressesprecher des Bundesverbandes deutscher Banken © Bundesverband deutscher Banken Foto: Die Hoffotografen
Nicht nur Lars Hofer vom Bundesverband deutscher Banken weiß, dass mit Geldanlagen zurzeit nichts zu verdienen ist.

Das liegt daran, dass die Geldinstitute in der aktuellen Niedrigzinsphase neue Wege finden müssen, um Einnahmen zu generieren. Mit Geldanlagen ist zurzeit nichts mehr zu verdienen, sagt Lars Hofer, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken: "In der Vergangenheit war es so, dass die Erträge aus dem Zinsgeschäft dafür verwendet wurden, andere Dienstleistungen, gerade im Bereich des Zahlungsverkehrs und Girokonten, sehr kostengünstig, teilweise auch kostenlos anzubieten. Obwohl diese Dienstleistungen natürlich immer Kosten für die Bank verursachen."

Und genau diese Kosten geben die Banken jetzt an ihre Kunden weiter. Nur Konten für junge Leute werden in der Regel noch kostenlos angeboten. Fast schon Standard ist es dagegen, dass Filialbanken wieder eine Jahresgebühr für Kreditkarten nehmen und bei Überziehung hohe Dispozinsen verlangen. Viele Kunden ärgern sich, andere finden die Gebühren nicht so wichtig.

Mit Kontowechsel bis zu 200 Euro sparen

Dabei kann ein Verbraucher laut Finanztip bis zu 200 Euro im Jahr sparen, wenn er zu einem günstigeren Anbieter wechselt. Denn noch gebe es Girokonten ohne Jahresgebühr und ohne zusätzliche Kosten für die Giro- oder Kreditkarte, sagt Finanzexpertin Lietzau. Sie empfiehlt zurzeit vor allem Direktbanken: "Die Consorsbank, die comdirect Bank, die DAB Bank und die DKB Bank haben gute Girokonten. Zurzeit ist es leider so, dass die DAB keine neuen Kunden mehr aufnimmt. Und die Santander Consumer Bank hat Filialen und ein gutes Girokonto."

Trend geht klar in Richtung Gebührenerhöhung

Viele Verbraucher scheuen sich allerdings davor, ihr Konto zu wechseln. Zu aufwendig erscheint die Übertragung aller Daueraufträge und Lastschriftmandate. Doch das wird sich jetzt bald ändern. Ab dem 18. September schreibt das Gesetz den Banken vor, dass sie ihren Kunden dabei helfen müssen, wenn sie zu einem anderen Geldhaus wechseln wollen. Dadurch wird der Wettbewerb zwischen den Instituten zunehmen, sagt Lars Hofer vom Bankenverband. Trotzdem geht der Trend klar in Richtung Gebührenerhöhung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 05.09.2016 | 07:41 Uhr

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