Stand: 18.09.2018 17:08 Uhr

Das Baukindergeld ist so nicht sinnvoll

Eltern können in Deutschland ab sofort Baukindergeld beantragen - maximal 12.000 Euro pro Kind gibt es als Zuschuss. Die Bundesregierung sieht darin eine Maßnahme, um dem Wohnungsmangel in Deutschland zu begegnen. Was aber kann das Baukindergeld leisten? Sind die Mittel sinnvoll eingesetzt, wenn es darum geht, mehr zusätzlichen Wohnraum zu schaffen?

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Schafft das Baukindergeld weiteren Wohnraum? Petra Lehnert ist skeptisch.

In Deutschland fehlen schätzungsweise über eine Million Wohnungen, vor allem in den Städten. Das ist keine Banalität. Schlechte Wohnverhältnisse nagen an der Lebensfreude und schaffen soziale Konflikte. Es steckt Sprengstoff in dem Thema, und es ist gut, dass die Bundesregierung nach Wegen sucht, den Neubau zu fördern.

An diesem Freitag hat sie zu einem Wohnungsgipfel geladen. Was immer dabei heraus kommen mag: Wichtig wäre der Mut, tatsächlich neue Wege zu gehen. Die herkömmlichen Förderinstrumente wie Baukindergeld oder Sonderabschreibungen reichen nicht aus, um das Übel "Wohnungsmangel" an der Wurzel zu packen.

Eigentum in großen Städten bleibt so gut wie unbezahlbar

Beispiel Baukindergeld: Es soll vor allem jungen Familien helfen, Eigentum zu erwerben. Um 100 Euro pro Kind steigt das monatliche Haushaltsbudget nach dem Einzug ins neue Heim. Das ist schön für Eltern, die sich eine neue Immobilie leisten können. Aber es wäre illusorisch zu glauben, die Entscheidung für die eigenen vier Wände hinge von dieser Art Förderung ab. Umfragen unter Bauwilligen zeigen: Sie nehmen das Baukindergeld gerne mit oder nutzen es für die eine oder andere Zusatzausstattung des neuen Heims.

Es kann ja auch gar nicht anders sein. Bauen ist teuer - in großen Städten für Durchschnittsverdiener nahezu unbezahlbar. In Ballungsräumen kostet eine 100-Quadratmeter-Wohnung in der Regel mehr als eine halbe Million Euro. Da helfen 12.000 Euro Zuschuss pro Kind über zehn Jahre verteilt nicht weiter.

Bund und Kommunen sollten stärker zusammenarbeiten

Die Wohnungsnot hat sich in Deutschland in den großen Städten eingenistet. Die Vorstellung, ein Häuslebauer brauche nur ein wenig Anreiz, um seinen eigenen Grundstein zu legen, geht an der Realität in den großen Städten vorbei. Dort fehlen vor allem Mietwohnungen oder Eigentumswohnungen zu bezahlbaren Preisen. Ein Grund dafür ist der Mangel an Bauland.

Das Baukindergeld soll den Steuerzahler schätzungsweise zehn Milliarden Euro kosten. Sinnvoller wäre es, mit den Mitteln neues Bauland in den Ballungsräumen zu erschließen. Dazu gehört beispielsweise die Sanierung von Altlasten auf ehemaligen Rüstungs- und Industrieflächen, damit sie bebaut werden können. Kostspielig auch: der Ausbau schneller und moderner Nahverkehrsverbindungen an die Stadtränder. Der Bund könnte die Kommunen bei der Verbesserung der Infrastruktur stärker unterstützen.

Es wird Zeit für einen Neuanfang

Bei allen finanziellen Erwägungen wie Baukindergeld, Fördermittel oder Kosten des Infrastruktur-Ausbaus sollte eine Debatte nicht aus dem Blick geraten: Wie sollen unser Städte in 20 oder 30 Jahren aussehen? Rücken Arbeiten und Leben wieder enger zusammen? Welchen Stellenwert wird das Auto noch haben? Wem gehört der öffentliche Raum? Fragen, auf die die herkömmliche Wohnungsbaupolitik keine Antworten gibt. Es wird Zeit für einen Neuanfang.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 18.09.2018 | 17:08 Uhr

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