Stand: 21.04.2017 17:26 Uhr  | Archiv

ADAC und ADFC: Kontrahenten in Sachen Radfahren?

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Im Straßenverkehr entstehen häufig Konfliktsituationen zwischen Auto- und Radfahrern. Was könnten beide Seiten besser machen?

Auf den Straßen herrschen zwischen Auto- und Radfahrern manchmal schon kriegsähnliche Zustände. Woran liegt das? Was können die Kontrahenten besser machen? 45 Min hat mit den beiden größten Interessenverbänden, dem ADAC und dem ADFC, über die schlimmsten Fehlverhalten der eigenen und der jeweils anderen Seite gesprochen und darüber, was Auto- und Radfahrer besser sollten. Erstaunlich: So weit liegen die beiden Clubs gar nicht auseinander. Und wie steht es mit der Selbstkritik?

Wo sollten Radfahrer am besten fahren?

ADAC: Das hängt maßgeblich von der Verkehrsmenge und den zulässigen Kfz-Fahrgeschwindigkeiten ab. In Tempo 30-Zonen oder auf Fahrradstraßen sollten Radfahrer grundsätzlich zusammen mit dem Kfz-Verkehr auf der Fahrbahn geführt werden. Auf Hauptverkehrsstraßen sollten Radfahrer dagegen auf eigenen Radverkehrsanlagen (Bordsteinradwege und Radfahrstreifen) geführt werden.

ADFC: Wenn wir über Straßen mit Tempo 50, viel Kraftverkehr und angespanntem Verkehrsklima reden: Auf breiten, top-asphaltierten, vom Autoverkehr physisch getrennten Radspuren. Solche Infrastruktur gibt es in Deutschland kaum, aber es lohnt sich, dafür zu streiten.

Sind aufgemalte Fahrradstreifen und Schutzstreifen verkehrstechnisch sinnvoll?

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ADAC: Radfahrstreifen und Schutzstreifen sollten stets als Alternative zu Bordsteinradwegen erwogen werden, sofern es der Straßenquerschnitt und die Situation im ruhenden Verkehr zulassen. Radfahrstreifen sind dabei möglichst vorzuziehen, weil sie von Autos nicht überfahren werden dürfen und damit dem Radfahrer eine höhere subjektive Sicherheit bieten.

ADFC: Schutzstreifen, also die mit der gestrichelten Linie, sind Augenwischerei. Sie weisen bestenfalls darauf hin, dass die Fahrbahn auch von Radfahrern benutzt werden darf - was Fakt ist, aber viele Autofahrer nicht wissen. Im echten Leben werden diese Schutzstreifen ständig von Autos überfahren und bieten deshalb keinen Schutz.

Fahrradstreifen mit einer durchgezogenen Linie müssen wirklich gut gemacht sein, damit sie eine Wirkung entfalten. Gut gemacht heißt: Breit genug, um Überholvorgänge zu ermöglichen - also zwei Meter oder mehr, und auf wenig verkehrsbelasteten Straßen. Auf einer Hauptverkehrsstraße mit viel Schwerlastverkehr und aggressivem Verkehrsklima ist ein ein Meter breiter, aufgepinselter Fahrradstreifen eine Zumutung für ungeschützte Verkehrsteilnehmer.

Preisfrage ist immer: Würden Sie hier mit Ihrem zehnjährigen Sohn oder Ihrer 75-jährigen Mutter Rad fahren? Also wie schon gesagt: An stark belasteten Straßen braucht man eine eigene, physisch getrennte Fahrradinfrastruktur. Wo das nicht möglich ist, muss das Verkehrstempo runter auf 30 Stundenkilometer oder weniger. Anders ist sicheres und komfortables Radfahren nicht möglich.

Was sind die schlimmsten Fehlverhalten von Radfahrern gegenüber Autofahrern?

ADAC: Autofahrer bemängeln an Radfahrern vor allem, dass diese häufig bei Dunkelheit ohne Licht fahren, Rotlichtverstöße begehen und sich vor Ampeln in engem Abstand zu den Autos vorbeischlängeln.

Was sind die schlimmsten Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern?

ADFC: Abbiegen ohne Schulterblick. Enges Überholen.

Was könnten Autofahrer besser machen gegenüber Radfahrern?

ADAC: Zu den Hauptsünden der Autofahrer gehört das Überholen von Radfahrern mit zu geringem Abstand. Ferner wird von Radfahrern häufig beklagt, dass Autofahrer ihnen an Kreuzungen die Vorfahrt nehmen und Radwege zuparken.

ADFC: Abbiegen mit Schulterblick, Überholen mit mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand und: Radwege respektieren, also weder zuparken noch zustellen.

Was dürfen Radfahrer - und was müssen sie?

Was könnten Fahrradfahrer besser machen gegenüber Autofahrern?

ADAC: Radfahrer sollten sich stets an die Verkehrsregeln halten. Insbesondere das regelwidrige Befahren von Radwegen und Einbahnstraßen in der falschen Fahrtrichtung sowie das Fahren ohne Licht bei Dunkelheit tragen zu einer starken Gefährdung von Radfahrern bei. Außerdem wäre wünschenswert, dass Radfahrer mehr Rücksicht auf Fußgänger nehmen und beim Fahren auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.

ADFC: Vorhersagbar fahren.

Wie wird der Verkehr in zehn oder 15 Jahren aussehen und sich zusammensetzen - Autofahrer, Radfahrer und ÖPNV?

ADAC: Vieles deutet darauf hin, dass der sogenannte Umweltverbund aus ÖPNV, Fuß- und Radverkehr zumindest in den Großstädten weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das Auto wird aber unverzichtbarer Bestandteil des "Mobilitätsverbundes" bleiben, wobei das Konzept "Nutzen statt Besitzen" insbesondere für junge Menschen zunehmend eine Alternative zum eigenen Pkw darstellen wird.

ADFC: Weil in den Städten immer mehr Menschen leben werden, die auch häufiger und länger unterwegs sind, wird es gar nicht anders gehen: viel mehr Rad, Fuß, ÖPNV - viel weniger Privatauto. 

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Lexikon für mehr Verständnis

Von A wie Abbiegen bis Ü wie Überholen - "Wörterbuch" der Aktion "Runter vom Gas" des Verkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats übersetzt die Situationen für Radfahren und Autofahrern. extern

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