Stand: 13.06.2017 16:13 Uhr  | Archiv

Hilfe für verwaiste Seehundbabys

Ein Heuler spiegelt sich im Wasser eines Schwimmbeckens © dpa Foto: Julian Stratenschulte
Heuler "Butz" wurde im Juni 2012 in die Seehundstation in Norden-Norddeich gebracht und wird dort aufgepäppelt.

Wenn ab Ende Mai die Seehunde in der Nordsee ihre Jungen bekommen, beginnt für die beiden deutschen Seehundstationen in Friedrichskoog und in Norddeich die Hochsaison. Denn so mancher Heuler bleibt verlassen an Stränden oder Sandbänken zurück. Allein würde er den Überlebenskampf in freier Natur nicht gewinnen. Die Mitarbeiter der Seehundstationen päppeln die verwaisten Seehundbabys auf, bis sie mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm so kräftig sind, dass sie in die freie Wildbahn entlassen werden können.

Zuweilen sind auch Kegelrobbenheuler zu Gast in den Seehundstationen. Anders als Seehunde bekommen die selteneren Kegelrobben ihre Jungen nicht im Sommer, sondern im Winter. Hauptwurfzeit ist von November bis Dezember.

Die Seehundstationen sind für Besucher geöffnet. Sie können die Tiere in ihren großen Becken durch Panoramascheiben auch unter Wasser beobachten und erfahren in den angeschlossenen Ausstellungen viel Wissenswertes über die Meeressäuger.

Geburt nur bei Ebbe

Die Seehundbabys werden auf Sandbänken in der Nordsee geboren und wiegen bei ihrer Geburt zwischen sieben und 15 Kilogramm. Wenn gerade Hochwasser herrscht, kann die Seehundmutter die Geburt so lange hinauszögern, bis die Sandbänke wieder erreichbar sind. Die Seehundbabys können gleich nach der Geburt schwimmen, müssen aber auf den Sandbänken von der Mutter in den ersten Wochen regelmäßig gesäugt werden. Mit einem Fettgehalt von 45 Prozent ist die Seehundmilch extrem fetthaltig - das ist wichtig, damit das Junge schnell zunimmt und zu Kräften kommt.

Seehunde brauchen Ruhe

Das Seehundfindelkind "Herr Nilsson" in der Seehundstation in Friedrichskoog.  Foto: Angelika Warmuth
Nicht jeder einsame Heuler wurde dauerhaft von seiner Mutter verlassen.

Aus verschiedenen Gründen kann es passieren, dass das Seehundbaby von seiner Mutter getrennt wird. So kommt es bei starken Sturmfluten vor, dass das Jungtier von der Mutter abdriftet. Auch Zwillingsgeburten sind bei Seehunden problematisch: Die Mutter kann nur auf eines der Jungen aufpassen. Schwimmt das zweite in eine andere Richtung, wird es schnell von der Mutter getrennt. Manchmal ist auch der Mensch Schuld: Etwa wenn Wattwanderer den Sandbänken, auf denen die Seehunde rasten, zu nahe kommen. Dann flieht die Mutter ins Wasser, das Junge schwimmt aber womöglich in eine andere Richtung, sodass es von der Mutter getrennt wird. Jede Störung auf der Sandbank bedeutet für das Junge zugleich, dass eine Milchmahlzeit entfällt. Kommt das öfter vor, etwa auch durch die Geräusche von Flug- und Schiffsverkehr, entkräftet es schnell.

Das Heulen der Seehundbabys

Die kleinen Seehunde geben einen tiefen, heiser klingenden Ton von sich, wenn sie von ihrer Mutter getrennt sind. Diesem Ruf verdanken sie auch den Namen "Heuler". Am Ruf und am Geruch erkennt die Seehundmutter ihr Junges, etwa wenn sie es kurzzeitig zurückgelassen hat, um auf Futtersuche zu gehen. Es handelt sich also um einen normalen Kontaktruf und nicht etwa um den Klagelaut eines verlassenen Babys.

Da es zunächst nicht erkennbar ist, ob ein Heuler wirklich dauerhaft von er Mutter verlassen wurde, sollte jeder, der einen Heuler findet, zunächst großen Abstand zu dem Tier halten, mindestens 200 Meter sollten es schon sein. Auf keinen Fall dürfen die Heuler angefasst und gestreichelt werden. Der fremde Geruch führt dazu, dass die Mutter ihr Junges nicht mehr annimmt. Denn in vielen Fällen kommt die Mutter nach einiger Zeit wieder. Benachrichtigen Sie statt dessen eine Seehundstation oder die Polizei. Die entsprechenden Rufnummern hängen an Tafeln am Strand aus.

Ausflugstipp
Eine Kegelrobbe liegt in der Quarantäne der Seehundstation in Friedrichskoog. © Seehundstation Friedrichskoog e.V. Foto: Tanja Rosenberger

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.06.2017 | 19:30 Uhr

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