Stand: 21.09.2017 16:18 Uhr  | Archiv

Zu den Kirchenschätzen an der Weser radeln

von Axel Franz, NDR.de

Das Weserbergland gilt im Allgemeinen nicht als Zentrum des Christentums. An der Weser dominieren zweifelhafte Figuren wie Lügenbaron von Münchhausen und der legendäre Rattenfänger von Hameln. Aber es gibt sehenswerte Inseln des Religiösen. Auf dem Radweg "Kirchen & Klöster Entdeckertour" rund um Rinteln lassen sie sich erkunden.

Mit dem Rad zu Kirchen und Klöstern

 

Die "Kirchen & Klöster Entdeckertour" im Überblick

Länge: 38 Kilometer
Start/Ziel: Rinteln
Orte an der Strecke:
Exten, Hohenrode, Großenwieden
Wege: überwiegend kleine Straßen oder Radwege
Markierung: teilweise Zusatzschilder an Radwegweisern
Besonderheit: steiler Anstieg zur Schaumburg

Die gemütliche Tagestour beginnen Radler am besten in Rinteln, der einstigen Universitätsstadt, die auch mit der Bahn zu erreichen ist. Der Ort hat sich viel vom Charme vergangener Zeiten erhalten. Rund um den historischen Marktplatz im Zentrum stehen gepflegte Fachwerkhäuser und Bauten im typischen Stil der Weserrenaissance. Über allem thront der Turm von St. Nikolai, einer mächtigen Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Radtour führt zunächst an das Weserufer und dann auf einer kleinen Landstraße zum Doktorsee. Der Name des weitläufigen Camping- und Freizeitgeländes stammt noch aus der Zeit, als sich die Gelehrten aus Rinteln hier zum Bade trafen.

Ein beeindruckender Klosterbau

Die wuchtigen Türme zeugen von der einstigen Bedeutung des Klosters Möllenbeck.

Nach wenigen Kilometern zeichnet sich im kilometerbreiten Wesertal die Silhouette einer stattlichen Klosteranlage mit zwei Rundtürmen ab: Kloster Möllenbeck. Wer wenig später auf den Klosterhof einbiegt, steht vor einem beeindruckenden mittelalterlichen Baudenkmal. Das Kloster wurde 896 gestiftet, durchlebte Höhen und Tiefen und wurde um 1500 zu seiner heutigen Form umgestaltet. Inzwischen herrscht hier kein Klosterleben mehr. Hinter den dicken Mauern um den fast quadratischen Klosterhof wurde ein Jugendfreizeitheim eingerichtet, in dem christliche und andere nicht kommerzielle Gruppen willkommen sind.

Besucher können die Stille des Ortes unter alten Bäumen im Bier- und Kaffeegarten der angrenzenden Domäne genießen.

Zum ältesten Gotteshaus nach Exten

In Möllenbeck ist der westlichste Punkt der Radtour erreicht. Durch Wiesen und Felder geht es zunächst zurück nach Rinteln und dann weiter nach Exten. Die Kirche St. Cosmae et Damiani dort gilt als das älteste erhaltene Gotteshaus des westlichen Wesertals. Der spätromanische Bau am Ortsrand stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, nur der quadratische Turm wurde 1548 erneuert. Der Radweg nähert sich nun der Weser und führt vorbei an einem großen Baggersee, der Auenlandschaft Hohenrode. Dort soll sich die Natur wieder ausbreiten können, Vögel ungestört rasten und brüten. Die nächste sehenswerte Kirche steht in Hohenrode und gehörte bis zur Reformation zum Kloster Möllenbeck. Ihr ältester Teil stammt von 1172, später wurden der Chorraum und der Turm angebaut.

Mit der Fähre über die Weser

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Schiff statt Brücke: An der Weser verkehren noch mehrere kleine Fähren.

Nach kurzer Fahrt weist ein Schild auf die Weserfähre Großenwieden hin. Seit mehr als 400 Jahren gibt es an dieser Stelle eine Verbindung über den Fluss. Noch heute nutzt die sogenannte Gierseilfähre die Strömung der Weser, um Menschen und Fahrzeuge von Ufer zu Ufer zu bringen. Der mehr als 1.000 Jahre alte Ort Großenwieden liegt direkt am Fluss. An der Fähre trifft die "Kirchen & Klöster Entdeckertour" auf den Weserradweg. Sitzgruppen und eine Schutzhütte laden zu einer Rast ein, bevor es auf die Bergetappe der Rundfahrt geht.

Weiter Blick von Burg Schaumburg

E-Bikes im Weserbergland

Wer abseits des Weser-Radwegs im Weserbergland Fahrrad fährt, braucht einige Kondition. Einfacher lassen sich die hügeligen Strecken mit einem Elektrofahrrad bewältigen. Die sogenannten Pedelecs werden an vielen Orten im Weserbergland verliehen. Preis: etwa 20 Euro pro Tag. Online lassen sich Touren mit dem "Weserbergland Navigator" planen.

Nächstes Ziel ist nämlich Burg Schaumburg, die am östlichen Weserufer weithin sichtbar hoch über dem Tal thront. Die Auffahrt zur Burg erfordert einige Kondition, denn die kleine Straße windet sich teils in Serpentinen steil den Berg hinauf. Wer sich diesen Weg nicht zutraut, kann am Fuß des dicht bewaldeten, 225 Meter hohen Nesselberges abkürzen, verpasst aber den herrlichen Blick vom Burghof über das gesamte Wesertal.

Die erreichten Höhenmeter verlieren sich schnell bei der Abfahrt von der Burg zum Ort Schaumburg, der bereits zu Rinteln gehört. Allerdings sind es noch gut zehn Kilometer bis zum Marktplatz in der Kernstadt. Die Strecke führt erneut durch eine agrarisch geprägte Landschaft mit kleinen Orten wie Westendorf und Engern zurück ans Ufer der Weser. Kurz vor Rinteln verläuft sie direkt am Fluss auf dem Weserradweg und zweigt dann über eine Brücke in das Zentrum Rintelns ab.

Karte: Sehenswerte Orte an der Strecke
Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 23.09.2017 | 18:00 Uhr

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