Stand: 20.12.2017 11:43 Uhr  | Archiv

Wie Lübecks Arbeiter lebten

Sandbett, in das flüssiges Eisen floss, im Industriemuseum Herrenwyk. © Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk
In solche "Masselbetten" aus Sand floss das bis zu 1.200 Grad heiße, flüssige Eisen aus den Hochöfen.

Mit der Hansestadt Lübeck verbinden viele Besucher prächtige Fachwerkhäuser und wohlhabende Kaufleute. Doch es gibt auch das andere Lübeck, das Lübeck der kleinen Leute. Viele von ihnen lebten in Herrenwyk, einem Arbeiterstadtteil östlich des Zentrums an der Trave. Jobs gab es in Sichtweite: Im Hochofenwerk, das sich von 1907 an zu einem der größten Industriebetriebe der Stadt entwickelte. Heute erinnert das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk an die Hochzeit und den Niedergang des Unternehmens bis zur Pleite 1981 - und stellt dabei die Arbeiter in den Mittelpunkt.

Zurück in die 20er-Jahre

Historische Küche im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk. © Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk
Die Küche steht für den privaten Lebensbereich der Arbeiter.

Die mehr als 1.000 Beschäftigten des Hochofenwerks, in dem in drei Hochöfen Eisen produziert wurde, wohnten überwiegend in einer eigens gebauten Siedlung neben der Fabrik. Versorgen konnten sie sich in einem kleinen Werkskaufhaus, in dem jetzt das Museum untergebracht ist. Besucher fühlen sich in die Zeit um 1920/30 zurückversetzt. Neben einem Kaufmannsregal mit Papiertüten und Dosen steht eine Krämerwaage, in einer Küche hängen über dem Ofen Pfannen und Siebe an der Wand.

Die dunkle Zeit der Zwangsarbeit

Das Museum informiert auch über Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die während des Zweiten Weltkriegs im Hochofenwerk, auf Werften und in anderen Lübecker Industriebetrieben arbeiten und leiden mussten. Damit wird eine Brücke zum zweiten, kleineren Teil der Dauerausstellung geschlagen. Er befasst sich mit der Fender Werft, die 2002 als letzte der großen Lübecker Werften aufgegeben hat.

Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk

Kokerstraße 1-3
23569 Lübeck
Tel. (0451) 30 11 52

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Museums

Als Industriemuseum zeigt die Ausstellung zusätzlich viele Werkzeuge und Maschinen, Arbeitskleidung und Büroeinrichtungen aus Lübecker Fabriken, die längst dem Strukturwandel der Wirtschaft zum Opfer gefallen sind. Im Schaumagazin ist außerdem Spielzeug der vergangenen 120 Jahre zu sehen. Die meisten Exponate dürfen aus dem Regalen genommen und vorsichtig gespielt werden.

Karte: Industriemuseum Herrenwyk Lübeck
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