Stand: 18.10.2019 15:22 Uhr

Zeitzeugin im Hasbruch: die Friederiken-Eiche

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Über 1.200 Jahre hat die Friederiken-Eiche Stürmen, Kriegen und Schädlingsbefall standgehalten

Das Waldgebiet Hasbruch zwischen Delmenhorst und Oldenburg gehört zu den schönsten naturbelassenen Wäldern Norddeutschlands. Ein besonderer Schatz dieses Laubmischwaldes ist die Friederiken-Eiche. Über 30 Meter ragt ihre grüne Krone in die Höhe, der Umfang des Stammes misst über acht Meter. Sie ist mindestens 1.200 Jahre alt.

Buchen schaden der Eiche

Im Gegensatz zum ansonsten wild wuchernden Naturschutzgebiet Hasbruch steht die Friederiken-Eiche völlig frei da. Die ringsum wachsenden Buchen werden regelmäßig gekappt oder ganz entfernt. Vor einigen Jahren machte der Fraß des Eichenwicklers - einer Schmetterlingsart - den Eichen im ganzen Norden zu schaffen. Doch die uralte Eiche überstand auch dies.

Wanderweg führt zum Methusalem

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Viele Besucher gehen trotz eines Zaunes direkt an die Friederikeneiche heran. Sie verdichten den Boden und beschädigen das Wurzelwerk.

Ein Wanderweg führt nur wenige Meter an der Friederiken-Eiche vorüber. So können Besucher den Baum aus nächster Nähe betrachten. Da der Hasbruch besonders zur Buschwindröschenblüte stark frequentiert ist, kommen die Spaziergänger auf ihrem Rundgang auch an der alten Eiche vorbei. Trotz eines Zaunes und mehrerer Hinweisschilder bleiben viele Besucher nicht auf dem Weg, sondern treten ganz dicht an den Baum heran. Dadurch verdichtet sich die Erde im Wurzelbereich, was die Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinträchtigt und zu einem Absterben von Wurzelteilen führen kann - ein Problem, dass die Förster mit Sorge beobachten.

Tiere weiden im Hutewald

Dass die Friederikeneiche so lange überlebt hat, ist ohnehin ein glücklicher Zufall. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde das Gebiet als sogenannter Hutewald genutzt. Das bedeutet, dass auf dem locker bewaldeten Gelände Tiere weideten. Diese verdichteten mit ihren Hufen den Boden und fraßen Laub von den unteren Ästen. Eine Reihe alter Eichen überstand diese Beeinträchtigung durch die Weidehaltung.

Erste Altersforschung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein anderes Bewusstsein für die Natur und die Menschen wurden auf die alten Eichen im Hasbruch aufmerksam. Herzog Paul Friedrich August, der spätere Großherzog von Oldenburg, änderte Mitte des 19. Jahrhunderts die Landrechte. Förster Christian Erdmann erhielt den Auftrag, das Gebiet aufzuforsten. Die Weiderechte wurden in den Ostteil des Hasbruchs verlegt. Erdmann ließ einige der stattlichen Eichen fällen. Das Zählen der Jahresringe ergab 800 Jahre. Da der innerste Bereich der Stämme verfault war, ließen sich hier die Jahresringe nicht mehr nachzählen. Doch aufgrund des Umfangs ging Erdmann von mindestens 300 weiteren Jahren aus.

Herzogstöchter als Namensgeberinnen

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Seit über 150 Jahren sind die alten Eichen im Hasbruch Anziehungspunkt für Naturliebhaber, Künstler und Wissenschaftler.

Damit war klar: Auch die noch stehenden großen Eichen mussten über 1.000 Jahre alt sein. Drei der uralten Bäume wurden nach Töchtern des Herzogs benannt: die Friederiken-, die Amalien- und die Charlotten-Eiche. Künstler und Förster dienten als Namensgeber für weitere Baumveteranen. Durch Bilder von Hofmalern erlangten die Bäume überregionale Bekanntschaft. Für Besucher wurde bereits damals ein Wegenetz angelegt.

Friederiken-Eiche einzig Überlebende

Heute steht nur noch die Friederiken-Eiche. Ein Methusalem, die "Dicke Eiche", brannte 1927 ab, nachdem rauchende Waldarbeiter versehentlich ein Feuer gelegt hatten. Zuletzt brach 1982 die Amalien-Eiche zusammen, deren Überreste immer noch im Hasbruch liegen. Ein Rundweg durch den Wald führt an den ehemaligen Standorten vorbei. Dort geben ein Torso und Totholzreste einen Eindruck von den uralten Bäumen, die einst hier standen.

Betonplombe im Stamm

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Zwei von vier wuchtigen Hauptästen hat die Friederikeneiche bereits verloren. Der letzte fiel in den 1960er-Jahren bei einem Gewitter.

Bei den Bemühungen, die Friederiken-Eiche zu erhalten, wurden auch Fehler gemacht. 1960 entnahm man dem Stamm fauliges Holz und füllte den Hohlraum mit einer Betonplombe. Heute weiß man, dass das eher von Nachteil ist. da sich zwischen Beton und Holz die Feuchtigkeit sammelt. Bereits 1967 zeigte sich, dass die Plombe keine ideale Lösung war: Als ein Teil der Krone abbrach, löste sich auch ein Stück des Betons.

Nachzucht von Saatlingen

In einer Baumschule kümmert man sich um die Nachzucht von Saatlingen der Friederiken-Eiche. Wenn sie heranwachsen, sollen sie einen Platz in botanischen Gärten sowie an exponierten Stellen finden, an denen früher alte Eichen standen.

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