Stand: 29.07.2017 10:07 Uhr

Schwerins Märchenschloss am See

In Schwerin steht eines der bekanntesten Schlösser Deutschlands: Malerisch liegt der Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert auf einer kleinen Insel im See und wirkt mit seinen vielen Türmchen und Verzierungen fast wie ein Märchenschloss. Doch herrscht hier längst kein Fürst mehr, denn seit dem Ende der Monarchie 1918 gehört das Anwesen dem Staat. Nach der Wende in der DDR zog 1990 der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern in das Schloss ein.

So lebten die Fürsten im Schloss

Prunk aus dem 19. Jahrhundert

Sein heutiges Aussehen verdankt das Schweriner Schloss in erster Linie Umbauten im 19. Jahrhundert. In einem Teil des Gebäudes bewahrt ein Museum die einstige Pracht der adligen Besitzer. Es zeigt auf drei Etagen die fürstlichen Wohnräume und Festsäle wie den Thronsaal oder die Ahnengalerie. An den Wänden hängen kostbare Gemälde, auf den edlen Fußböden stehen Skulpturen, beides überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. In den prunkvollen Räumen dominieren Holztöne, Dunkelrot und Gold. Eine eigene Sammlung des Museums zeigt anhand von rund 380 Stücken die Geschichte des Porzellans.

Historische Kirche im neuen Schloss

Eine Besonderheit des Komplexes ist die Schlosskirche. Sie entstand bereits um 1563 als erster protestantischer Kirchenbau in Mecklenburg. Beim Umbau des Schlosses im 19. Jahrhundert wurde sie um einen Choranbau mit mehrfarbigen Glasfenstern erweitert und in das Schloss integriert. Von außen erkennen Besucher das Gotteshaus an der Nordseite des Gebäudes an dem Glockenturm und dem Choranbau.

Französische Schlösser als Vorbilder

Schlossmuseum

Schwerins herzögliche Schätze

Das Schlossmuseum bietet einen Eindruck der einstigen Pracht. Neuester Teil: die Silberkammer. mehr

Erster Hausherr des Schweriner Schlosses war 1857 Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Er hatte bedeutende Baumeister seiner Zeit unter Leitung von Hofbaurat Georg Adolph Demmler versammelt, um die üppige Residenz des Fürstenhauses errichten zu lassen. Sie schufen ein Gebäude im Stil der Neorenaissance und orientierten sich dabei unter anderem an französischen Schlössern an der Loire. Der Standort des Schlosses ist eng mit der Geschichte der Stadt Schwerin verbunden. Seit der Zeit der Slawen vor mehr als 1.000 Jahren standen dort, am Südwestufer des Schweriner Sees, verschiedene Festungen, Burgen und Schlösser.

Nachdem Großherzog Friedrich Franz IV. im Zuge der Novemberrevolution 1918 in Deutschland abgedankt hatte, beherbergte das Schloss zunächst Ausstellungen des Landesmuseums, nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Ausbildungsstätte für Erzieherinnen. Nach der Wende wurde das Gebäude jahrelang aufwändig restauriert.

Klein aber fein: Der Burggarten

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Vom oberen Gang der Orangerie reicht der Blick bis an das gegenüberliegende Ufer des Schweriner Sees.

Natürlich darf einem so repräsentativen Schloss ein entsprechender Garten nicht fehlen. Da auf der Schlossinsel nur wenig Platz war, beschränkten sich die Bauherren auf einen kleinen, aber vielfältigen Garten. Mittelpunkt des sogenannten Burggartens ist die Orangerie, die sich an die Rückseite des Schlosses anschließt. Ihre Fassade mit einer Kombination aus Glas und Eisenguss gilt europaweit als einzigartig. Vom etwas erhöht stehenden Schloss führen Wege über mehrere Treppen hinab an das Seeufer.

Der Schlossgarten ist heute ein Stadtpark

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Der Schlossgarten zeigt typische Elemente barocker Gartengestaltung.

Der größere und deutlich ältere Schlossgarten liegt auf dem Festland. Mit dem Schloss verbindet ihn eine gusseiserne Drehbrücke. Eine symmetrische barocke Grundform prägt den Garten: Eine Teichanlage in der Form eines Doppelkreuzes bildet die Achse und hält den Blick auf das Schloss frei. Der Schlossgarten wurde bereits 1633 erstmals erwähnt, um 1750 entstand der Kreuzkanal. Weitere gut 100 Jahre später legte Hofgärtner Theodor Klett, der auch den Burggarten stark beeinflusste, große Rasenflächen und Laubengänge an. Heute ist der Schlossgarten mit umliegenden Grünflächen zu einem Stadtpark verschmolzen - als Kombination aus Landschaftspark mit englischen Einflüssen und Barockgarten. Für die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin wurde er durch einen modernen Abschnitt am Wasser ergänzt.

Auf dem Weg zum Welterbe

Für die Zukunft hat die Stadt Großes vor. Sie möchte das Residenz-Ensemble mit dem Schloss weltweit bekannt machen und strebt deshalb die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO an. Bis 2019 muss der Antrag eingereicht werden, die endgültige Entscheidung der UNESCO wird vermutlich 2022 fallen.

Wie die Landschaften – das Wattenmeer, das Weserbergland oder die mecklenburgischen Seenplatte – prägen auch herausragende Bauwerke das Bild vom Norddeutschland. Sie haben identitätsstiftende Wirkung für die Menschen, die hier leben, und sind Teil ihrer Heimat. Hubertus Meyer-Burckhardt nimmt unsere Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise durch ihr Land. Er trifft Historiker und Handwerker. Durch szenische Rückblicke wird die Geschichte hinter den „Jahrhundertbauten des Nordens“ anschaulich erzählt. © NDR/Gruppe 5 Filmproduktion GmbH, honorarfrei

Jahrhundertbauten des Nordens

Unsere Geschichte

Hubertus Meyer-Burckhardt unternimmt eine abenteuerliche Forschungsreise zu spektakulären Bauwerken in Norddeutschland. Sein Credo: Steine erzählen Geschichte.

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Schloss Schwerin

Lennéstraße 1, 19053 Schwerin
Tel. (0385) 525 29 20

Schlossmuseum
Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Staatlichen Museums Schwerin

Burggarten und Schlossgarten sind jederzeit kostenlos zu besuchen.

Der Landtag bietet die Möglichkeit, seinen Teil des Schlosses und die Arbeit des Parlaments im Rahmen von Führungen kennenzulernen. Kontakt: Tel. (0385) 525 21 63

Karte: Schloss Schwerin
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordtour | 29.07.2017 | 18:00 Uhr

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