Stand: 24.08.2018 10:30 Uhr

Kloster Ebstorf: Blick auf die Welt im Mittelalter

In einer Abstellkammer des Klosters Ebstorf tauchte im 19. Jahrhundert ein ganz besonderer Schatz auf: Eine riesige mittelalterliche Weltkarte, etwa 13 Quadratmeter groß, auf 30 zusammengesetzten Pergamentblättern gemalt. Die Karte, die um das Jahr 1300 angefertigt wurde, zeigt die Welt als kreisförmige Scheibe mit Jerusalem im Zentrum.

So sahen die Menschen im Mittelalter die Welt: Jerusalem ist der Mittelpunkt und die Erde scheibenförmig.

Alle im Mittelalter bekannten Weltgegenden sind auf dem Pergament verzeichnet. Menschen, Tiere und Fabelwesen bevölkern die fernen Länder. Im Osten - ganz oben auf der Karte - findet sich sogar das Paradies. Die Karte ist ein historisches Zeugnis von unschätzbarem Wert und machte das Kloster weit über die Grenzen der Lüneburger Heide hinaus bekannt. 1943 verbrannte das Original im niedersächsischen Staatsarchiv während eines Bombenangriffs auf Hannover. Im Kloster Ebstorf ist heute eine originalgetreue Kopie zu besichtigen.

Eine fromme Legende bringt dem Kloster Wohlstand

Auf der Karte eingezeichnet ist auch Kloster Ebstorf selbst. Es war ab dem 13. Jahrhundert ein bekannter Wallfahrtsort, weil einer mittelalterlichen Legende zufolge dort mehrere Märtyrer begraben waren. Sie hatten der Überlieferung zufolge im 9. Jahrhundert in der Nähe des Ortes bei einer Schlacht gegen die Normannen den Tod gefunden. Seine Stellung als Wallfahrtsort verhalf dem Kloster im Mittelalter zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte.

Wertvolle Marienstatuen und 600 Jahre alte Glasfenster

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Blick auf den Äbtissinenflügel des Klosters. Heute ist Ebstorf ein evangelisches Damenstift.

Aus dieser Zeit stammen auch viele bedeutende Kunstschätze des Klosters. Dazu gehören die um 1400 geschaffenen Glasfenster im Kreuzgang, die um 1300 entstandene lebensgroße Statue des Heiligen Mauritius sowie mehrere Madonnenstatuen aus dem 13. und 14. Jahrhundert im Nonnenchor.

Die Klosterkirche St. Mauritius und der Kreuzgang stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und wurden im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut. Mit dem Einzug der Reformation wurde das Kloster - ebenso wie die anderen fünf Heideklöster - in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Noch heute leben dort Stiftsdamen, die auch die Besucher durch die Gebäude und zu den Kunstschätzen führen.

Spirituelles Wandern

Kloster Ebstorf

Kirchplatz 10
29574 Ebstorf
Tel. (05822) 23 04

Das Kloster ist vom 1. April bis 31. Oktober geöffnet. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Klosters.

Kloster Ebstorf liegt landschaftlich reizvoll im Tal des Flüsschens Schwienau etwa 15 Kilometer südwestlich von Bad Bevensen. Auf verschiedenen Wanderwegen lässt sich die Umgebung erkunden. So führt der etwa 4,5 Kilometer lange "Auferstehungsweg" nach Hanstedt mit seiner 1.000 Jahre alten Feldsteinkirche und der "Schöpfungsweg" auf knapp sechs Kilometern nach Melzingen. Am Wegesrand stehen Tafeln, die regionale Künstler zum jeweiligen Wegethema gestaltet haben. Ein Teilstück der "Via Scandinavica" führt von Ebstorf zum Kloster Medingen. Der uralte Pilgerweg wurder bereits vor 1.000 Jahren von Gläubigen auf dem Weg von Skandinavien nach Santiago de Compostela genutzt.

Karte: Ebstorf

Dieses Thema im Programm:

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