Stand: 07.09.2018 11:06 Uhr

Wo die Kaiser auf Usedom Urlaub machten

Die schöne Bäderarchitektur - hier ein Hotel in Bansin - kennzeichnet die drei Kaiserbäder.

Feiner Sandstrand, ein ruhiges Hinterland und eine der sonnigsten Lagen Deutschlands: Diese Vorzüge Usedoms wussten bereits die deutschen Kaiser, der Adel und das wohlhabende Bürgertum zu schätzen. Noch heute tragen die drei Seebäder Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck den Beinamen "Kaiserbäder". Ihre bis zu 60 Meter breiten und kilometerlangen Bilderbuch-Strände sind selbst im Hochsommer nie überfüllt. Vielleicht ein Vorteil ihrer Lage ganz im Nordosten der Republik. Eine Besonderheit ist die lange Strandpromenade - die längste in Europa: Auf zwölf Kilometern verbindet sie die Kaiserbäder untereinander und führt weiter nach Osten bis ins polnische Swinemünde.

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Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus den kleinen Fischerdörfern mondäne Seebäder, in denen Fürsten und Adlige ihren Sommerurlaub verbrachten. Davon zeugt die schöne Bäderarchitektur, die alle drei Orte prägt. In den liebevoll restaurierten weißen Villen, einst von Adligen und reichen Berliner Stadtbewohnern als Sommerresidenzen erbaut, sind heute neben Geschäften meist Ferienwohnungen untergebracht.

Das mondäne Ostseeheilbad Heringsdorf

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Alte Villen, Parks, der lange Strand und die Seebrücke sind charakteristisch für Heringsdorf.

Prachtvolle alte Villen, umgeben von großzügigen Parkanlagen mit alten Bäumen, prägen Heringsdorf, das älteste und bekannteste Seebad Usedoms. Viele der Villen grenzen direkt an die Strandpromenade. Heringsdorfs Wahrzeichen ist die 508 Meter lange Seebrücke, die längste Deutschlands. Sie beherbergt Cafés, Geschäfte und Ferienwohnungen. Am Brückenkopf befindet sich eine gläserne Pyramide, in der ein Restaurant untergebracht ist. Der heutige Brückenbau stammt aus dem Jahr 1995 - die ursprünglich hölzerne Anlage vom Ende des 19. Jahrhunderts war in den 1950er-Jahren abgebrannt.

Urlaubsort der Reichen und Künstler

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Die klassizistische Villa Oechsler zählt zu den schönsten Gebäuden in Heringsdorf.

Im 19. Jahrhundert entdeckten Adlige und wohlhabende Bürger den Ort als Ziel für ihre Sommerfrische. Prachtbauten wie die Villa Oechsler oder die Villa Oppenheim, wo einst der Künstler Lyonel Feininger residierte, zeugen noch heute davon. Auch viele weitere Künstler zog es an die Küste. Im "Nizza des Ostens" trafen sich Persönlichkeiten wie Theodor Fontane, Maxim Gorki und Leo Tolstoi. Zwischen 1895 und 1913 war auch Kaiser Wilhelm II. regelmäßig in Heringsdorf zu Gast.

Seine Beliebtheit verdankte Heringsdorf dabei auch der guten Eisenbahnverbindung nach Berlin. Durch sie rückte das Seebad der Hauptstadt so nahe, dass die Berliner es "fast schon als Ausflugsort zu betrachten anfingen", notierte der Schriftsteller Victor Klemperer in seinen Tagebüchern.

Ahlbeck mit historischer Seebrücke

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In Ahlbeck steht die älteste noch erhaltene historische Seebrücke Deutschlands.

Das benachbarte Ahlbeck, das östlichste der drei Kaiserbäder, blickt ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurück.

Ein Markenzeichen Ahlbecks ist der dreieinhalb Kilometer lange und bis zu 70 Meter breite, flach ins Meer abfallende weiße Sandstrand. Eine weitere Attraktion ist die Seebrücke: Sie ist die älteste noch erhaltene Deutschlands und stammt aus dem Jahr 1882. 1898 wurde ein Seesteg mit Schiffsanleger hinzugefügt. Seit 1986 steht die Seebrücke, die schon mehrfach als Kulisse für Film- und Fernsehaufnahmen diente, unter Denkmalschutz.

Die charakteristische Bäderarchitektur mit ihren weißen Villen prägt Ahlbeck ebenso wie Heringsdorf. Allerdings zog Ahlbeck als Badeort neben wohlhabenden auch weniger betuchte Urlauber an. 1907 hatte es schon mehr als 16.000 Gäste. Ab 1930 nahm der Ort mit seinen Villen und Mietshäusern städtischen Charakter an. Doch auch prominente Gäste wussten das Flair des Seebads zu schätzen: So beherbergte der "Ahlbecker Hof", eines der bekanntesten Häuser des Ortes, unter anderem den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. und die schwedische Königin Silvia. Ahlbeck ist noch heute der größte Badeort auf Usedom.

Das kleine Bansin mit Strandpromenade

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Von Bansin führt eine Strandpromenade über zwölf Kilometer bis ins polnische Swinemünde.

Besonderheit Bansins, des jüngsten und kleinsten der "Drei Kaiserlichen", ist die schöne Lage. Direkt hinter dem Ort beginnt die Steilküste des Langenbergs mit seinem Buchenwald. Im Süden grenzt Bansin an den Gothen- und den Krebssee. Sie bieten sich als Ausflugsziele für Rundwanderungen und Radtouren in die Umgebung an. Besonders schön ist ein Spaziergang auf der Strandpromenade in Richtung Heringsdorf und Ahlbeck, da bei Bansin weder Häuser noch Bäume den freien Meerblick verstellen.

Auch in Bansin reihen sich schmucke Villen und Hotels aneinander. Anders als in Ahlbeck und Heringsdorf ist die 285 Meter lange Seebrücke eher schlicht gehalten. Sie besitzt weder Brücken- noch Landgebäude und dient allein als Flaniermeile und Anlegeplatz für Ausflugsschiffe. Gegründet wurde das Seebad Bansin 1897, als die Badekultur immer mehr Gäste nach Usedom lockte.

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