Stand: 10.05.2019 09:59 Uhr  | Archiv

Sprengel: Ein Museum der Moderne erleben

Eine Skulptur vor dem Eingangsbereich des Sprengel Museums in Hannover. © NDR Foto: Axel Franz
Die Aluminiumskulptur "Another Twister (João)" der US-Künstlerin Alice Aycock empfängt Besucher vor dem Eingang.

Am Nordufer des beliebten Naherholungsgebietes am Maschsee in Hannover, liegt ein Tempel der Kunst - das Sprengel Museum. Es gilt als eines der bedeutendsten Zentren moderner Kunst in Deutschland und genießt internationales Ansehen: Weltweit bietet es die größten Sammlungen von Max Ernst und Kurt Schwitters, die zweitgrößte Paul-Klee-Sammlung und immerhin 400 Werke von Pablo Picasso. Insgesamt umfasst die Sammlung des Museums mehr als 40.000 Werke. In diesem Jahr feiert das Sprengel Museum sein 40. Jubiläum unter anderem mit der Sonderausstellung "ELEMENTARTEILE".

Aktuelle Künstler vertreten

Auch die Kunst nach 1960 ist ausführlich vertreten, unter anderem mit Bruce Nauman, Gerhard Richter und Georg Baselitz. Eine Sonderstellung widmet sich zudem der Künstlerin Niki de Saint Phalle, die der Stadt Hannover und dem Sprengel Museum im Jahr 2000 einen Großteil ihrer Werke überlassen hat.

Werke von Marc, Macke und Nolde

In der untersten Etage ist die "Klassische Moderne" zu bewundern. Meisterwerke der Kunstgeschichte von Kandinsky und Franz Marc hängen hier genauso wie August Macke und der Farbenkünstler Emil Nolde. Die Bilder sind nicht nur für Kunstkenner ein Genuss.

Eindrücke der Großstadt und neue Reize

Ausschnitt aus dem Bild La Strada entra nella casa (Die Strasse dringt ins Haus) von Umberto Boccioni, im Sprengel Museum Hannover © Sprengel Museum Hannover Foto: Herling / Gwose, Sprengel Museum Hannover
Das etwa einen Quadratmeter große Ölbild "La Strada entra nella casa" gehört zu den spektakulärsten Werken der Ausstellung.

Bemerkenswert und einer der wertvollsten Schätze der Sammlung ist das Meisterwerk von Umberto Boccioni, "Lärm der Straße dringt ins Haus" von 1911, ein Schlüsselwerk des italienischen Futurismus. Erstmalig versuchten die Künstler zu dieser Zeit, alles gleichzeitig im Bild einzufangen: den Lärm der Großstadt und die Reizüberflutung durch Sinneseindrücke. Zeit, Ort, Form, Farbe und Ton laufen simultan in nur einem einzigen Bild zusammen. Im Werk Boccionis befindet sich im Zentrum des Bildes das Ohr einer Frau, durch das der Lärm der Großstadt dringt. Die sogenannten Bildsprachen waren in der klassischen Moderne unabkömmliches Ausdrucksmittel.

Erste begehbare Collage der Kunstgeschichte

Eine Besucherin geht durch den Nachbau des Merzbau des Künstlers Kurt Schwitters im Sprengel Museum in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen
Der "Merzbau" - hier eine Besucherin im Nachbau im Sprengel Museum - ist eines der spektakulärsten Schwitters-Werke.

Auch der Künstler Kurt Schwitters, ein Sohn der Stadt Hannover, fand seine eigene Form des Ausdrucks und beeinflusste damit nachhaltig die Kunstszene. Mit seinem "Merzbau", der ersten begehbaren Collage der Kunstgeschichte, hebelte er alle herkömmlichen Sichtweisen aus: Schwitters stellte die übliche Architektur in Frage und veranlasste die Menschen, alles mit anderen Augen zu sehen. Statt eines Raumes mit vier glatten Wänden baute er einen fantasievoll verwinkelten Raum mit Nischen, Ecken, Kanten und Spiegeln, um den Geist lebendig zu halten. Das Original wurde im Zweiten Weltkrieg in Schwitters Haus in Hannover zerstört, das Museum zeigt einen Nachbau.

Bei vielen Besuchern löst Schwitters Atelier Staunen und die Frage aus: Warum sehen Räume eigentlich immer so langweilig aus?

Mehr Platz im Erweiterungsbau

Blick in den Calder-Saal des Sprengel Museums Hannover © NDR Foto: Inga Mathwig
Der Calder-Saal verbindet Alt- und Neubau und dient auch als Veranstaltungsraum.

Die Frage, wie Räume aussehen sollen, musste das Sprengel Museum jüngst auch für sich selbst beantworten: Es erhielt einen 75 Meter langen und 14 Meter hohen Erweiterungsbau, der die Ausstellungsfläche um 1.400 auf rund 6.650 Quadratmeter vergrößert. Den alten und den neuen Gebäudeteil verbindet eine zweigeschossige Halle mit einer großen spiralförmigen Rampe, die im unteren Teil zur Treppe wird. Aus verglasten Logien des sonst fensterlosen neuen Gebäudes können Besucher auf den benachbarten Maschsee blicken.

Debatte über die Fassade

Fassade des Anbau am Sprengel Museums in Hannover © NDR Foto: Axel Franz
Umstrittene Museums-Architektur: Die dunkle Fassade sorgt für Gesprächsstoff.

Die dunkle Beton-Fassade führte in Hannover zu heftigen Diskussionen über die äußere Gestaltung des Anbaus. Er steht optisch im Kontrast zur weißen Hülle des alten, 1979 eröffneten Museumsgebäudes. Entworfen hat den Erweiterungsbau das Züricher Architekturbüro "Meili + Peter". Rund 28,5 Millionen Euro sollte er ursprünglich kosten, am Ende waren es mehr als 35 Millionen. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 2012, drei Jahre später wurde der Anbau erstmals für das Publikum geöffnet.

2017 kürte deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA das Sprengel Museum zum "Museum des Jahres".

Weitere Informationen
Der Calder-Saal im Sprengel Museum Hannover © Herling Gwose Werner / Sprengel Museum Foto: Herling Gwose Werner

Blaue Stunde im Sprengel Museum

Eine "Blaue Stunde" lang widmen sich Musiker der NDR Radiophilharmonie, ein Schauspieler und das Sprengel Museum jeweils einem Thema: Im Fokus steht ein Kunstwerk des Sprengel Museums. mehr

Stadtporträt
Das Hauptgebäude der Leibniz Universität © HMTG Foto: Isabell Adolf

Hannover: Grüne Vielfalt statt grauer Einfalt

Die historischen Herrenhäuser Gärten, moderne Architektur in der City und ein Museum mit 400 Werken von Picasso: Hannover zeigt sich vielfältig, bunt und lebenswert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.11.2019 | 06:40 Uhr

Personen gehen unter gelbgefärbtem Bäumen im Wald © Colourbox

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