Stand: 06.07.2020 16:33 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Marienburg: Das Märchenschloss der Welfen

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Das Schloss thront auf dem 135 Meter hohem Marienberg 20 Kilometer südlich von Hannover.

"Es war einmal ein König, der schenkte seiner Vermählten ein Schloss mit 160 Zimmern, 30 Meter hohen Aussichtstürmen, einer Kapelle und Stallungen." Genau so beginnt die Geschichte von Schloss Marienburg. Dabei handelt es sich nicht um ein Märchen, das Schloss gibt es wirklich. Wer von Süden in Richtung Hannover fährt, sieht es schon von Weitem auf einem dicht bewaldeten Berg stehen.

Heute ist das pittoreske Gebäude im Calenberger Land ein Museum mit prunkvollen Räumen und einer prachtvollen Bibliothek. Besucher können das Innere des Schlosses bei einer knapp einstündigen Führung oder verschiedenen Themenführungen besichtigen. Zu sehen bekommen sie historisches Mobiliar, Gemälde und kunsthistorische Raritäten aus dem Besitz der königlichen Welfenfamilie.

Ein Geschenk König Georg V. an seine Frau Marie

Schloss Marienburg gilt als eines der bedeutendsten neugotischen Baudenkmäler in Deutschland. Es steht 20 Kilometer südlich von Hannover bei Nordstemmen und bildet ein Ensemble mit dem Bahnhof des kleinen Ortes, der einst als königlicher Bahnhof für das Schloss ausgebaut wurde.

Erbaut wurde die Marienburg zwischen 1858 und 1867. Georg V. (1819-1878), König von Hannover, hatte seiner Frau Marie zu ihrem 39. Geburtstag ein Schloss als Sommersitz geschenkt - zunächst aber nur das Gelände. Königin Marie machte bei der Bauplanung die entscheidenden Vorgaben. Anfangs stand ihr der Gründer der Hannoverschen Architektenschule, Conrad Wilhelm Hase, zur Seite. Hase arbeitete sieben Jahre am Schlossbau mit, wurde 1864 aber nach Unstimmigkeiten mit der Bauleitung entlassen. Als Nachfolger stellte Marie Edwin Oppeler ein, einen Schüler Hases. Der bestehende Bau wurde dann um einen Rittersaal mit Fußbodenheizung und eine Schlossküche mit fließend warmem Wasser ergänzt.

Königspaar konnte Schloss kaum nutzen

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König Georg V. versuchte Zeit seines Lebens seine Blindheit in der Öffentlichkeit zu verbergen

König Georg V. hinterließ indes kaum Spuren auf der Marienburg. Er konnte die beeindruckende Anlage nie sehen, denn er war seit seiner Kindheit blind. Damit er die Burg ertasten konnte, wurde ihm ein Korkmodell gebastelt. Noch bevor das Schloss fertig gebaut war, annektierte Preußen 1866 das Königreich Hannover. Georg V. flüchtete mit Sohn Ernst August und Tochter Frederike ins Exil nach Österreich. Marie konnte sich nicht von ihrem Märchenschloss trennen und zog mit Tochter Mary und einem 40-köpfigen Hofstaat in die Marienburg ein. Doch der Aufenthalt der beiden dauerte nicht einmal ein Jahr. Im Juli 1867 folgten Marie und ihre Tochter dem König nach Österreich.

Marienburg erst 1945 wieder bewohnt

Geschichte

Das deutsch-britische Herrscherhaus der Welfen

Im 18. und 19. Jahrhundert standen die Welfen an der Spitze eines Weltreichs. mehr

Danach war das Schloss fast 80 Jahre unbewohnt. Das änderte sich erst, als Erbprinz Ernst August III. mit seiner Frau Viktoria Luise und seinen Kindern 1945 in die Marienburg einzog. Die Familie war vor heranrückenden sowjetischen Truppen aus Schloss Blankenburg geflohen. Im Jahr 1965 verließ Viktoria Luise die Marienburg. Seidem wird das "Neuschwanstein des Nordens" von der königlichen Familie nicht mehr als Wohnsitz genutzt. 2004 überschrieb Welfen-Chef Prinz Ernst August von Hannover seinem gleichnamigen Sohn das Anwesen.

Kunstschätze unter dem Hammer

Im Oktober 2005 ließen die Welfen einen Großteil der Kunstschätze der Marienburg versteigern - etwa 20.000 Objekte. Der Erlös betrug rund 44 Millionen Euro. Die Auktion stieß teils auf heftige Kritik. "Alles in allem hat auf der Marienburg ein Ausverkauf der Welfen- wie der Landesgeschichte stattgefunden", sagte Waldemar R. Röhrbein, früherer Leiter des Historischen Museums in Hannover. Das neue Nutzungskonzept für das Schloss ruht nun auf vier Säulen: Museumsbetrieb, Gastronomie, Vermietung für Privatfeiern und Veranstaltungen.

Eine Goldikone mit heiligen Demetrios aus dem Welfenschatz © picture-alliance/ dpa Foto: Alina Novopashina

Erbe der Welfen unter dem Hammer

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 5. Oktober 2005 wurde der Welfenschatz auf Schloss Marienburg von Sothebys versteigert - beziehungsweise das, was nach Verkäufen in den 1920er-Jahren noch übrig war.

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Panoramablick aus 44 Metern Höhe

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Der Turm bietet einen weiten Blick über das Umland.

Die früheren Pferdestallungen und die Kutschenremise wurden zu einem Restaurant umgestaltet. Der Hauptturm von Schloss Marienburg ist während der Saison im Zuge einer Führung für Besucher geöffnet. Aus 44 Metern Höhe bietet sich ein weiter Ausblick in das gesamte Umland. Zu sehen sind unter anderem das Leinetal, die Sieben Berge und der Hildesheimer Dom.

Konzerte und Hochzeiten

Auf Schloss Marienburg finden während der Saison zudem verschiedene Konzerte, Theateraufführungen und Kleinkunstveranstaltungen statt. In der romantischen Schlosskapelle können sich Hochzeitspaare das Ja-Wort geben. Die Kapelle, die nach dem Vorbild der Sainte Chapelle in Paris gebaut wurde, steht auch für Taufen und weitere Gottesdienste zur Verfügung.

Das Land Niedersachsen investiert

Schloss Marienburg

Schlossverwaltung
Marienberg 1, 30982 Pattensen
Tel. (05069) 34 80 00

Die Innenräume können besichtigt werden.

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Webseite des Schlosses

Doch das alles reicht offenbar nicht, um das Schloss dauerhaft zu erhalten. Das alte Gemäuer benötigt immer wieder teure Sanierungen. 2018 erklärt das Welfenhaus, es könne die Kosten nicht länger tragen. Schließlich wurde das Schloss und die Einrichtung in die neue Stiftung Schloss Marienburg überführt, an der auch das Land Niedersachsen beteiligt ist. Im Gegenzug soll in den kommenden Jahren viel öffentliches Geld von Land und Bund in die Sanierung gesteckt werden. Eine erste Berechnung ging 2018 von mindestens 27 Millionen Euro aus.

Karte: Marienburg bei Hildesheim
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Am 27. Mai 1819 wird Georg V. geboren. Sein Königreich Hannover wurde 1866 von Preußen annektiert. Der blinde König setzte nie wieder einen Fuß hinein. Audio (14:55 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 07.07.2020 | 13:50 Uhr

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