Stand: 03.11.2017 11:23 Uhr

Friedhof Ohlsdorf: Hamburgs stille Oase

von Irene Altenmüller, NDR.de

Ort der Besinnung und der Stille, des kulturellen Reichtums und der Begegnung mit der Vergangenheit: Der Parkfriedhof Ohlsdorf im Norden Hamburgs ist eine Grünanlage, die zu den bemerkenswertesten Deutschlands zählt. Dichter, Musiker und Schauspieler fanden hier ebenso ihre letzte Ruhestätte wie Soldaten, Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie unzählige Namenlose. Imposante Mausoleen und repräsentative Grabanlagen zeugen vom Reichtum hanseatischer Kaufleute, Gedenksteine und Mahnmale von Zeiten des Schreckens. Mit 391 Hektar Fläche - so viel wie 566 Fußballfelder - ist der Ohlsdorfer Friedhof der größte Parkfriedhof der Welt.

Engelskulptur auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Spaziergang über den Friedhof Ohlsdorf

Nordtour -

Die Wanderung "Friedhofsgeflüster" führt bei Dämmerung über den Friedhof Ohlsdorf. Im schwindenden Licht geht es auf leichte Art um das Thema Tod und Sterben.

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Paradiesgarten für die Toten, Erholungsraum für die Lebenden

Führung "Friedhofsgeflüster"

Abendliche Rundgänge in der Dämmerung oder im Dunkeln über den Friedhof bietet die Kunsthistorikerin Anja Kretschmer an. Dabei erzählt sie von Sitten und Aberglauben unserer Vorfahren rund um das Thema Sterben. Führungen finden außer in Ohlsdorf unter anderem in Kiel, Lübeck, Bad Oldesloe, Osnabrück, Rostock, Stralsund, Wismar und Greifswald statt.

Der Friedhof als romantischer Landschaftsgarten mit geschwungenen Wegen, Hügeln und Teichen - ein Erholungsraum für die Lebenden und nicht allein eine Ruhestätte der Toten: Nach dieser Idee legte der Architekt und erste Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes den ersten Teil des Parkfriedhofs an. Jeder Verstorbene sollte dort in seinem Grab wie in einem eigenen kleinen Paradiesgarten ruhen.

1877: Der neue Friedhof öffnet

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Als Hamburg einen Friedhof in Ohlsdorf bekam

Landschaftspark statt Totenstadt: Vor 140 Jahren eröffnet in Hamburg-Ohlsdorf ein moderner Friedhof - mit Einzelgräbern auch für Arme. mehr

Am 1. Juli 1877 wird der Friedhof feierlich eröffnet. Ab 1882 werden die kirchlichen Friedhöfe, die bereits seit 1812 aus hygienischen Gründen außerhalb der Stadt lagen, nach und nach geschlossen. Für die kommenden Jahrzehnte ist Ohlsdorf der einzige Begräbnisplatz Hamburgs. Schon bald entstehen erste repräsentative Grabstätten und Mausoleen reicher Hamburger Reeder, Kaufleute und Architekten. Nahe dem Haupteingang wird von 1896 bis 1905 ein Ehrenfriedhof in Form eines Barockgartens mit Treppenanlage und hoch aufragender Christusfigur angelegt, auf dem verdiente Hamburger Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe finden sollen. Verschiedene Bürgermeister und Kaufleute, aber auch Künstler wie Philipp Otto Runge oder die Schauspieler Gustav Gründgens und Ida Ehre sind in diesem Parkteil, der heute "Althamburgischer Gedächtnisfriedhof" heißt, bestattet.

Klare Linien und gleichförmige Grabanlagen - Otto Linnes Ansatz

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25 Bilder

Entdeckungstour über den Ohlsdorfer Friedhof

Melancholische Skulpturen und berührende Mahnmale, romantische Teiche und stille Pfade - ein Spaziergang über den Ohlsdorfer Friedhof. Bildergalerie

1919 übernimmt Otto Linne das Amt des Friedhofsdirektors. Sein gestalterischer Ansatz unterscheidet sich stark von Wilhelm Cordes' landschaftsromantischen Vorstellungen. Linne favorisiert klare Linien und geometrische Formen. Hecken und Baumreihen trennen die gartenartigen Grabquartiere voneinander ab. Große, repräsentative Grabstätten und Mausoleen, wie sie im Cordes-Teil vorkommen, sind als Zeugnisse sozialer Unterschiede nun unerwünscht und deshalb im sogenannten Linne-Teil des Friedhofs nicht zu finden.

Einen separaten Eingang an der Ilandkoppel besitzt der jüdische Friedhof. Gegenüber der großen Trauerhalle aus dem 19. Jahrhundert befindet sich ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Oktober 2016 kam ein Friedhof für die reformjüdische Gemeinde Hamburgs dazu.

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 05.11.2017 | 18:00 Uhr

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