Stand: 09.09.2017 10:26 Uhr

Emsland: Grüne Städte mit Tradition

Die Orte des Emslands sind beschaulich. Lingen mit 52.000 Einwohnern sowie Papenburg und Meppen mit jeweils rund 34.000 Bewohnern sind die größten Städte. Lebendige Orte mit langer Tradition, aber ohne die Hektik von Großstädten.

Lingen: Stadt der "Kivelinge"

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Vom Turm des Lingener Rathauses erklingt drei Mal am Tag ein Glockenspiel.

Wer die malerische Altstadt von Lingen besucht, findet viele historische Gebäude: Kleine giebelständische Fachwerkhäuser und Backsteinbauten prägen das Bild. Am Marktplatz steht das alte Rathaus von 1555. Aus seinem Turm erklingt drei Mal am Tag ein Glockenspiel, und eine hübsch verzierte Figurengruppe führt einen Reigen vor. Die Stadt hat eine bewegte tausendjährige Geschichte. Fast 200 Jahre stand Lingen unter niederländischer Herrschaft, deren Einflüsse noch sichtbar sind. Die Herrscher des Hauses Nassau und Oranien ließen einige wichtige Gebäude errichten. Dazu gehören die Kreuzkirche und die Universität, die Ende des 17. Jahrhunderts mit den vier klassischen Fakultäten Theologie, Jurisprudenz, Philosophie und Medizin gegründet wurde. Heute hat die Fachhochschule Osnabrück einen Standort in Lingen. Die Außenbezirke der größten Stadt im Emsland wirken ländlich: Gepflegte Einfamilienhäuser mit großzügigen Grundstücken prägen das Bild.

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Der Festumzug ist einer der Höhepunkte des Kivelingsfestes.

Für Touristen lohnt sich der Besuch des traditionellen Kivelingsfestes. Dann verwandelt sich die Innenstadt in einen mittelalterlichen Markt. Die Bezeichnung "Kiveling" stammt aus dem Mitteldeutschen und bedeutet "kleiner Kämpfer". "Kivelinge" sind die unverheirateten Bürgersöhne der Stadt, die vor mehr als 630 Jahren Lingen auf den Wällen der Festung erfolgreich verteidigt haben und sich 1372 im Junggesellenverein organisierten. Zur Belohnung für den erfolgreichen Kampf erhielten sie vom damaligen Magistrat das Recht, alle drei Jahre ein rauschendes Fest zu feiern. Bisher soll diese Tradition nie unterbrochen worden sein. Die ledigen Bürgersöhne Lingens pflegen auch heute noch ihr Beisammensein und ihre Lokaltradition mit viel Sorgfalt fürs Detail. Nächster Termin für das Kivelingsfest: Pfingsten 2020.

Auch sonst ist Lingen stolz auf ihr breites Kulturangebot. Im städtischen Theater an der Wilhelmshöhe finden rund 100 Veranstaltungen pro Jahr statt. Das Emslandmuseum zeigt die Geschichte der Stadt, die Jugend trifft sich im Kulturzentrum Alter Schlachthof und für Großveranstaltungen bieten sich die Emslandhallen an.

Segeln auf dem Geester See

Wenige Kilometer nördlich von Lingen liegt der Geester See, ein beliebtes Ziel für Wassersportler. Das 180 Hektar große, als Speichersee angelegte Gewässer, hat einen Umfang von sechs Kilometern und ist ideal zum Segeln. Auch Surfer schätzen den See wegen seiner Windsicherheit. Weil er etwa 15 Meter über dem Umland liegt, weht der Wind hier meist auch, wenn im Emsland Flaute herrscht.

Meppen: Stadt des Wassers

Die Kreisstadt des Emslandes, Meppen, ist die Stadt des Wassers. Hase, Nordradde und der Dortmund-Ems-Kanal erreichen hier die Ems. Das grüne Umland mit ausgedehnten Wäldern, Altarmen der Flüsse und Naturschutzgebieten besitzt hohen Freizeitwert. Wassersportler und Radler fühlen sich hier besonders wohl. Wer es bequemer mag, fährt mit dem historischen Dampfzug durch das Hasetal. Auch in der Stadt gibt es zahlreiche idyllische Plätze zum Entspannen.

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Die Fußgängerzone um das Rathaus ist ein beliebter Treffpunkt in Meppen.

Meppen blickt auf eine lange Geschichte zurück, wurde 834 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1360 die Stadtrechte. Noch heute umschließt der Festungswall mit Graben aus dieser Zeit die Altstadt und ihre historischen Gebäude. Wahrzeichen ist das Rathaus, dessen Untergeschoss 1408 aus mächtigen Findlingen errichtet wurde. Erst knapp 200 Jahre später entstanden die oberen Stockwerke und der charakteristische Renaissance-Erker mit dem Vorbau auf vier Säulen. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die spätgotische Probsteikirche, das Stadthaus und die Arenbergische Rentei, ein altes Kaufmannshaus im klassizistischen Baustil, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist.

Papenburg: Luxusliner und zahlreiche Kanäle

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Die Papenburger Meyer Werft baut riesige Kreuzfahrtschiffe.

Ganz im Norden des Emslands, an der "Grenze" zu Ostfriesland, liegt Papenburg. Vor allem die Meyer Werft hat die Stadt bekannt gemacht: Tausende Schaulustige beobachten regelmäßig, wie Kreuzfahrt-Riesen die Werft verlassen. Die gigantischen Schiffe entstehen in den bis zu 500 Meter langen Trockendocks der Werft und werden nach dem Stapellauf in nervenaufreibender Zentimeterarbeit über die schmale Ems an die Nordsee manövriert.

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Auf dem Hauptkanal nahe dem Rathaus liegt die Brigg "Friederike von Papenburg".

Die Schiffbau-Tradition in Papenburgs reicht weit zurück. Seefahrer erreichten mit ihren kleinen Schiffen wie Tjalk, Schoner und Brigg andere Orte. Aus der unbedeutenden Torfgräber-Kolonie entwickelte sich eine Stadt mit weltweiten Handelskontakten. Heute durchziehen mehr als 40 Kilometer Binnenkanäle Papenburg bis ins Zentrum und sorgen für maritimes Flair. Prächtige Segelschiffe aus dem 18. und 19. Jahrhundert liegen fest verankert auf dem Wasser. So ist die Brigg "Friederike von Papenburg" auf dem Hauptkanal zwischen Rathaus und der dreischiffigen Hallenkirche St. Antonius ein beliebtes Fotomotiv. Zahlreiche malerische Dreh- und Klappbrücken verbinden die Kanal-Ufer.

Stadtporträt

Papenburg - das Venedig des Nordens

Unzählige Kanäle durchziehen die hübsche Stadt Papenburg im Emsland. Am Hauptkanal liegen mehrere historische Schiffe und viele Cafés und Restaurants - eine ideale Bummelmeile. mehr

Haren: Die Schifferstadt

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Schifffahrt spielt in Haren eine wichtige Rolle. Die Kuppel der Sankt-Martinus-Kirche (im Hintergrund) überragt den Ort.

Im Zentrum des Emslandes liegt Haren, ein staatlich anerkannter Erholungsort mit rund 23.000 Einwohnern. Die Schifffahrt spielte und spielt hier eine große Rolle. Im Freilicht-Schifffahrtsmuseum können Besucher unter anderem Nachbauten original Harener Schiffstypen bestaunen. Haren ist heute noch Sitz von 23 Reedereien, für die weltweit insgesamt fast 300 Seeschiffe fahren. Knapp 50 Harener Binnenschiffe sind innerhalb Europas unterwegs. Damit ist die Stadt nach Hamburg und Leer drittgrößter Reederei-Standort Deutschlands. Wahrzeichen der Stadt ist die Sankt-Martinus-Kirche. Die Bewohner der Region nennen sie wegen ihrer imposanten Form mit einer 55 Meter hohen Kuppel auch "Emsland-Dom".

Haselünne: Schnaps mit Tradition

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Stattliche Gebäude zeugen vom einstigen Wohlstand Haselünnes.

Haselünne ist die älteste Stadt im Emsland und bekannt für ihre hochprozentigen Korn-Produkte. Stadtrechte erhielt der Ort um 1220. Im 14. Jahrhundert wurde Haselünne sogar Hansestadt. Da die Wasserqualität immer sehr gut war, entwickelte sich der Ort schon früh zum Zentrum für die Herstellung alkoholischer Getränke. Im 18. Jahrhundert gab es 50 Bierbrauereien und 26 Kornbrennereien. Heute bestehen im Zentrum noch drei aktive Brennereien. Besucher erfahren dort alles über die Produktion des Schnapses. Wer sich für die Geschichte und Hintergründe der Kornbrennerei interessiert, kann sich im Brennereimuseum ausführlich informieren. Alte Geräte und Fotos dokumentieren die Tradition des Kornbrennens. Durch große Glasscheiben können Besucher einen Blick auf die modernen Destillations-Anlagen der Brennerei werfen.

Karte: Emsland und Grafschaft Bentheim
Urlaubsziel Emsland

Das Emsland: Moore, Flüsse und Wiesen

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Dieses Thema im Programm:

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