VIDEO: Schwebefähre: Auf dem Nord-Ostsee-Kanal nach Rendsburg (1 Min)

Rendsburgs Schwebefähre kreuzt bald wieder Nord-Ostsee-Kanal

Stand: 03.09.2021 16:03 Uhr

Die Rendsburger Eisenbahn-Hochbrücke gilt als herausragendes Industriedenkmal. Eine Besonderheit ist die Schwebefähre. Nachdem sie 2016 schwer beschädigt wurde, wird derzeit eine Ersatzfähre montiert.

Wer mit der Eisenbahn zwischen Hamburg und Flensburg unterwegs ist, überquert bei Rendsburg den Nord-Ostsee-Kanal - auf einer spektakulären Hochbrücke. Die Stahlkonstruktion des Ingenieurs Friedrich Voss entstand zwischen 1911 und 1913. Mit fast 2,5 Kilometern Länge und 68 Metern Höhe zählt sie zu den größten Brücken Europas.

Blick auf die die Eisenbahnhochbrücke mit der Schwebefähre aus dem Jahr 1913 © NDR Foto: Dennis Brandau
Von fast jedem Punkt aus haben Spaziergänger einen beeindruckenden Blick auf das Wahrzeichen Rendsburgs: die Eisenbahnhochbrücke.

Schon die "Eiserne Lady" selbst ist ein beeindruckendes Baudenkmal. Doch die dazugehörige Schwebefähre macht sie zu etwas Außergewöhnlichem. Doch die Fähre ist nach einem Unfall bis auf Weiteres außer Betrieb. Sie war Anfang 2016 mit einem Frachter zusammengestoßen und dabei so schwer beschädigt worden, dass sie abgehängt werden musste. Eine Reparatur war nicht möglich, daher wurde für 13 Millionen Euro eine Ersatzfähre gebaut. Sie kam im September 2021 in Rendsburg an und wird derzeit montiert.

Ein Bauwerk der Extraklasse

Die zweispurige Eisenbahnhochbrücke ersetzte 1913 zwei einspurige Drehbrücken, die einer Verbreiterung des Nord-Ostsee-Kanals im Weg standen. 42 Meter Durchfahrtshöhe für Schiffe waren von anderen Brücken am Kanal vorgegeben. Die größte Herausforderung für die Planer bestand darin, die Züge mit geringer Steigung auf die Hauptbrücke über dem Kanal fahren zu lassen. Dafür wurden die Gleise auf fast 2,2 Kilometer lange Stahlrampen verlegt und zusätzlich 2,2 Kilometer lange Anfahrdämme aufgeschüttet.

Blick auf die Eisenbahn-Hochbrücke Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal © WSA Kiel-Holtenau
Die längste Eisenbahnbrücke Deutschlands steht auf mehr als 50 Pfeilern.

Die geringe Distanz zwischen Kanal und Rendsburger Bahnhof wurde mit einem großen Kreis, der sogenannten Schleife, um fast sechs Kilometer verlängert. Die Dimensionen des Baus sind gewaltig: Die Oberfläche der Stahlkonstruktion beträgt 240.000 Quadratmeter, 3,2 Millionen Nieten stecken im Metall und allein die 295 Meter lange Hauptbrücke wiegt 3.700 Tonnen. Von Mai bis September finden sonntags Führungen an der Brücke statt. Dabei geht es auf der Südseite eine Wendeltreppe mit 178 Stufen hinauf zu den Bahngleisen.

Industriedenkmal Fähre

Ein Kran hebt ein Stahlgerüst auf einen Ponton auf einem Fluss. © NDR Foto: Sebastian Duden
Die neue Fähre wurde über den Kanal nach Rendsburg transportiert. Jetzt muss sie noch montiert werden.

Auch die Fähre ist ein eindrucksvolles Beispiel der Ingenieurskunst und gilt als eines der wichtigsten Industriedenkmäler Deutschlands. Auf ihr überquerten bis 2016 Autos und Fußgänger den Nord-Ostsee-Kanal, während hoch darüber Züge fuhren. Anders als viele Industriedenkmäler war die Fähre auch nach mehr als 100 Jahren noch im Einsatz: Von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr abends überquerte sie alle siebeneinhalb Minuten den Kanal. In 90 Sekunden brachte sie die Passagiere kostenlos über den 135 Meter breiten Kanal.

Nur Schiffe brachten den Plan in Gefahr, denn sie haben Vorfahrt. Die neue Fähre wird bis zu 100 Menschen und vier Autos befördern, auf die alte Fähre passten 60 Fußgänger und sechs Autos. Damit sich der Unfall nicht wiederholen kann, verfügt die neue Fähre zudem über bessere Sicherheitssysteme als ihre Vorgängerin.

Flexibel und sparsam

Schwebefähren haben den Vorteil, dass sie keine besonderen Zufahrtrampen benötigen und den Schiffsverkehr nicht unterbrechen wie etwa Klappbrücken. Auch bei Eisgang oder starker Strömung können sie problemlos fahren und benötigen weniger Energie als ein Fährschiff. Genau genommen schwebt die Fähre gar nicht: Der Rumpf hängt an Seilen am größten Wahrzeichen Rendsburgs, der Hochbrücke. So überquert eine Schwebefähre das Wasser, ohne es zu berühren.

Mit sechs Schwester-Modellen auf dem Weg zum Welterbe

Geht es nach dem Willen der Stadt Rendsburg, soll die Schwebefähre bald zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen - zusammen mit sechs weiteren Schwebefähren im niedersächsischen Osten, im französischen Rochefort, im argentinischen Buenos Aires sowie in den britischen Orten Warrington, Middlesbrough und Newport. Aufgrund der internationalen Gemeinschaftsbewerbung rechnen sich die einzelnen Städte bessere Chancen auf Anerkennung aus. Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Weltweit gibt es nur wenige Schwebefähren: Einst waren es 20, heute sind nur noch acht aktiv, darunter die Schwebefähre Puente de Vizcaya im spanischen Bilbao. Sie trägt bereits seit 2006 den Welterbetitel und gilt als die älteste Schwebefähre der Welt.

Karte: Rendsburger Hochbrücke

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Blick auf die die Eisenbahnhochbrücke mit der Schwebefähre aus dem Jahr 1913 © NDR Foto: Dennis Brandau

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Dieses Thema im Programm:

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