Stand: 29.07.2019 15:10 Uhr

Was lernt der Baum in der Schule?

"Baumschulgemeinden" - so bezeichnen viele Menschen bis heute ihre Heimatorte im Kreis Pinneberg. Und das nicht nur wegen des Anblicks gleichmäßiger Baum- und Strauchreihen. Die etwa 200 Baumschulbetriebe gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und prägen Traditionen sowie den Umgang mit der Natur. Das Pinneberger Baumschulland ist eine Kulturlandschaft, die vor mehreren Hundert Jahren entstand und bis heute lebendig geblieben ist.

Container mit Schutzfolien © NDR/Jung & Rathjen

Bäume in Töpfen

Wie geht das? -

Eine Baumschule in Rellingen hat sich auf die Aufzucht von Bäumen in Containern spezialisiert. Die Reportage zeigt, wie aus einem Steckling ein verkaufsfertiger Baum wird.

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Baumzucht auf rund 2.900 Hektar Anbaufläche

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Alleebäume werden in Baumschulen in langen Reihen gezogen.

Neben dem niedersächsischen Landkreis Ammerland und Nordrhein-Westfalen ist der Kreis Pinneberg eines der drei bedeutendsten Baumschulgebiete Deutschlands. Mit etwa 2.900 Hektar liegen gut 16 Prozent der gesamtdeutschen Baumschul-Anbaufläche im Kreis Pinneberg. Weltweit existieren nur wenige geschlossene Anbaugebiete dieser Art.

Baron Caspar Voght gründet erste Baumschule

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Baron Caspar Voghts Baumschule lag teilweise auf dem Gelände des Jenischparks.

Hamburg 1795: Ein Hamburger Kaufmann und ein Schotte legen den Grundstein für die lange Baumschultradition im Kreis Pinneberg im südwestlichen Schleswig-Holstein. Baron Caspar Voght gründet im heutigen Hamburger Stadtteil Klein-Flottbek die erste Baumschule. Ein Teil davon ist der heutige Jenischpark, ein beliebtes Ausflugsziel der Hansestädter. Der schottische Baumschulgärtner James Booth leitet den Betrieb und bildet Gärtner aus. Einige von ihnen eröffnen später im Umland ihre eigenen Baumschulen - das Baumschulland beginnt zu wachsen. Die Nähe zum Hamburger Hafen und der Ausbau des Eisenbahnnetzes ab 1850 ermöglichen den Pinnebergern schon früh einen regen Handel über die Landesgrenzen hinaus.

Neue Anbautechnik mit Pflanzcontainern

Was wächst im Pinneberger Baumschulland?

Angebaut werden vor allem Ziersträucher/Heckengehölze, Allee- und Straßenbäume sowie Solitäre, Koniferen/Nadelgehölze. Auf einem kleineren Teil der Anbaufläche wachsen Immergrüne/Formgehölze, Rosen, Forst-und Landschaftsgehölze, Bodendecker und Obstgehölze.

Noch heute befinden sich zahlreiche Betriebe in Familienhand. Viele von ihnen spielen eine bedeutende Rolle im globalen Handel mit Gehölzen. Trotz aller Tradition unterliegt auch das Pinneberger Baumschulland von Zeit zu Zeit einem Strukturwandel, was Anbautechnik und Produktionsverfahren betrifft. Mehr und mehr Bäume wachsen seit einigen Jahren von der Jungpflanze bis zum Straßenbaum im Pflanzcontainer heran.

Export ins Ausland spielt wichtige Rolle

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Bis nach Fernost liefern Pinneberger Baumschulen ihre Gehölze.

Vor allem Ziergehölze werden nördlich von Hamburg gezogen: Allee- und Straßenbäume, Bodendecker, Rhododendren, Formgehölze, Nadel- und Laubgehölze machen einen Großteil der Produktion aus. Neben dem lokalen und nationalen Bedarf bedienen die Pinneberger Baumschulen Anfragen aus aller Welt. Eine große Rolle spielt der Export ins europäische Ausland. Doch auch Länder aus Fernost und die USA beziehen Gehölze aus Schleswig-Holstein.

Ideales Klima und guter Boden für Baumzucht

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Formgewächse wie Buchsbaum sind beliebte Pflanzen des Pinneberger Baumschullands.

Während sich viele Menschen vom norddeutschen Klima nicht verwöhnt fühlen, wirken sich ergiebige Niederschläge, ein später Frühjahrsbeginn und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit positiv auf den Anbau von Gehölzen aus. Gemäßigte Winter mit meist kurzen Frostperioden halten angehende Alleebäume, Rhododendren, Obstgehölze und Rosensträucher gut aus. Hinzu kommt eine gute Bodenbeschaffenheit: Auf sandig-lockeren Böden gedeihen die Pflanzen am besten.

Was ist eine Baumschule?

Eine Baumschule ist eine Anbaufläche, auf der Bäume, Sträucher und sonstige Gehölze zum Weiterverkauf angepflanzt und bis zu einer gewissen Größe gezogen werden. Die Pflanzen werden zunächst "aufgeschult", das heißt sie treiben Wurzeln. Im Laufe ihrer Entwicklung werden die Pflanzen außerdem mehrmals umgepflanzt: Sie werden "verschult".

Das "Verschulen" dient dazu, den Wurzelballen kompakt zu halten und nicht zu groß werden zu lassen, damit die Pflanze gut ausgegraben und transportiert werden kann. 200.000 Artikel umfasst das Sortiment der Baumschulen, darunter viele Bäume, aber auch Sträucher, Heckengehölze, Ziergehölze, Obstgehölze und viele mehr. Verkauft werden sowohl Jungpflanzen als auch ausgewachsene Alleebäume.

Dieses Thema im Programm:

Wie geht das? | 26.06.2019 | 18:15 Uhr

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