Stand: 31.07.2017 14:45 Uhr

Keine Angst vor Fledermäusen

von Kathrin Weber, NDR.de
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Fledermäuse, hier eine Wasserfledermaus, sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können.

In China sind sie ein Synonym für Glück, in Teilen Afrikas gelten sie als Todesboten. Bei uns fürchten sich viele Menschen ein bisschen vor Fledermäusen. Warum eigentlich? Wer sich die fliegenden Säuger einmal näher ansieht, wird feststellen, dass sie vor allem eines sind: faszinierend. Sie können sich per Ultraschall orientieren, an nur einem Daumen hängen und bekommen - auch wenn sie kopfüber baumeln - keine Kopfschmerzen. Und wenn es draußen regnet oder stürmt, bleiben sie einfach im Trockenen und schalten auf Energiesparmodus.

Die Kalkberghöhle - das Quartier der Fledermäuse

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Die Kalkberghöhle wurde 1913 entdeckt und ist die einzige Schauhöhle in Schleswig-Holstein.

In der freien Natur sind Fledermäuse für Laien nur schwer auszumachen. Für eine erste Begegnung ist daher das Fledermauszentrum Noctalis in Bad Segeberg ein idealer Ort, denn es liegt direkt an der Kalkberghöhle. Sie ist das größte natürliche Winterquartier der Tiere in Nordeuropa. In der Zeit von April bis Ende September kann die Höhle im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden. Durch eine Tür geht es eine steile Treppe hinunter in den Berg, wo es feucht und kühl ist. Haben sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt, wird es spannend. Zwar bildet Gips keine Tropfsteine, aber die steinernen Formationen sind dennoch bizarr und die Gänge wirken geheimnisvoll. In den zahlreichen Nischen und Spalten fühlen sich Fledermäuse wohl.

Ganz nah ist plötzlich ein helles Piepsen zu hören und schon fliegen sie ganz dicht vorbei. "Das sind Wasserfledermäuse", erklärt Anne Ipsen, Geschäftsführerin des Noctalis. Das Piepsen kommt ebenfalls von den Tieren. "Es dient der Kommunikation untereinander", so die Biologin. Nicht immer haben Besucher das Glück, in der Höhle auf Fledermäuse zu treffen. Am Morgen und zu bestimmten Jahreszeiten sind die Chancen aber gut. "Ab Mitte August nutzen die Fledermäuse die Höhle als Tagesrastplatz und zeigen Jungtieren das Quartier für den kommenden Winter". Auch Ende September kann man Glück haben, dann sammeln sich allmählich mehr als 20.000 Tiere aus sieben Arten, um die kalte Jahreszeit in der Höhle zu verbringen. Im Gegensatz zu Fledermäusen aus warmen Regionen halten sie nämlich einen Winterschlaf.

Ausstellung im Noctalis lüftet viele Geheimnisse

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Hand aufs Herz: Wie an dieser Station können Besucher im Noctalis Informatives sinnlich erfahren.

Wer in der Höhle keine Fledermäuse sieht oder das Noctalis im Winter besucht, kommt den Tieren dennoch nahe - in der Erlebnis-Ausstellung. Sie schickt Besucher durch eine nachgebaute Höhle auf Entdeckungsreise und informiert anschaulich über die Welt der Fledermäuse, ihre Besonderheiten, Fähigkeiten und Lebensweise. Was unterscheidet den Herzschlag eines schlafenden Menschen von dem einer Fledermaus? Zwei große Kunststoffherzen zeigen es. Einfach Hand auflegen und fühlen.

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Foxi ist sehr anhänglich und hängt gern am Rücken der Tierpfleger.

Echte Tiere gibt es natürlich auch zu sehen. Im obersten Stockwerk leben neben Käfern, Fröschen und einer Schlange rund 100 Brillenblattnasen. Da diese Art aus den Tropen stammt, macht sie keinen Winterschlaf. Ganzjährig können Besucher beobachten, wie die Tiere durch das fast dunkle Gehege sausen und die dort aufgehängten Bananen fressen. Mittendrin hat Foxi ihr Zuhause. Die zahme indische Riesenflughündin hat beeindruckend breite Flügel und ist mit ihren dunklen Kulleraugen extrem niedlich. Häufig hängt sie sich an einen Tierpfleger und läuft mit ihm durch die Ausstellung.

Mecklenburger Seenplatte beheimatet 15 Arten

Flatterhus Kratzeburg

Müritz-Nationalpark
geöffnet Mai bis Oktober,
täglich 10 bis 17 Uhr
Dorfstraße 31
17237 Kratzeburg
Tel. (039822) 296 65

Ein Dorado für Fledermaus-Fans ist außerdem die Mecklenburgische Seenplatte, die Region ist Lebensraum für 15 Arten. Im Kratzeburger "Flatterhus" informiert der Müritz-Nationalpark in einer Ausstellung über die geheimnisvollen Jäger der Nacht. Eine Ausstellung beherbergt außerdem die Pension "Zur Fledermaus" in Waren an der Müritz. In einem Flugraum können Besucher dort Nil-Flughunde beobachten oder nach Voranmeldung Fledermaus-Touren unternehmen. Weitere Informationen zu geführten Touren in National- und Naturparks der Region finden Interessierte in der Bröschüre "Unterwegs" des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern.

Fledermäuse vor der Haustür entdecken

Da ihre Lebensräume und Nahrungsquellen stetig weniger werden, sind die meisten Fledermausarten bedroht. Wer genau hinschaut, kann dennoch auch vor der eigenen Haustür Tiere beobachten. Fledermäuse leben in ganz Norddeutschland, besonders in der Nähe von Wasser und auch in Großstädten, etwa im Hamburger Stadtpark oder in der Hafencity. Die beste Zeit für eine Begegnung ist die Dämmerung, wenn der Himmel noch hell ist. Das Noctalis und Umweltschutzorganisationen wie etwa der NABU bieten außerdem in der Saison regelmäßig geführte Touren an, zum Beispiel im Rahmen der jährlich stattfindenden Batnight, die immer am letzten August-Wochenende stattfindet.

Weitere Informationen

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Fledermäuse sind gefährdet, denn sie leiden unter Wohnungsnot und finden nicht genug Nahrung. Ein Fledermauskasten im Garten und die richtigen Pflanzen können den Tieren helfen. mehr

Fledermäuse hautnah erleben im Noctalis

Die Bad Segeberger Kalkberghöhle ist ein wichtiges Winterquartiere für Fledermäuse. Nebenan erfahren Besucher im Erlebniszentrum "Noctalis" alles über die scheuen Tiere. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordtour | 17.09.2016 | 18:00 Uhr

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