Kakaopulver: Oft viel Zucker und niedriger Kakao-Anteil

Stand: 23.04.2021 11:07 Uhr

Kakao ist ein beliebtes Milchgetränk. Kakaopulver bieten viele Hersteller an. Wie hoch ist der Kakao-Anteil und wie viel Zucker enthält das Getränk? Welche Standards bieten Kakao-Nachhaltigkeits-Siegel?

von Benjamin Cordes

Viele der Pulver, die umgangssprachlich als "Kakao" bezeichnet werden, sind per Definition gar kein Kakao, sondern "kakaohaltige Getränkepulver". Sie bestehen nur zu einem kleinen Teil aus Kakao. Oft sind nicht mehr als 20 Prozent enthalten, manchmal sogar weniger.

Maximal 25 Prozent im Pulver sind reiner Kakao-Anteil. Dieser ist außerdem "stark entölt". Das bedeutet, dass ihm die wertvolle Kakaobutter entzogen wurde. So wird Kakao günstiger, ist aber auch etwas besser löslich.

Trinkschokolade besteht im Gegensatz dazu zu mindestens 25 Prozent aus Kakao und dieser darf nicht stark entölt sein. Er ist also etwas hochwertiger.

Produkte mit der Bezeichnung "Typ Trinkschokolade" erwecken lediglich den Eindruck einer Trinkschokolade, erfüllen aber nicht die rechtlichen Voraussetzungen dafür. Etwa weil zu wenig Kakao oder weitere Zusatzstoffe enthalten sind. Der Geschmack stammt stattdessen oft auch aus künstlichen Aromen.

Viele Kakaopulver enthalten hohen Zucker-Anteil

Der Rest der Pulver besteht meist aus Zucker. Das können bis zu 80 Prozent sein. Bei manchen kakaohaltigen Getränkepulvern bedeutet das pro Portion (200 ml) umgerechnet acht Stück Würfelzucker. Ein Teil davon ist allerdings bereits natürlicherweise in der Milch enthalten.

Diätassistentin Katharina Henze hält diese Menge für fatal: "Der Zucker-Anteil ist immens hoch und dementsprechend liefern die Produkte keinen Beitrag für eine gesunde Ernährung. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 50 Gramm Zucker pro Tag, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar nur 25 Gramm." Das entspricht etwa sechs Teelöffeln.

Einige Kakaopulver enthalten Traubenzucker, der in der Zutatenliste als Dextrose aufgeführt ist. Traubenzucker ist jedoch nicht gesünder als raffinierter Zucker und kann ebenfalls zu Übergewicht führen.

Kakaopulver mit weniger Zucker: Trotzdem viele Kalorien

Einige Hersteller von Kakaopulver werben mit einem geringeren Zuckergehalt. So gibt es bei einem Produkt in der Stichprobe der Sendung Markt eine Variante mit 30 Prozent weniger Zucker. Doch eine Portion davon hat gerade mal acht Kilokalorien weniger als das Original. In kleiner Schrift wird auf der Verpackung sogar selbst darauf hingewiesen. Laut Ernährungsexpertin Katharina Henze bergen solche Angaben die Gefahr, "dass Verbraucher deutlich mehr von dem Pulver benutzen, weil es ja eine geringere Süßkraft hat. Dadurch erhöht sich auch die Kalorienmenge."

Gezielte Kakao-Werbung für Kinder

Besonders problematisch ist der hohe Zuckergehalt, da viele Kakao-Verpackungen sich mit bunten Bildern gezielt an Kinder richten. Das findet die Ernährungs-Expertin bedenklich. Übergewicht sei bereits im Kindes- und Jugendalter ein großes Problem. "Diabetes Typ 2 ist mittlerweile eine Volkserkrankung", so Katharina Henze. Lebensmittelrechtliche Regelungen zur Bewerbung der Produkte gibt es allerdings nicht.

Die gesündere Alternative ist aus Henzes Sicht purer Kakao. Dieser kann nach eigenem Geschmack gesüßt werden. Purer Kakao steht im Supermarkt meist neben den zuckerhaltigen Pulvern oder bei den Backzutaten.

Welche Standards bieten Nachhaltigkeits-Siegel?

Nachhaltigkeit ist auch für die Hersteller von Kakaopulvern zunehmend ein Thema. Die meisten Produkte enthalten Kakao mit einem Nachhaltigkeits-Zertifikat. Johannes Schorling von der entwicklungspolitischen Organisation INKOTA-Netzwerk hat sich die Siegel angesehen. So bewertet er sie:

  • Rainforrest Alliance und UTZ: Diese beiden Siegel fusionieren zur Rainforest Alliance. Das UTZ-Siegel läuft deshalb nach einer Übergangsphase aus. Beide Siegel sind als eher schwach zu bewerten, denn es gibt keine garantierten Kakao-Mindestpreise für die Kakao-Bauern, anders als zum Beispiel bei Fairtrade. Ab Sommer 2022 gibt es dort immerhin eine zusätzliche Prämie von 70 US-Dollar pro Tonne, was aber aus der Sicht von INKOTA zu wenig ist.
  • Fairtrade: Dieses Siegel garantiert immerhin einen Kakao-Mindestpreis (aktuell rund 2.400 Dollar pro Tonne) und dazu eine feste Prämie von 240 Dollar pro Tonne. Beides ist aber zu niedrig, um Kakao-Bauern und Kakao-Bäuerinnen ein existenzsicherndes Einkommen zu garantieren. Das weiß übrigens auch Fairtrade selbst, denn die Organisation hat ein entsprechendes Einkommen für die Elfenbeinküste und Ghana kalkuliert, das höher liegt als das, was bei Fairtrade gezahlt wird.
  • GEPA: GEPA-Kakao ist nach Fairtrade-Kriterien zertifiziert, aber die GEPA geht über den Fairtrade-Mindeststandard hinaus und zahlt zum Beispiel höhere Kakao-Preise. GEPA gehört damit zu den Vorreitern in der Schokoladenindustrie.
  • Cocoa Plan: Cocoa Plan ist ein unternehmenseigenes Nachhaltigkeitsprogramm von Nestlé. Die Kriterien sind intransparenter als zum Beispiel bei Fairtrade. Es ist für Außenstehende nicht klar, welche Prämien gezahlt werden.
  • Hand in Hand: Beim Nachhaltigkeitssiegel von Rapunzel ist der Kakao nicht nur nach Fairtrade-Standards zertifiziert, sondern zusätzlich auch bio-zertifiziert. Die Standards sind vergleichbar mit GEPA.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.04.2021 | 20:15 Uhr

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