Stand: 22.01.2008 20:15 Uhr  - Visite  | Archiv

Schlaganfall - Schädelöffnung rettet Leben

Der Hirninfarkt und die Behandlung der Komikerin Gabi Köster hat eine eigentlich uralte Behandlungsmethode in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, die derzeit eine Renaissance erlebt: die Öffnung der Schädeldecke (Trepanation). Bereits in der Jungsteinzeit frästen unsere Vorfahren mit Feuersteinen die Schädel kopfschmerzgeplagter Stammesbrüder auf, um Schmerzen, Eiter oder böse Geister entweichen zu lassen. Heute dient die vorübergehende halbseitige Entfernung der Schädeldecke (Hemikraniektomie) der Druckentlastung nach einem schweren Schlaganfall mit Gehirnschwellung.

Vor allem bei jüngeren Patienten, die so einen Schlaganfall erleiden, ist die Prognose sehr schlecht: Die Schwellung lässt den Druck im Gehirn so stark ansteigen, dass das Gehirn gepresst wird und so wichtige Blutgefäße abdrückt. 70 Prozent der Patienten überleben diese kritische Situation nicht, auch schwere Behinderungen können die Folge sein. Heidelberger Forscher haben jetzt nachgewiesen, dass die Entfernung der Schädeldecke innerhalb von 48 Stunden die Überlebenschance der Betroffenen (18 bis 60-Jährige) nahezu verdreifacht. Fast 80 Prozent der Patienten haben nach diesem Eingriff eine Hirnschwellung überlebt und auch die Gefahr bleibender Schäden sank deutlich.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Eric Jüttler
Neurologe
Neurologie und Poliklinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 82 11
Fax (06221) 56 53 48
E-Mail: Eric.Juettler@med.uni-heidelberg.de

Dr. Alfred Aschhoff
Neurochirurgische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 82 11
Fax (06221) 56 53 48
E-Mail:neurologie@med.uni-heidelberg.de

Autorin des Fernsehbeitrags:
Anna Schubert

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.01.2008 | 20:15 Uhr

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