Stand: 30.01.2017 18:13 Uhr  | Archiv

Elektrosmog: Wo strahlt es wie stark?

von Carmen Woisczyk, NDR 1 Niedersachsen, Carsten Vick, NDR Info

Ist alles gut, wenn bei Messungen die Grenzwerte eingehalten werden? Oder gibt es auch unterhalb dieser Grenzwerte Auswirkungen auf unsere  Gesundheit und unser Wohlbefinden. Befragt man dazu einige Experten, dann ist es wie so häufig: Es gibt ganz unterschiedliche Einschätzungen und Analysen - je nach dem, wen man gerade fragt.

Michael Mumm besitzt ein Smartphone, benutzt es aber fast ausschließlich im Flugmodus. Als Ingenieur berät er den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Sachen Elektrosmog. Und er ist - nach eigener Aussage - ein "Betroffener": "Wenn das Handy die ganze Zeit an wäre, dann wäre mein Kopf aus. Mein Kopf bekommt dann migräneartige Kopfschmerzen in kürzester Zeit, sodass ich das nicht die ganze Zeit anhaben könnte."

Jahre habe es gedauert, bevor er sein ständiges Unwohlsein den elektromagnetischen Strahlungen habe zuordnen können. Heute - ohne den ständigen Elektrosmog - gehe es ihm deutlich besser.

Der Beweis fehlt noch

Elektrosensibilität nennen Wissenschaftler wie Sarah Drießen dieses Phänomen. Sie arbeitet als Umwelt-Biologin für das Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit. Elektromagnetische Felder als Ursache für körperliches Unwohlsein? Für sie ist das nicht belegt: "Nach den wissenschaftlichen Studien ist das nicht bewiesen. Man hat viele elektrosensible Menschen untersucht, aber man konnte es experimentell nicht nachweisen, dass da wirklich ein ursächlicher Zusammenhang besteht."

Was taugen die Studienergebnisse?

Welche Geräte senden welche Strahlung aus?

Nicht nur Mobiltelefone geben Strahlung ab. Auf diesen Internet-Seiten finden Sie Antworten auf die Frage, welche Geräte welche Strahlung aussenden:

Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN)
www.baubiologie.de

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
www.bund.net

Ökotest
www.oekotest.de
Ökotest-Artikel: Elektrosmog im Haus/Büro
www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=10391&gartnr=91&bernr=01

Akademie Bauen, Wohnen, Gesundheit - Baubiologie
www.akademie-bauen-wohnen-gesundheit.de

Ganz ähnlich sieht es auch Dr. Gunde Ziegelberger. Für das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) leitet sie die Arbeitsgruppe elektromagnetische Felder. Und sie weiß natürlich, dass es bei den Dutzenden Studien zu diesem Thema auch welche gibt, die körperliche Beeinträchtigungen durch Elektrosmog durchaus belegen: "Dass es immer - bei der Menge der Veröffentlichungen - einzelne Studien gibt, die auch was finden, ist auch richtig. Aber dann sehen wir es als Aufgabe des BfS an, das zu verifizieren. Dann muss, um ein anerkanntes wissenschaftliches Ergebnis zu bekommen, so was in einem zweiten Labor wiederholt und bestätigt werden." Dieser Beweis sei, so die Expertin vom Bundesamt für Strahlenschutz, eben noch nicht erbracht.

Messung in der eigenen Wohnung kann sinnvoll sein

Eine Aussage, die Michael Mumm nicht befriedigt. Als Betroffener und Berater des BUND verlässt er sich auf Studien ohnehin nicht: "Alles was ich den Leuten sagen kann ist: Guckt nicht auf irgendwelche Studien, denn da gibt es immer Studien und Gegenstudien. Dafür ist der Wirtschaftsbereich viel zu groß in dem Bereich. Ich helfe den Leuten, die auch betroffen sind. Und alles, was ich den Leuten sagen kann, ist: Probiere es selber aus."

Eine Messung in den eigenen vier Wänden kann zum Beispiel ganz genau Aufschluss darüber geben, wie intensiv die Strahlung durch WLAN- oder Mobilfunknutzung tatsächlich ist. Auch wenn die Ergebnisse dann deutlich unter den festgelegten Grenzwerten liegen, müsse das laut Mumm nicht unbedingt etwas bedeuten: "Die Grenzwerte, die wir aktuell haben, sind total sinnlos. Die sind aber auch nie eingeführt worden aus gesundheitlichen Gründen. Die sind nur so hoch angesetzt worden, damit man sie nicht überschreiten kann."

Sind internationale Grenzwerte angemessen?

Genau das wird von vielen Wissenschaftlern und Experten aber gänzlich anders bewertet. Die Umwelt-Biologin Drießen hält die internationalen Grenzwerte für angemessen. Und auch wenn sie bislang keinen eindeutigen Beweis zwischen Ursache und Wirkung - zwischen Elektrosmog und körperlichem Unwohlsein - sieht, so macht sie dennoch eine Einschränkung: "Wir haben hier viele Anfragen und Rückfragen auch von elektrosensiblen Menschen. Und wenn ich mir die Schilderungen anhöre, dann würde ich es jetzt persönlich nicht ausschließen, dass es das nicht vielleicht trotzdem gibt."

Und wenn es diese leichte Unsicherheit schon unter den Experten gibt, wie sollen dann erst Laien ein mögliches Risiko einschätzen? Einen schlichten Rat hat die Umwelt-Biologin trotz ihrer wissenschaftlichen Skepsis: "Reduzieren sie die Expositionsquellen so gut es geht, telefonieren sie am besten mit dem Festnetz, wenn‘s geht - und eben nicht mit dem Handy. Telefonieren sie nicht aus dem Auto, stellen sie das Baby-Phone nicht ganz nah an das Baby-Bett, sondern mit ein bisschen Abstand, und so weiter ..."

"Sich schlau machen, nicht spekulieren!"

Oder aber Sie befolgen gleich den Rat eines Betroffenen: Das Handy häufiger mal aus- oder in den Flugmodus  schalten - und eine genaue Analyse erstellen über die eigene, tägliche Strahlenbelastung. Michael Mumm vom BUND rät: "Macht euch schlau, welche Geräte welche Strahlung aussenden, in welcher Entfernung wie hoch, also wie eure tatsächliche Belastung ist - und spekuliert nicht."

Links

Wie stark strahlt es wo? Die Feldkarte im Detail

Eine Karte zeigt bis auf die Straße genau die Stärke der elektromagnetischen Strahlung. Sie ist gratis - weitere Optionen, wie die Mobilfunk-Karte, sind aber kostenpflichtig. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.01.2017 | 07:08 Uhr

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