Stand: 04.09.2015 14:59 Uhr  | Archiv

Wie können Menschen mit Demenz gut leben?

Dörte neben ihrem dementen Vater. © NDR
"Ich weiß, dass wir ganz speziell auf ihn eingehen können und ihn dadurch gut versorgen", sagt Dörte über ihren an Demenz erkrankten Vater. Die Tochter unterstützt ihre Mutter jeden Tag bei der Betreuung.

Zwei Drittel der Menschen mit Demenz in Deutschland werden zu Hause versorgt. Ein Grund: das Pflegeheim können sich viele nicht vorstellen. Aber die häusliche Pflege führt mitunter zu Überforderung. Welche Vor- und Nachteile haben also die unterschiedlichen Betreuungsmöglichkeiten für Menschen, die an Demenz erkrankt sind? Wir stellen die Beispiele aus der Doku "Demente Eltern - was tun?" vor und bieten zudem Kontakt-Adressen und Links. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen beantwortet unser Autor Burkhard Plemper.

Pflege zu Hause

Wie können sich Menschen mit einer möglicherweise beginnenden Demenz sich darauf vorbereiten und wie sollte ihr Umfeld reagieren?

Für Menschen mit beginnender Demenz gilt: Versuchen Sie, Menschen in Ihrer Umgebung zu erklären, dass Ihnen der Alltag entgleitet. Für Angehörige gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Familienmitglied offen, sachlich, einfühlsam darüber. Nicht hinter seinem Rücken. Menschen mit Demenz sind gerade im Anfangsstadium sehr empfindlich und spüren, wenn man sie nicht ernst nimmt. Für Freunde und Bekannte: Ziehen Sie sich nicht zurück, wenn jemand in Ihrem Umfeld eine Demenz entwickelt. Es mag anstrengend sein, aber gerade dann ist der Kontakt zu Ihnen wichtig.

Bundesweites Alzheimer-Telefon

Service-Nummer (01803) 17 10 17 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen
Festnetz)
oder
(030) 259 37 95-14 (Festnetztarif).

Oft scheuen sich Menschen über die Sorge einer beginnenden Demenz zu sprechen. Was und wer kann helfen?

Sie sollten zunächst mit einem Menschen ihres Vertrauens, etwa ihrem Hausarzt sprechen. Der wird dann eine gründliche Untersuchung bei einem Facharzt veranlassen. Dort kann ausgeschlossen werden, ob es sich möglicherweise nicht um beginnende Demenz sondern eine Erkrankung mit artverwandten Symptomen handelt. Handelt es sich um Demenz gibt es Rat und Unterstützung etwa bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Was genau müssen die Angehörigen alles tun, die Menschen mit Demenz versorgen?

Wichtig ist es, offen damit umzugehen und nichts zu verheimlichen. In vielen Fällen ist es sinnvoll, Vorsorge zu treffen: Unabhängig von einer Demenz zu besprechen, was geschehen soll, wenn man irgendwann einmal vielleicht nicht mehr in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen. Deshalb es sinnvoll, sich über eine Vorsorge-Vollmacht zu informieren.

Unterschätzen manche, was an Belastung auf sie zukommt?

Links

"Wie geht es Ihnen eigentlich?"

Kostenlose Broschüre für pflegende Angehörige Demenzkranker zum Herunterladen (PDF). extern

Infoblatt zum Umgang mit Schuldgefühlen

Angebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (PDF-Broschüre). extern

Pflegen und leben.de

Online-Beratung für pflegende Angehörige, die gesetzlich versichert sind. extern

Compass Private Pflegeberatung

Beratung für pflegende Angehörige, die privat versichert sind. extern

Leben mit Demenz

Das Bundesministerium für Gesundheit informiert. extern

Wegweiser Demenz

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert in einem neuen Internetportal umfangreich über Demenz. extern

Ja, das tun Angehörige oft, vor allem dann, wenn sie alles selbst und allein machen wollen. Wichtig ist es, sich Rat und Hilfe zu suchen und die Unterstützung auch zuzulassen.

Und wenn man sich nicht in der Lage sehen, einen Angehörigen mit Demenz zu pflegen?

Nicht jede Beziehung ist so glücklich und harmonisch, dass sie auch noch diese Belastung im Alter verkraftet. Viele kommen zudem nicht damit klar, dass sich ein Verhältnis umkehrt: Jahrelang haben die Eltern für sie gesorgt. Nun ist es auf einmal umgekehrt. Das kann Kinder und Eltern überfordern.

Wie viel Zeit muss man für die Betreuung aufbringen?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Es kommt auch darauf an, welche weiteren Hilfen zur Verfügung stehen.

Welche Hilfen, praktisch oder finanziell, erhalten pflegende Angehörige?

Wenn ein Mensch mit Demenz seine Angelegenheiten nicht mehr allein regeln kann, kann zum Beispiel eine rechtliche Betreuung eingerichtet werden. Informationen dazu gibt es ebenfalls bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und in den örtlichen Beratungsstellen der Kommunen oder der Wohlfahrtsverbände. Dort gibt es auch Informationen darüber, welche Ansprüche Betroffene gegenüber der Pflegeversicherung haben. Durch die Neu-Regelung sind Hilfen möglich, die nichts mit Pflege im eigentlichen Sinne zu tun haben, sondern mit sinnvoller Beschäftigung.

VorteileNachteile
Die Betroffenen können in einer ihnen vertrauten Umgebung bleiben.Die Pflege zu Hause stellt für die Angehörigen eine sehr große Belastung dar.
Kinder und Lebenspartner kennen die an Demenz Erkrankten am besten.Alte Konflikte können durch die Betreuungssituation wieder aufbrechen.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 07.09.2015 | 22:00 Uhr

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