Stand: 17.07.2018 09:59 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Herzmuskelverdickung, MS, Blutfettwerte

Hans: Ich habe leider die vererbte familiäre Hypercholesterinämie mit mehreren Gen-Defekten! Was kann ich ernährungsmäßig noch tun? Die Ärzte sagen, das bringe höchstens fünf Prozent. Nehme PCSK9-Hemmer. Statine vertrage ich nicht. Soll eventuell Apherese bekommen. Möchte das vermeiden!

Riedl: Wahrscheinlich wird die Ernährung nicht ausreichen. Ich würde es aber einmal richtig versuchen. Es bewirkt manchmal auch 20 Prozent oder mehr. Versuchen.

KatiR: Vor einigen Jahren haben Sie bei MS die ketogene Kost empfohlen. Wie ist Ihre Meinung heute dazu? Ketogene Kost ist ja extrem kohlenhydratearm, während die Darmbakterien resistente Stärken lieben. Also eigentlich zwei entgegengesetzte Ernährungsformen.

Riedl: Das, was wir heute empfohlen haben, ist eine Möglichkeit. Die ketogene Ernährung eine andere, die auch wirkt. Die würde ich bei der Patientin von heute nur empfehlen, wenn die leichteren Methoden nicht ausreichen. Die ketogene Ernährung ist sehr einschneidend. Aber ja, die Empfehlungen von heute sind kein Widerspruch. Die resistente Stärke und Ballaststoffe können in einer ketogenen Ernährung auch eingenommen werden.

ROMY25: Mein Mann wird wegen Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 (gut eingestellt Hba1c = 5,6), Gicht und Niereninsuffizienz Stufe 3b behandelt. Kein Übergewicht. Wir haben die Ernährung entsprechend umgestellt, um die Niereninsuffizienz möglichst lange aufzuhalten. Welche Ernährungstipps gibt es?

Riedl: Bei Niereninsuffizienz bitte keine eigenen Versuche. Die muss unbedingt in die Hand von erfahrenen Therapeuten. Adressen finden Sie beim Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. Die richtige Eiweißaufnahme kann das Fortschreiten verlangsamen. Die Muskulatur muss aber erhalten bleiben. Wichtig: zum Profi.

Mugge: Was kann man noch für die geschädigten Nervenbahnen tun (PPMS)? Habe alle Medikamente ausprobiert.

Riedl: Außerdem, was wir in der Sendung hatten, gibt es noch die ketogene Ernährung. Sie ist sehr einschneidend. Ich würde sie aber mal versuchen. Man muss sich die aber erklären lassen. finden Sie beim Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V.

Simone: Gilt ein Kaffee zwischendurch als Zwischenmahlzeit oder kann ich ein, zwei bis drei Tassen verteilt über den Tag trinken, ohne den Erfolg des Fastens zu gefährden?

Riedl: Gute Frage. Wasser, Tee und Kaffee - alles ohne Zucker oder Milch ist keine Zwischenmahlzeit und hilft, das Intervallfasten durchzuhalten. Wichtig: Viel trinken, das hemmt den Hunger. 0,03 Liter pro Kilogramm Körpergewicht. Und in Fastenstunden besonders viel trinken.

Ninja: Ich habe, seit ich denken kann, das Gefühl, ich kann nicht ohne Zucker leben. Ich bilde mir ein, er liefert Energie (was fatal ist). Was kann auf unkomplizierte Weise meine schnellen Zwischendurch-Schokoriegel ersetzen? Immer nur Nüsse? (MS seit 2008, acht Jahre Interferon, seit zwei Jahren ohne Medikamente, völlig stabil, EDSS 0.)

Riedl: Das nennen wir eine Gewohnheitssucht. Das existiert also alles nur im Kopf. Da kommt man aber von weg. Es müssen Ersatzhandlungen, die lecker sind, dafür geschaffen werden. Aber erst mal langsam den Zucker reduzieren. Immer weniger süßen. In kleinen Schritten. Aber der viele Zucker ist tatsächlich Gift. Da muss was passieren. Mein Tipp: Wer seine Ernährung umstellen will - das Buch "Abnehmen mit dem 20:80-Prinzip" zeigt, wie. In kleinen Schritten. Wichtig ist, sich zu den Hauptmahlzeiten richtig satt zu essen. Dann verführt der Zucker zwischendurch nicht mehr so.

Nada: Gibt es Schwerpunktpraxen für Ernährungsmedizin in jeder größeren Stadt?

Riedl: Schwerpunktpraxen haben Ernährungsmediziner und Ernährungswissenschaftler, die nach dem Prinzip der E-Docs arbeiten, und eben viel Erfahrung. Es gibt sie in allen großen Städten. Leider noch wenig in Ostdeutschland. Aber es lohnt sich auch ein längerer Anfahrtsweg. Zu uns nach Hamburg kommen die Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Manchmal kann man dann in Telefoncoaching übergehen. Die meisten Kassen zahlen das Coaching von 350 Euro. Den Ernährungsmediziner aber noch nicht.

Dieses Thema im Programm:

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