Stand: 03.04.2018 22:51 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll: Depressionen

Sandy: Ich nehme seit zweieinhalb Jahren Venlafaxin 75 mg und fühle mich sehr gut und habe auch keinerlei Nebenwirkungen. Nun traue ich mich nicht, das Medikament wieder abzusetzen. Kann ich das Medikament unbedenklich lebenslang nehmen?

Lammers: Ob Sie das Venlafaxin ein Leben lang einnehmen sollten, hängt davon ab, ob Sie schon mehr als drei depressive Episoden durchlitten haben. Dann kann es eine lebenslange Einnahme rechtfertigen, natürlich in Absprache mit dem verschreibenden Psychiater. Es gibt keine Hinweise aus der Wissenschaft und klinischen Erfahrung, dass Antidepressiva auf lange Zeit schwerwiegende Nebenwirkungen haben.

Linda: Ich leide seit 24 Jahren an hormoneller Migräne, jetzt ist eine Depression dazugekommen, darf ich ein Antidepressivum nehmen bei neun Triptanen im Monat?

Lammers: Bitte besprechen Sie die Frage mit dem verschreibenden Neurologen oder Psychiater. Hierzu gibt es unterschiedliche Ansichten.

Jeanne: In der Sendung erwähnten Sie die psychodynamische Psychotherapie. Was ist das?

Lammers: Die psychodynamische Psychotherapie ist ein anderer Ausdruck für die moderne tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Sina: Ich bin 58 Jahre alt, weiblich, noch berufstätig (mittlerweile nur mehr 22 Stunden pro Woche in einem steuerlichen Dienstleistungs-Unternehmen). Seit einiger Zeit fällt es mir sehr schwer, Sinnhaftigkeit in der Arbeit zu sehen, sodass auch meine Privatzeit mit diesen Gedanken sehr belastet ist. Auch die Menopause macht mir mit Schlaflosigkeit und Ausgelaugtheit sehr zu schaffen. Ich bin nun nicht sicher, ob diese Symptome mit einer Erschöpfungsdepression zu tun haben könnten. Darf ich Sie um Ihre Einschätzung ersuchen?

Lammers: Eine kompetente und seriöse Einschätzung Ihrer Beschwerden kann nur ein Psychiater nach einer persönlichen Untersuchung treffen.

Aurelia: Gedankenkarussell nach Feierabend und wache ständig nachts auf. Mache schon Entspannungsübungen. Ist es schon eine Depression?

Lammers: Diese Frage kann Ihnen nur ein Psychiater oder Psychotherapeut nach einer persönlichen Untersuchung beantworten.

Nikadola: Ich habe Venlafaxin 37,5 und Citalopram bekommen und beides nicht vertragen. Seit vielen Jahren nehme ich aufgrund einer Rheuma-Erkrankung Amitriptylin 12,5. Aber inzwischen habe ich immer häufiger Angst: vor Bewegung, vor Schwitzen, vor einem hohen Puls. Gibt es noch andere Mittel oder Möglichkeiten, die helfen?

Lammers: Es gibt noch sehr viele andere Möglichkeiten der medikamentösen Therapie. Bitte lassen Sie sich diesbezüglich von einem Psychiater beraten.

Katrin B.: Mein Mann leidet seit zweieinhalb Jahren an einer sehr schweren Depression, war ein Jahr in der Klinik, bekam 36 EKT und fühlt sich immer noch sehr schlecht, komplett ohne Antrieb und Gefühl, keine Motivation zum Aufstehen, keine sozialen Kontakte. Er wurde auf Lithium eingestellt, zusätzlich zu seinem Antidepressivum. Die Therapie ist laut Psychiater ausgereizt. Wie kann ich ihm als Ehefrau noch helfen?

Lammers: Bitte suchen Sie als Angehörige das Gespräch mit dem behandelnden Psychiater, der Ihren Mann und seine Erkrankung kennt.

Sam1807: Meine Schwester hat eine bipolare Störung und schwere Depression und hat aufgrund des Verdachts einer Schwangerschaft alle Medikamente ohne ärztlichen Rat abrupt abgesetzt. Jetzt geht es ihr besser als mit Medikamenten. Keine Übelkeit mehr, keine Schlafstörung mehr. Kann es sein, dass sie die wirklich nicht mehr braucht oder kommt das böse Erwachen vielleicht noch?

Lammers: Wenn wirklich eine gesicherte bipolare Störung besteht, dann ist leider die Gefahr einer erneuten depressiven oder manischen Episode sehr hoch. Auf jeden Fall sollte Ihre Schwester das Absetzen der Medikamente mit ihrem Psychiater besprechen. Ob eine Patienten mit einer bipolaren Störung während der Schwangerschaft ihre Medikamente weiter nehmen sollte, hängt von der Schwere ihrer Erkrankung und des Krankheitsverlaufs ab und sollte mit dem behandelnden Psychiater eingehend thematisiert werden.

Angie: Ich habe oft sehr starke Ängste, alles nicht mehr bewältigen zu können und bin innerlich sehr unruhig. Nehme Mirtazapin 22 mg seit zweieinhalb Jahren. Manche Tage geht es mir besser, dann wieder sehr viel schlechter. Wie lange kann eine Depression anhalten und gehören diese Versagensängste dazu?

Lammers: Aus der Entfernung betrachtet ist Ihre Depression nicht ausreichend behandelt. Mirtazapin sollte in einer Dosierung von 30 mg eingenommen werden. Hat dies nach vier bis sechs Wochen keine deutliche Wirkung, sollten andere Medikamente in Erwägung gezogen werden. Versagensängste sind bei Depressionen sehr häufig, genauso wie eine innere Unruhe.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.04.2018 | 20:15 Uhr

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