Stand: 27.02.2018 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Neuen Schlaganfall verhindern

Kathleen: Ich hatte einen Schlaganfall im Kleinhirn. Ich bin 47 Jahre, schlank, Nichtraucherin, sportlich. Der Schlaganfall war im September 2016. Ich habe noch ziemliche Einschränkungen: Taubheitsgefühle linke Seite, Gedächtnisschwierigkeiten, extreme Schmerzen, kann keine "S"-Laute sprechen und die Stimme/Sprache hört sich verwaschen an. Leider kennt man die Ursache nicht. Ich nehme ASS 100. Hätten sie einen Rat?

Gerloff: Ich gehe davon aus, dass Sie 2016 auf einer Stroke Unit umfassend untersucht wurden. Sollte dort keine spezifische Ursache gefunden worden sein, ist ASS 100 schon einmal richtig. Die Frage, die Sie mit Ihrem betreuenden Hausarzt oder Internisten klären sollten, ist, ob zusätzlich hohe Cholesterinwerte oder hoher Blutdruck vorliegt. Weiterhin kann Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörungen) auch nur in kurzen Intervallen auftreten. Daher tendiert man heute dazu, wiederholte Langzeit-EKGs durchzuführen. Selten können bei jungen Menschen auch einmal eine Entzündung der Gefäße oder Blutgerinnungsstörungen ursächlich sein. Wenn Sie seit 2016 keine neuen Symptome hatten, ist eine Entzündung unwahrscheinlich. Blutgerinnungsstörungen kann und sollte man testen. Bezüglich der Defizite ist auch eine Rehabilitationsbehandlung Jahre nach dem Schlaganfall sinnvoll.

Marina: In meiner Halsschlagader wurde eine kleine sogenannte "lose Plaque" diagnostiziert und mir wurden Statine und ASS empfohlen. Gibt es irgendwas, das diese Plaque noch reduzieren oder gar verschwinden ließe?

Gerloff: Durch die konsequente Einnahme Ihrer Medikamente und entsprechende andere Maßnahmen (Bewegung, Ernährung) kann zumindest erreicht werden, dass die Oberfläche der Plaque glatt und ungefährlich wird. Das ist das Entscheidende.

Eisenhans: Ich bin 80 Jahre alt. Obwohl ich sehr fettarm esse, sind meine Cholesterinwerte zu hoch - zwar im Normbereich, aber bei meiner Vorgeschichte (KHK) deutlich über dem Richtlinienwert (70). Ich habe jahrelang Simvastatin genommen - dieses aber wegen der Warnungen vor Nebenwirkungen für einige Monate abgesetzt. Mein Hausarzt verschrieb mir nun Atorvastatin - finden Sie das nun indizierter? Und was kann ich noch zur Cholesterinsenkung tun?

Gerloff: In Ihrer Situation ist sicher ein Statin sinnvoll. Wenn Sie Simvastatin aus Angst vor Nebenwirkungen (und ohne eigentliche Nebenwirkungen) abgesetzt haben, war das nicht nötig. Atorvastatin ist ebenfalls ein sehr gutes Statin und die Einnahme kann in Ihrer Situation empfohlen werden. Ich stimme Ihrem Hausarzt zu.

Tommi: Ich bin 76 Jahre alt und hatte vor sechs Jahren einen Herzinfarkt. Ich habe einen Stent bekommen und ein paar Tage später hatte ich einen Schlaganfall. Der linke Arm war gelähmt und ich hatte im linken Bein Nervenstörungen. Nach sechs Jahren hatte ich wieder einen Herzinfarkt, weil sich der Stent zu 90 Prozent zugesetzt hatte. Durch einen Stent im Stent hat man das Problem gelöst. Ich bekomme einen Blutverdünner, Eliquis und einen Plättchenhemmer, Plavix. Ein Statin für meinen hohen Cholesterinspiegel (hoher LDL-Wert) habe ich nicht vertragen. Starke Muskelschmerzen in den Beinen und einen hohen CK-Wert. Das Statin wurde abgesetzt und durch Ezetrol ersetzt. Wieder starke Muskelschmerzen, aber diesmal im Rücken rechts und in Schulterblatt und Schulter. Der CK-Wert wurde noch nicht gemessen. Was haben Sie für eine weitere Empfehlung?

Gerloff: Es ist sehr schade, dass Sie auf beide üblichen Cholesterinsenker mit Nebenwirkungen reagiert haben. Meine Empfehlung wäre, sich noch mal an einen Lipidologen zu wenden. Eventuell kommt ein anderes Statin für Sie in Frage oder eines der neuen Medikamente (PCSK9-Hemmer).

Charly: Muss man Bluthochdruck auch bei jungen Menschen behandeln, um die Herzinfarkt- und Schlaganfallgefahr zu senken?

Gerloff: Ja.

Peine: Meine Mutter (91) hatte einen Schlaganfall. Sie ist sehr schlank, nimmt Marcumar, Blutdrucksenker, aber das Cholesterinmittel hat einen starken Muskelabbau verursacht. Sie hat auch ohne Medikament einen sehr guten Wert. Gibt es einen Senker, der keinen Muskelabbau verursacht?

Gerloff: Man kann Ezetimib versuchen, andererseits ist in der speziellen Situation Ihrer Mutter Medikation mit Augenmaß gefragt - soll heißen: lieber kein Statin als erheblicher Muskelabbau bei einer 91-jährigen Dame.

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Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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