Stand: 21.11.2017 23:05 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Bluthochdruck

Professor Florian Limbourg.
Prof. Florian Limbourg hat Zuschauerfragen zum Thema Bluthochdruck beantwortet.

30 Millionen Deutsche haben einen zu hohen Blutdruck. Viele wissen es gar nicht und viele kennen das gesundheitliche Risiko nicht. Mögliche Folgen sind Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschaden. Wer ist betroffen, welche Symptome gibt es und wie behandelt man Bluthochdruck am besten?

Der Kardiologe Prof. Florian Limbourg aus Hannover hat im Visite Chat Fragen zum Thema Bluthochdruck beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Bergfloh: Bin Rentner, 110 kg, bin auch Bergradler (kein E-Bike). Im April 2012 erfolgte eine 24h-Messung, Durchschnitt war 168/101. Bis 18.10.2017 gelegentliche Werte entsprechend. Ab 10.11.2017 andauernde Werte bis deutlich über 200/100. Ab Dezember 2011 Erstmedikament Irbesarpan 300, scheinbar ohne Wirkung?

Prof. Florian Limbourg: Blutdrucktagebuch führen: Messung morgens und abends, vor Medikamenteneinnahme, und dem Hausarzt zeigen. Bei diesen Blutdruckwerten benötigen Patienten meistens zwei oder drei Blutdrucksenker. Und das ist der Normalfall. Das ist bislang noch nicht besonders auffällig.

Saskia: Ich habe in den letzten drei Jahren 20 kg abgenommen, mache regelmäßig Sport (drei Stunden pro Woche), ernähre mich gesund (vegetarisch und fettarm), Cholesterinwerte sind bestens und alle anderen Blutwerte auch. Mein Bluthochdruck hat sich nicht verändert. Was kann ich noch tun? Was kann die Ursache für den Bluthochdruck sein?

Limbourg: Lebensstil senkt den Blutdruck um ca. fünf bis zehn mmHg. Falls Ihre Werte weiter erhöht sind, sollte eine medikamentöse Therapie unbedingt erwogen werden. Weitere Abklärung je nach Ansprechen auf die Medikation.

Elke: Nehme seit etwa 20 Jahren schon Blutdrucksenker, vor sechs Monaten hatte ich Brustschmerzen, mir war schlecht, schwindlig. Es wurde das Herz untersucht (Herzkatheter). Das Herz ist in Ordnung. Der Blutdruck ist mal hoch (150/84/80) und dann mal niedrig (115/61/51). Es wurde mir gesagt, ich muss damit leben.

Limbourg: Das war vermutlich eine hypertensive Entgleisung. Das könnte damit zu tun haben, dass der Blutdruck nicht gut eingestellt ist. Also, Blutdrucktagebuch führen, morgens und abends, vor Medikamenteneinnahme und dem behandelnden Arzt zeigen. Dieser könnte auch eine 24h-Blutdruckmessung machen, danach könnte eine genauere Besprechung/Therapie erfolgen.

Weber: Ich bin 71 Jahre alt und leide unter leichtem Bluthochdruck. Werte sind immer unterschiedlich: z.B. 152/70, 168/66, 142/77, 162/59. Ich messe zu unterschiedlichen Zeiten und nehme täglich eine Tablette, früh und am Abend, gegen Bluthochdruck. Ist die Differenz zwischen hohen und niedrigen Wert normal?

Limbourg: Der erhöhte systolische und der normale bzw. niedrige diastolische Wert sind Ausdruck eines alten Gefäßsystems. Sollte aber auch gut eingestellt werden: Blutdrucktagebuch führen, morgens und abends, vor Medikamenteneinnahme, und dem behandelnden Arzt zeigen. Auch empfehle ich eine 24h-Blutdruckmessung. Mit diesen Werten kann dann eine etwaige Anpassung der Medikation erfolgen.

Erwin: Gibt es eine Richtlinie für die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruckwert? Lässt die Differenz Rückschlüsse zu?

Limbourg: Eine hohe Differenz zeigt erhöhtes Risiko an. Hohe Differenz ab ca. 50.

Guthut44: Ich (186 cm, 112 kg, 58 Jahre) hatte im Juni und September Blutdruckwerte von 220/120 und war stationär als Notfall. Zwischendurch habe ich oft das Nitro genommen, weil ich Werte bis über 180 hatte und gleichzeitig Übelkeit vom Magen bis an den Hals. Verordnung von Bisoprolol 5 (0-0-1), Lercanidipin 10 (1-0-1), Candesartan 16 (1-0-1) und Hct 12,5 (1-0-0). Vorher hatte ich nur Concor 5+ (1-0-0) und Exforge 5/160 (1-0-1). Ursache soll eine Überdosierung von Jodthyrox (ca. 2,5 Jahre 100 mg) sein. TSH-Wert am 05.09.: 0,06. Dann abgesetzt. Wert am 18.09.: 1,89, 06.10.: 2,40 und ich fühlte mich besser. Am 17.10. Wert bei 1,50 (also runter). Gestern habe ich wieder einen plötzlichen Einschub auf 185/110 mit großer Übelkeit und Kopfdruck bekommen und Nitro und Moxonidin zusätzlich genommen. Frage: Kann es allein an den gestörten Schilddrüsenwerten liegen, welchen Facharzt soll ich aufsuchen? War schon beim Kardiologen und Endokrinologen.

Limbourg: Wahrscheinlich leiden Sie auch an "normalem" Bluthochdruck. Deswegen folgendes Vorgehen: Blutdrucktagebuch führen, morgens und abends, vor Medikamenteneinnahme, und dem behandelnden Arzt zeigen. Auch empfehle ich eine 24h-Blutdruckmessung. Mit diesen Werten kann dann eine etwaige Anpassung der Medikation erfolgen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.11.2017 | 20:15 Uhr

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