Stand: 20.06.2017 22:54 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Hörsturz

Unbekannt: Ich bin 55 Jahre alt und habe seit meinem 20. Lebensjahr schon mehr als zehn Hörsturze durchgemacht. Ich bin rechts mittlerweile hochgradig schwerhörig und trage seit zweieinhalb Jahren ein CROS (Baha). Jetzt hatte ich vor zwei Wochen einen erneuten Hörsturz und bin mit einer Kortison-Infusion als Selbstzahler behandelt worden! Mein HNO-Arzt rät mir jetzt unbedingt zu einem CI. Komme mit dem Baha eigentlich gut zurecht - wäre ein CI für mich ratsamer?

Meyer: Wenn Sie gut mit einem Baha zurechtkommen, besteht kein zwingender Grund, diese Versorgung zu ändern. Mit einem CI wäre es jedoch eventuell möglich, das Sprachverstehen und das räumliche Hören noch einmal zu verbessern. Dies ließe sich am besten in einem Beratungsgespräch an einem CI-Zentrum klären, da die Entscheidung schließlich sehr individuell ist.

Ronald K.: Ich habe einen Hörsturz erlitten und nur noch zehn Prozent Hörfähigkeit. Ich habe zwei Tage danach drei Infusionen und danach Tabletten erhalten. Und habe seitdem einen starken Tinnitus auf dem Ohr. Hilft hier noch Ginkgo - oder andere Präparate?

Meyer: Hier wäre es wichtig zu wissen, wie lange das Ereignis zurückliegt. Ist dies kürzer als drei Monate, würde ich einen Therapieversuch mit Kortison intratympanal (direkt in das Mittelohr) versuchen. Die Behandlung des Tinnitus ist möglicherweise auch mit einer passenden Hörgeräte- oder Hörimplantatversorgung möglich. Für Ginkgo oder andere Medikamente fehlen uns leider die Daten.

Renate S.: Ich kann Kortison nicht nehmen, habe Osteoporose. Habe Trental 600 mg bekommen, danach hatte ich Darmbluten. Was kann ich tun?

Meyer: Auch hier wäre die Behandlung mit Kortison direkt in das Mittelohr eine Alternative.

Petra: Mein Schwiegervater hat seit bereits über einem Jahr eine Vertäubung auf beiden Ohren, was den Beschwerden bei einem Flug ähnelt. Wenn er liegt, hört er besser. Im Sitzen oder Stehen gehen die Ohren wieder zu. Kann das ein Hörsturz sein? Die behandelnden HNO-Ärzte sind ratlos.

Meyer: Das spricht eher für eine Erkrankung der eustachischen Tube. Hier wären jedoch spezielle Funktionstests notwendig, um eine genaue Diagnose zu stellen.

ingrid47: Bei mir wurde eine klaffende Tube diagnostiziert, welche Therapie empfehlen Sie?

Meyer: Eine klaffende Tube ist schwierig zu behandeln. Therapieversuche sind individuell und können eventuell Injektionen von Medikamenten oder Gewebe nahe der Tubenöffnung im Nasenrachen beinhalten. Eine Therapie, die sicher wirkt, ist jedoch leider nicht bekannt.

Petra: Vor acht Wochen hatte ich einen Hörsturz mit komplettem Hörverlust rechts und starker Störung des Gleichgewichtes. Mein HNO sagte mir, auch nach längerer Zeit (bis zu einem Jahr) könne das Gehör wiederkommen. Wie kann ich es dennoch trainieren, ein räumliches Hören wiederzuerlangen? Ein Implantat möchte ich nicht.

Meyer: Auch in Ihrem Fall würde ich noch einen Therapieversuch mit einer intratympanalen Gabe von Kortison unternehmen. Die Chancen auf eine weitgehende Wiederherstellung des Hörvermögens sind jedoch leider nicht sehr gut. Eine mögliche Unterstützung besteht in einer sogenannten Hörgeräte-CROS-Versorgung, die den Hörverlust der betroffenen Seite versucht auszugleichen. Sie ist jedoch selten so effektiv wie ein Implantat.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.06.2017 | 20:15 Uhr

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