Sendedatum: 08.10.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Neue Leitlinien in der Bluthochdruck-Therapie

Display eine Blutdruckmessgerätes © NDR
Blutdruckmessgerät: Anders als früher versuchen die Ärzte heute nicht mehr, die Werte von Hypertonie-Patienten zu minimieren.

Jeder Vierte in Deutschland hat einen zu hohen Blutdruck - und viele Betroffene ahnen lange nichts von dem Risiko. Denn Bluthochdruck tut nicht weh, führt aber mit der Zeit oft zu gefährlichen Herz- und Gefäßkrankheiten.

Um dieses Risiko zu senken, muss ein hoher Blutdruck, auch als arterieller Hypertonus bezeichnet, behandelt werden. Doch anders als früher versuchen die Ärzte heute nicht mehr, den Blutdruck so weit wie möglich zu verringern.

Studien haben gezeigt, dass es bei einer zu starken Senkung des Blutdrucks durch Medikamente vermehrt zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Schwindel, Ohnmacht und sogar Herzinfarkt und Schlaganfall kommt.

Risiko mit Augenmaß verringern

In den neuen Behandlungsempfehlungen zur Hochdrucktherapie geht es deshalb nun darum, das Risiko mit Augenmaß zu verringern. Und dafür sind nicht immer gleich Tabletten erforderlich. In vielen Fällen ist regelmäßiger Ausdauersport wie Radfahren ebenso effektiv. Und den Patienten bleiben unangenehme Nebenwirkungen der Medikamente erspart.

Während früher empfohlen wurde, den Blutdruck auf 130/80 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) oder tiefer zu senken, gilt als neuer Richtwert 140/90 mmHg. Das bedeutet für viele Blutdruck-Patienten, dass sie nun sogar ganz ohne Medikamente auskommen, andere können zumindest auf schwächere Präparate mit weniger Nebenwirkungen wechseln.

Sport und Gewichtsreduktion wichtig

Menschen mit starkem Übergewicht und Bewegungsmangel sollten unbedingt abnehmen und Sport treiben. Dieser Aufwand lohnt sich, denn mit dem Körpergewicht verringert sich auch der Blutdruck deutlich. Als Faustregel gilt dabei, dass eine Gewichtsabnahme von zehn Kilogramm den Blutdruck um zehn mmHg senkt.

Patienten ohne Vorschäden und andere Krankheiten sollten es vor einer medikamentösen Therapie unbedingt erst mal mit einem gesünderen Lebensstil versuchen. Anders als Blutdrucktabletten führt das nicht zu unangenehmen Nebenwirkungen, sondern kann sogar Spaß machen und das Wohlbefinden steigern.

Neuer Zielwert für Über-80-Jährige

Auch für ältere Patienten gelten neue Behandlungsempfehlungen: Der Zielwert bei den Über-80-Jährigen liegt nun bei 150/90 mmHg, denn die Gefahr, aufgrund eines medikamentenbedingten Schwindelgefühls zu stürzen ist für diese Patientengruppe deutlich höher als die eines durch den Blutdruck verursachten Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Doch die gelockerten Empfehlungen bedeuten nicht, dass ein arterieller Hypertonus nicht gefährlich ist. Nach wie vor muss ein zu hoher Blutdruck effektiv behandelt werden.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Volker Lambert
Hausärztlicher Internist                                             
Tonndorfer Hauptstraße 71
22045 Hamburg
E-Mail: v.lambert(at)t-online.de

Im Beitrag:
Dr. Michael Weisbach
Kardiologe
Kardiologie am Tibarg
Tibarg 21
22459 Hamburg-Niendorf
Tel. (040) 52 20 86 80

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.10.2013 | 20:15 Uhr

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