Stand: 26.08.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Zungenbrennen - loderndes Feuer im Mund

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Viele Betroffene leiden beim Zungenbrennen ständig unter den Beschwerden, andere nur phasenweise.

Zungenbrennen (Glossodynie, Burning-Mouth-Syndrom) ist ein unangenehmer Schmerz auf der Zunge und im Mund, der besonders häufig bei Frauen in den Wechseljahren vorkommt. Nach Expertenschätzungen leiden drei bis fünf Prozent der Deutschen unter diesen chronischen Schmerzen, die häufig an den Randbereichen und der Zungenspitze auftreten, seltener am Zungengrund. Auch die Schleimhaut des Gaumens, der Lippen und der Wangen kann betroffen sein.

Ursache bleibt oft im Dunkeln

Oft ist im Mund nichts Auffälliges zu sehen, mitunter treten neben dem schmerzhaften Brennen Taubheitsgefühle, Mundtrockenheit oder starker Speichelfluss, Mundgeruch und Geschmacksstörungen auf. Meist nehmen die Beschwerden im Tagesverlauf zu und lassen während der Nahrungsaufnahme nach.

Viele Betroffene leiden ständig unter den Beschwerden, andere nur phasenweise. Trotz sorgfältiger Diagnostik gelingt es oft nicht, die Ursache für das Zungenbrennen herauszufinden. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel schlecht sitzender Zahnersatz, Karies, Zahnfleischentzündungen, Allergien, Pilz- oder Herpes-Infektionen, Erkrankungen der Speicheldrüsen mit Mundtrockenheit, Autoimmunkrankheiten (Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie), saures Aufstoßen durch Magensäurereflux, Nebenwirkungen von Medikamenten (ACE-Hemmer, Trizyklische Antidepressiva), Strahlenbehandlung von Kopf-Hals-Tumoren, Vitamin- und Nährstoffmangel (Vitamin B12, B2, B3, Folsäure, Eisen), Hormonstörungen (Diabetes, Östrogenmangel, Schilddrüsenunterfunktion), Zöliakie oder Leberzirrhose.

Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Störungen des Trigeminus-Nerven können sich als Zungenbrennen äußern, ebenso eine Depression oder eine Fibromyalgie.

Zungenbrennen kann von selbst wieder aufhören

Bei etwa der Hälfte der Betroffenen verschwindet das Zungenbrennen innerhalb weniger Jahre von selbst wieder. So vielfältig wie die verschiedenen Ursachen der Glossodynie, so kompliziert und langwierig ist oft der Weg zur richtigen Diagnose. Meist müssen die Betroffenen viele verschiedene Fachärzte aufsuchen, die nach und nach eine mögliche Ursache nach der anderen ausschließen. Wird ein Auslöser gefunden, kann der Arzt gezielt behandeln. Doch oft bleibt die Ursache unklar und so lassen sich nur die Symptome lindern.

Was hilft gegen die Beschwerden?

Anders als nach sehr scharfen Speisen kann kalte Milch bei Zungenbrennen nichts ausrichten. Besser wirken kühler Salbeitee oder Salzwasser. Auch Extrakte aus Heilpflanzen, die reizlindernde Schleimstoffe enthalten, sind oft hilfreich. Dazu gehören zum Beispiel Tees aus Lindenblüten, Malvenblättern oder Eibischwurzeln. Mitunter bringt Alpha-Liponsäure Linderung, eine schützende Substanz, die der Körper selbst bildet, die aber auch in Form von Tabletten rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist.

Manchen Betroffenen hilft das gegen Epilepsie eingesetzte Medikament Clonazepam, wenn alle anderen Therapien versagt haben, setzen Ärzte auch Antidepressiva ein, die in niedriger Dosierung Schmerzen lindern. Als sehr wirksam gilt bei Zungenbrennen die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie: Dabei lernen die Patienten, ihre Gedanken und Gefühle so zu steuern, dass der Schmerz in den Hintergrund tritt.

Gute Mundhygiene wichtig

Wer unter Zungenbrennen leidet, sollte grundsätzlich auf eine gute Mundpflege mit milden, entzündungshemmenden Lösungen achten, Alkohol, Nikotin, Essig, Nüsse, stark gewürzte Speisen und saure Früchte meiden. Bei Mundtrockenheit immer ausreichend trinken, auch das Lutschen von Eiswürfeln kann helfen. Reicht das nicht aus, kann der Arzt künstlichen Speichel verordnen. Nicht zu vernachlässigen ist auch regelmäßige körperliche Bewegung, die den Schlaf verbessert und so die Beschwerden lindern kann.

Weitere Informationen

Zungenbrennen: Oft liegt es an der Ernährung

Kann Zungenbrennen durch Kaffee ausgelöst werden und gibt es einen Zusammenhang zwischen Zungenbrennen und Zungenkrebs? Dr. Onno Janßen hat Fragen im Chat beantwortet. mehr

Links

Was ist Zungenbrennen?

Ursachen, Diagnose, Behandlung - Informationen von HNO-Ärzte im Netz. extern

Interviewpartner

Im Studio:
Priv. Doz. Dr. Onno E. Janßen
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie (DDG)
Endokrinologikum Hamburg
Lornsenstraße 4-6
22767 Hamburg
Tel. (040) 30 62 82 00
Fax (040) 30 62 83 27
Internet: www.endokrinologikum.com/standorte/hamburg  

Im Beitrag:
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Ralf Smeets
Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Forschung
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/zmkg/

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Visite | 26.08.2014 | 20:15 Uhr

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