Stand: 16.01.2018 09:19 Uhr  | Archiv

Zahnklammer oft teuer und wenig wirksam

Kinder in Deutschland tragen früher und länger Zahnspangen als Kinder in anderen Ländern. Fast zwei Drittel der Jugendlichen unterziehen sich hierzulande der langwierigen Behandlung. Mit gesundheitlichen Gründen allein sei das nicht zu rechtfertigen, sagen Experten. Außerdem dauere die Behandlung in Deutschland bis zu doppelt so lange wie in anderen, zum Beispiel in den skandinavischen Ländern.

Zahnspange schon im Grundschulalter

Während international eine einzige, festsitzende Klammer im Alter von elf bis zwölf Jahren für zwölf bis 18 Monate eingesetzt wird, weichen viele deutsche Kieferorthopäden von diesem sogenannten Goldstandard ab und beginnen die Behandlung bereits im Grundschulalter mit herausnehmbaren Spangen. Das hat meist eine sehr lange Behandlungsdauer zur Folge. Eine Fehlstellung von Milchzähnen bedeute nicht zwingend, dass auch die bleibenden Zähne schief wachsen.

Lange Behandlung aus wirtschaftlichen Gründen?

Experten kritisieren, dass bei der kieferorthopädischen Behandlung in Deutschland die für private und gesetzliche Krankenversicherungen gültige Vertragsdauer von vier Jahren in der Regel voll ausgeschöpft wird - unabhängig vom Befund. Eine effiziente kieferorthopädische Behandlung sei im Normalfall nach durchschnittlich 18 Monaten abgeschlossen.

Somit sei die hierzulande deutlich längere Standardbehandlung womöglich auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen. Zudem würden allzu oft teure funktionsanalytische Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt, die gar nicht unter Funktionsstörungen leiden.

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Visite | 16.01.2018 | 20:15 Uhr

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