Stand: 21.11.2016 13:25 Uhr  | Archiv

Wie wirkungsvoll sind Kinesio-Tapes?

Bunte Kinesio-Bänder © NDR
Die bunten Bänder werden unter anderem im Sport eingesetzt.

Die schrillen Bänder, Kinesio-Tapes genannt, waren zuerst nur auf den Körpern von Profisportlern zu sehen, jetzt kleben alle mit. Die Bänder sollen Verspannungen, Rückenschmerzen und Tinnitus heilen, außerdem bei Migräne und Regelschmerzen helfen, einem Schlaganfall vorbeugen - und auch noch die Muskeln stärken.

Die Zeitschrift "Ökotest" hat die Kinesio-Tapes geprüft. Die Experten wollten gar nicht wissen, ob die Bänder wirken, sondern vielmehr ob sie vielleicht sogar schaden. Im Labor wurde untersucht, ob sie schädliche Stoffe enthalten. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Produkte ist mit halogenorganischen Verbindungen verunreinigt. Das ist eine große Gruppe an Verbindungen, von denen einige Allergien und sogar Krebs auslösen können. Sie sollten deswegen nicht in Produkten enthalten sein, die man sich direkt auf die Haut klebt - wie die bunten Bänder.

Helfen die Bänder?

Die Wirkung ist alles andere als belegt. Die Hersteller behaupten, wellenförmige Ausbuchtungen im Klebeband heben die Haut an und sollen so das Bindegewebe stimulieren, beruhigen oder stützen. Das funktioniere aber nur mit einer präzisen Klebetechnik, die der Japaner Kenzo Kase erfand.

Fazit

Es gibt keine Studie, die einen eindeutigen Nutzen der Kinesio-Tapes belegt - dafür sind die meisten Bänder chemisch belastet.

In einer Studie wollten spanische Forscher den Nutzen der Bänder nachweisen. Eine  Gruppe Rückenschmerz-Patienten wurde nach den Vorgaben des japanischen Erfinders beklebt. Zeitgleich wurde eine zweite Rückenschmerz-Patienten-Gruppe ebenfalls mit Tape versorgt - allerdings nicht richtig. Die Bänder klebten auf dem Körper, ganz und gar ohne japanische Theorie. Das erstaunliche Ergebnis: Nach der Behandlung fühlten sich die Patienten aus beiden Gruppen besser, hatten weniger Rückenschmerzen. Das bedeutet: Was hier hilft ist nur der Glaube daran - der sogenannte Placebo-Effekt.

Warum lassen sich Menschen verkleben?

Professor Königstorfer beschäftigt sich als Sportökonom mit den Tapes. Er erforscht das Gesundheits-Verhalten von Konsumenten. Für plietsch hat er verschiedene Käufertypen ausgemacht.

Eine Nutzer-Typologie
Nutzer-TypErklärung
Der "Was-die-Profis-machen-ist-auch-gut-für-mich-Nutzer"Allerdings: Profis nutzen das Tape neben Physiotherapie, Massagen und Medikamenten. Da hat es praktisch keine Chance nicht zu wirken. Der Hobbysportler dagegen setzt meist nur aufs Kleben - und kann nur hoffen.
Der "Schaden-tut-es-ja-nicht-Nutzer" Die Kinesiotapes sind harmlos. Also, immer drauf damit. Schadstoffe? Noch nie gehört!
Der "Mein-Tape-ist-mein-Talisman-Nutzer"Er nutzt das Tape einfach immer, einen konkreten Grund braucht er nicht. Das Band gibt ihm Kraft und das Gefühl, gut vorbereitet zu sein.

 

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.11.2016 | 20:15 Uhr

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